13.11.2019, 15:15 Uhr

400-PS Concorde Modellflieger Mit „Überschall“ ins Guinnessbuch der Rekorde

(Foto: privat)(Foto: privat)

Der Freilassinger Modellflugbauer Otto Widlroither sorgt mit 400-PS „Concorde“ weltweit für Aufsehen.

FREILASSING/MÜHLDORF Otto Widlroither denkt gerne in XXL. Der Maschinenbauingenieur aus Freilassing, der bei einem großen Freilassinger Bahnbau-Maschinenhersteller tätig ist, macht auch bei seinem Hobby keine halben Sachen: Modellflugbau. Mit seinem jüngsten Modellflieger, dem zehn Meter langen Nachbau einer „Concorde“, hat er seit dem „Jungfernflug“ am Mößlinger Flugplatz in Mühldorf für Aufsehen gesorgt. Und das weltweit. Schließlich schoss der Flieger hier mit einem 400-PS-Antrieb durch luftige Höhen und lag „wie ein Großer“ in den Kurven. Eine perfekte Vorstellung.

Dabei fangen alle großen Dinge einmal klein an. So auch bei Otto Widlroither. Seitdem er als Zwölfjähriger seinen allerersten selbst gebauten Flieger mit Fernsteuerung in die Luft brachte, baut er Modelflieger. Seit rund 36 Jahren betreibt er sein Hobby professionell. Rund ein Flieger pro Jahr kommt dabei heraus. Nicht nur die Größe, sondern die Antriebsleistung hat es ihm dabei besonders angetan. Ingenieurskunst eben: Bausätze umbauen und mit einem „Riesenmotor“ ausstatten – warum nicht?

„Ein bisschen Tunen ist schon auch dabei“, schmunzelt der 53-Jährige, der sich allerdings erst seit rund zehn Jahren für seine sehr großen und sehr schnellen Modellflieger einen Namen gemacht hat. Mit einem Rennflugzeug aus den 30er Jahren ging es damals los. „Das machte sofort die Runde in der Modellbauszene und ich war über Nacht auf den Titelseiten der europäischen Fachpresse.“ Einladungen zu Flugshows weltweit flatterten ins Haus, sogar zu den Scheichs nach Dubai. Keine Frage: Die große Modellfliegergemeinde feiert ihre „Stars“.

Was Otto Widlroithers Erfolg ausmacht? Er mag es gern schnell, spektakulär und gefährlich. „Mich interessiert die ‚Story‘ hinter dem Flugzeug. Tragische Geschichten, die damit verbunden werden.“ So verwundert es nicht, dass er vor rund drei Jahren mit der „Concorde“ den legendären Überschalljet, der vor 15 Jahren außer Betrieb genommen worden war, ins Visier nahm. Konstruktionszeichnungen seien keine veröffentlicht, die unterliegen immer noch der Geheimhaltung. Jedoch habe Otto Widlroither Tausende von Fotos von Einzelteilen einer zerlegten „Concorde“ zu Gesicht bekommen, die ein Engländer akribisch geschossen hatte; die habe er als Basis seinen Berechnungen und Konstruktionszeichnungen am Computer zugrunde gelegt. Den Fortschritt seiner Konstruktion hat der Modellflugbauer übrigens im Netz veröffentlicht.

(Foto: Petzi)

„Dieses Projekt ging über den einfachen Modellflugbau hinaus. Es war ein Industrieprojekt, für das ich Sponsoren und Systemanbieter mit ins Boot holen musste.“ Und die hat Otto Widlroither im großen Stil gewinnen können: die führenden Hersteller für Turbinen, Flugzeugelektronik und so weiter. Mit der ultraleichten Kohlefaserwabentechnik und Kerosin-Turbinen könnte der Modellflieger genauso in der Luft- und Raumfahrt realisiert worden sein. Und darum geht es: Die Flugzeuge so authentisch wie möglich nachbilden.

Jungfernflug geht viral:

6 Millionen Youtube Klicks

Wenn nach Jahren des Tüftelns und Bauens die Modellflieger genauso in die Luft gehen wie ihre realen Vorbilder, dann hat man sein Ziel erreicht. Dass seine „Concorde“ bei dem Jungfernflug in Mühldorf dieses Kunststück vollbringen würde, das war Otto Widlroither eigentlich klar. Deshalb hat er auch einen bekannten Youtuber eingeladen, die Flugshow zu filmen. Nervös war er dennoch. „Man erkennt bereits in den ersten fünf bis zehn Sekunden, ob das Projekt ein Erfolg wird. Dann, wenn der Flieger abhebt wie das Original und wenn er wie das Original genauso in der Kurve liegt“.

Im Showflug gehe es darum, einen eleganten Flug hinzuzaubern. Eben eine gute Show abzuliefern. Und das war ihm in beeindruckender Art gelungen. In nur wenigen Wochen bekam das Video, das auf diversen Plattformen zu sehen war, weltweit rund sechs Millionen Klicks. Eine riesige Resonanz. XXL eben.

Zur Ausstellung seiner „Überschallmaschine“ bei der „Jet-Power 2019“ in Augsburg reisten Modellflug-Fanatiker nur wegen Otto Widlroithers Meisterstück an. Kein Wunder: Mit seinem 400-PS-Antrieb ist der Modellflieger heißer Kandidat für das Guinnessbuch der Rekorde. Der Antrag sei bereits eingereicht. Welche Herausforderungen dann überhaupt noch bleiben?

Mit einer selbst gebauten Kohlefaserkugel 25 oder 30 Kilometer in die Stratosphäre hochfliegen – das wäre eine Idee. Neue Projekte werde er aber die nächsten Jahre erst einmal nicht in Angriff nehmen. Danach geht es dann aber vielleicht so richtig hoch hinaus.


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