29.08.2018, 14:02 Uhr

Jetzt ein Touri-Hot-Spot Lebensgefährlicher Hype um den Königsbach-Wasserfall


Der „geheime“ Badeplatz boomt jetzt als Touristen-Hot-Spot in sozialen Netzwerken. Viele Wanderer setzten für ein gutes Foto ihr Leben aufs Spiel und ignorieren die drohenden Gefahren ...

SCHÖNAU AM KÖNIGSSEE. Was früher ein Geheimtipp für Einheimische war, ist jetzt zum Internet-Hype geworden: der Wasserfall am Königsbach. Einladend glitzern die tiefgrünen Gumpen – diese „natürlichen Badewannen“ locken inzwischen an heißen Sommertagen bis zu 100 Besucher an das idyllisch gelegene Fleckchen im Nationalpark Berchtesgaden. Mittlerweile sogar schon so viele, dass die Ranger des Nationalparks am Malerwinkel stehen mussten, und die Besucher auf die Gefahren hinwiesen.

Das Problem: Die meisten gehen ohne passende alpine Ausrüstung und Ortskenntnis über einen absichtlich nicht ausgeschilderten Weg an den Wasserfall und unterschätzen die drohenden Gefahren.

„Gelände um den Wasserfall ist als hochalpin einzuschätzen“

So wäre ein Abstecher einer 25-jährigen Urlauberin letzte Woche beinahe tödlich ausgegangen. Sie wollte gemeinsam mit ihrer Freundin in den Gumpen des Wasserfalls baden. Noch beim Klettern durchs unwegsame Gelände verlor sie den Halt und stürzte 50 Meter in die Tiefe. Wie durch ein Wunder überlebte sie.

Dieser Sturz hätte auch ganz anders ausgehen können: „Die Gäste, aber auch die Einheimischen unterschätzen die Gefahren. Das Gelände rund um den Wasserfall ist als hochalpin einzustufen“, sagt Martin Planegger, Mitglied der Berchtesgadener Wasserwacht. Viele Besucher marschieren nur in Bikini und Badelatschen zur Badestelle. „Das ist natürlich sehr problematisch. Dort herrscht akute Steinschlaggefahr, es gibt ausgesetzte Stellen und besonders rutschige Steine“, gibt der Wasserwachtler zu bedenken.

Alle wollen „DAS Foto“ in der natürlichen Badewanne

Speziell im Jahr 2018 seien es mit fünf oder sechs Rettungs-Einsätzen zwar nicht mehr gewesen als im Vorjahr, jedoch steige die Beliebtheit des Wasserfalls rapide an. „Durch die sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Instagram ist der Wasserfall am Königssee ein richtiger Hot-Spot geworden. Es werden Youtube-Videos gedreht und Fotos für Instagram und Facebook geschossen. Es ist inzwischen so, dass viele Besucher einfach zum Wasserfall wollen, um DAS Foto zu schießen, um dann viele Likes abzustauben“, sagt Planegger. Wer zu leichtsinnig ist, für den kann der Wasserfall auch ganz schnell zur Wasserfalle werden: „Die meisten Unfallursachen sind unpassende Ausrüstung, keine Ortskenntnis oder eine falsche Einschätzung des Wetters“, so Planegger weiter.

Speziell in den Youtube-Videos und auf Blogs ignorieren zahlreiche Urheber Warnhinweise und Schilder und animieren den Zuseher zum Weitergehen. „Manche sagen, das Gelände sei als leicht machbar einzustufen, was natürlich nicht stimmt“, so der Wasser-Retter. Nicht nur den Besuchern kann ein leichtsinnig gestalteter Ausflug an den Königsbach-Wasserfall schaden, auch die Umwelt leidet: „Die Wasserwacht musste dort schon regelmäßig den Uferbereich von Hinterlassenschaften der Gäste säubern“, bedauert Planegger. Auch Lagerfeuer und Wild-Camper seien keine Seltenheit. Beides ist hier im Nationalpark-Gebiet strikt verboten.

Auch ein tierisches Unglück gab es heuer schon am Wasserfall zu beklagen: Der Chihuahua eines amerikanischen Urlauber-Pärchens stürzte in die Tiefe und verstarb. Am nächsten Tag soll das Paar zurückgekehrt sein, um Steine aus der Höhe zu werfen, um so feststellen zu können, wohin ihr Vierbeiner gefallen sein könnte. Und das, obwohl unten am Weg Leute waren. Ganz abgesehen von dieser lebensgefährlichen Aktion erinnert Planegger: „Hunde müssen im Nationalpark so oder so an die Leine!“

Die BRK-Wasserwacht, der Nationalpark und die Polizei Berchtesgaden appellieren deshalb an Touristen und Einheimische, die Gefahren am Wasserfall ernst zu nehmen. Kein Foto auf Instagram und Co. ist es wert, sich oder das Leben anderer aufs Spiel zu setzen ...


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