25.07.2018, 13:35 Uhr

Zoff auf den Straßen Niedersachsen und Hessen sind die streitlustigsten Autofahrer

Foto: ambrozinio/123RF (Foto: ambrozinio/123RF)Foto: ambrozinio/123RF (Foto: ambrozinio/123RF)

Deutschlands großer Streitatlas zeigt: Cloppenburg, Limburg-Weilburg und Wiesbaden auf den ersten Plätzen der Landkreise – die wenigsten Konfliktpunkte gibt es auf Bayerns Straßen.

DEUTSCHLAND Jeden Tag sind Millionen von Deutschen im dichten Straßenverkehr unterwegs. Zu schnelles Fahren, übersehene rote Ampeln und Blechschäden sind dabei nur drei der Gründe für Streit auf Deutschlands Straßen. Das zeigt „Deutschlands großer Streitatlas“, eine zum dritten Mal aufgelegte Studie, für die Advocard bisher insgesamt 1,7 Millionen Streitfälle gesammelt und ausgewertet hat. „Der Ärger im Straßenverkehr ist hoch – mehr als jeder vierte Streit entsteht in diesem Bereich. Und innerhalb von zwei Jahren ist die Anzahl der Verkehrsstreitigkeiten um 28 Prozent gestiegen. Ähnliche Steigerungsraten verzeichnet der Streitatlas in keinem anderen Rechtsbereich“, erklärt Peter Stahl, Vorstandssprecher bei Advocard, dem Rechtsschutzversicherer der Generali. „Unsere moderne Welt wird immer schnelllebiger. Um auf dem Laufenden zu bleiben, sind wir am liebsten überall gleichzeitig. Das zeigt sich natürlich auch im Straßenverkehr: Es wimmelt vor Verkehrsteilnehmern, Schildern und Signalen. Die Konzentration ist hoch und damit auch die Anspannung.“ Kein Wunder also, dass sich Verkehrsteilnehmer untereinander eher despektierliche Spitznamen verpassen.

Schaut man sich auf Kreisebene in Deutschland um, drehen die streitlustigsten Autofahrer vermehrt in Niedersachsen und Hessen ihre Runden. Auf Platz 1 liegt der Landkreis Cloppenburg (Niedersachsen), gefolgt von den beiden hessischen Landkreisen Limburg-Weilburg und Wiesbaden. Der Volksmund kürzt das Cloppenburger Kennzeichen ‚CLP‘ mit „Chronisch links positioniert“ ab, aus ‚WI‘ für Wiesbaden wird „Wilder Idiot“ – vielleicht steckt darin ein Funke Wahrheit? An der Bevölkerungsdichte kann es jedenfalls nicht liegen: Sie schwankt zwischen Cloppenburg (484 Einwohner pro km2) und Wiesbaden (1.361 km2) sehr stark. Auch interessant: Mit Olpe und Leverkusen befinden sich lediglich zwei Landkreise aus dem bevölkerungsdichtesten Bundesland NRW unter den Top 10 – allerdings mit fast gegensätzlichen Verballhornungen wie „Ohne Erbarmen“ (OE) und „Leider etwas verpeilt“ (LEV).

Die Top 10 der streitlustigsten Landkreise:

Cloppenburg

Limburg-Weilburg

Wiesbaden

Pforzheim

Olpe

Kassel, Stadt

Nienburg/Weser

Leipzig, Stadt

Leverkusen, Stadt

Vechta

Auf Bundeslandebene ist Nordrhein-Westfalen mit 8,0 Streitigkeiten pro 100 Einwohner Spitzenreiter der Verkehrsstreiter. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass dieses Bundesland die höchste Bevölkerungsdichte abseits der Stadtstaaten und gleichzeitig das höchste Verkehrsaufkommen aufweist. Nicht umsonst wird die A40 als „Ruhrschleichweg“ oder auch der „längste Parkplatz des Ruhrgebiets“ genannt. Da werden Geduld und Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer strapaziert.

„Die Brandenburger warten übrigens mit gleich vielen Verkehrsstreitigkeiten pro Kopf wie NRW auf – obwohl die Bevölkerungsdichte hier nicht als Ursache zählen kann“, erklärt Stahl. „Vielmehr scheinen die gut ausgelasteten Straßen mit vielen Pendlern von und nach Berlin und Potsdam Hauptgrund für Streitigkeiten zu sein: Geschwindigkeitsüberschreitungen machen nämlich einen großen Teil der Verkehrsstreitfälle in diesem Bundesland aus.“ Interessant: Berlin selbst belegt lediglich den 5. Platz. Grund dafür könnte die steigende Nutzung alternativer Verkehrsmittel sein: Öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder und Car-Sharing-Angebote scheinen die Gemüter seit ein paar Jahren etwas zu besänftigen. Obwohl das Saarland laut Streitatlas Platz 10 im Gesamtstreitranking belegt, reißt den Saarländern im Straßenverkehr offenbar öfter der Geduldsfaden: Mit 7,8 Streitigkeiten pro 100 Einwohner zoffen sie sich auf den dritten Platz.

Top 5 der Bundesländer:

Nordrhein-Westfalen

Brandenburg

Saarland

Hamburg

Berlin

Im Süden Deutschlands fährt man offenbar wesentlich gelassener. Die Bayern sind mit großem Abstand – zumindest bezogen auf ihr Streitverhalten – die ruhigsten Autofahrer: Nur 5,7 Streitigkeiten pro 100 Einwohner sind im größten Bundesland Deutschlands zu verzeichnen. „Wenig überraschend ist daher auch das Ergebnis der Landkreise: Gleich neun Landkreise in den Top 10 der friedlichsten Verkehrsteilnehmer befinden sich in Bayern. Einzige Ausnahme ist das nordisch-entspannte Nordfriesland“, so Stahl. Auffallend ist, dass vor allem in ländlichen Gegenden wenig Streitfälle verzeichnet werden. Aber warum sollte man auch streiten, wenn man weit und breit das einzige Auto auf der Straße ist und die nächste Ampel Kilometer entfernt ist? Vielleicht ist es gerade diese entspannte Fahrweise, die Autofahrer aus anderen Landkreisen auf die Palme bringt und sie zum Spott über die Landkreiskürzel veranlasst, wie die Top 5 der gelassensten Landkreise zeigt:

Tirschenreuth (TIR: Trottel Im Regen)

Freyung-Grafenau (FRG: Fahren - Reine Glückssache)

Roth (RH: Recht Hilflos)

Passau (PA: Päpstlich Anerkannt)

Traunstein (TS: Trister Schleicher)


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