06.12.2017, 10:33 Uhr

Hofbräuhaus Traunstein kämpferisch „S‘ Dirndlgwand ist keine Burka!“

Vor 16 Jahren kam Katharina Gaßner auf die Werbeidee mit dem Busen auf dem Bierdeckel. Nach der „Emma“ zog sie sich jetzt den Zorn des Werberates zu. (Foto: Hofbräuhaus Traunstein)Vor 16 Jahren kam Katharina Gaßner auf die Werbeidee mit dem Busen auf dem Bierdeckel. Nach der „Emma“ zog sie sich jetzt den Zorn des Werberates zu. (Foto: Hofbräuhaus Traunstein)

„Busen-Bierdeckel“-Posse beim Hofbräuhaus Traunstein geht in die 2. Runde: Nach Alice Schwarzer meldet sich jetzt der Werberat.

TRAUNSTEIN „Achtung und Respekt vor Frauen ist für uns eine Selbstverständlichkeit und muss sicher keiner Prüfung von außen unterzogen werden. Schon gar nicht von anonymen Beschwerdeführern. Eine Dirndlträgerin ist nicht automatisch sexuell verfügbar“ so die Marketingchefin vom Hofbräuhaus Traunstein Katharina Gaßner im Gespräch mit dem Chiemgau/BGL Wochenblatt.

Warum bedarf es überhaupt dieser Erklärung?

Ihr inzwischen vor 16 Jahren entworfener und schon millionenfach genutzter Bierdeckel „Was darf’s sein“ mit zwei gut eingeschenkten Maßen aus dem Hofbräuhaus Traunstein vor einem prall gefüllten Dekolleté im bayerischen Dirndl, sorgte bereits im April – wir berichteten unter dem Titel „Schwoam mas owe“ – deutschlandweit für Schlagzeilen: Emma-Chefredakteurin und „Päpstin der Emanzipation“ Alice Schwarzer meldete sich zu Wort und kürte ihn in die Rubrik „megaout“, weil er sexistisch sei und die Frau als Ware präsentiert werde. Süffisant konterte die „Ware“ Katharina Gaßner die Kritik: „Liebe Emma-Redaktion, es freut uns, dass nach mehr als 16 Jahren auch ihr unseren Bierdeckel entdeckt habt ... Bei uns darf´s auf alle Fälle mehr Humor sein.“

„Sexismus-Keule lassen wir anderen“

Das Schwingen der „Sexismus-Keule“ überlasse man anderen. Damit sich Alice Schwarzer und ihre Mitarbeiterinnen auch gleich vom bayerischen Wohlgefühl überzeugen können, fügte Katharina Gaßner gleich eine Einladung in die Bierstadt Traunstein hinzu.

Frau Schwarzer wurde in der Großen Kreisstadt bis dato nicht gesichtet. Dafür flatterte vom Deutschen Werberat ein fettes Beschwerdeschreiben ins Haus. Der Vorwurf: sexistische Werbung, die gegen Ziffer 5 der Verhaltensregeln des Deutschen Werberates (Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen) verstoße. Aussagen und Darstellungen, wonach Personen auf Sexualität reduziert oder sexuelle Verfügbarkeit nahegelegt werde, dürften nicht verwendet werden.

Mehr noch: Die alleinige Fokussierung auf die Brüste der Frau würden diese zum „Sexualobjekt“ degradieren. Bereits 2007 hätte sich der Deutsche Werbebeirat mit dem „Dirndl-Skandal-Bierdeckel“ befasst und Beschwerden von (anonymen) Personen zurückgewiesen. Die Sensibilisierung der Bevölkerung gegenüber Sexismus führe jedoch dazu, dass man sich gesellschaftlichen Entwicklungen anpasse. Müssen Freunde der Biere aus dem Hause Hofbräuhaus Traunstein auf ihren „Lieblingsbierdeckel“ verzichten? Wenn es nach Katharina Gaßner und der gesamten Hofbräuhaus-Führung geht, mit Sicherheit nicht.

„Wenn es nicht so traurig wäre, gäbe es nur Grund zum Lachen“, so Katharina Gaßner. Unter dem Titel „s‘ Dirndlgwand ist keine Burka ...“ hat die gesamte Hofbräuhaus-Geschäftsleitung im Antwortschreiben an den Deutschen Werberat kein Blatt vor den Mund genommen. „Ich kann die Aufregung, mit Verlaub, nicht verstehen. Hat unsere Gesellschaft keine anderen Probleme?“, so Bräu Maximilian Sailer.

„Haben wir denn keine anderen Probleme?“

Aber man geht noch einen Schritt weiter und hinterfragt die (sogenannte) „political correctness“: Das Schwingen der „Sexismus-Keule“ gehöre wohl inzwischen zum Standardprogramm vieler „Experten und Schutzpatroninnen“ der Frauenrechte. Das Dirndl sei keine Burka, sondern eine seit Jahrhunderten nahezu unveränderte bayerische Tracht. „Und es verstößt, Gott sei Dank, gegen keinerlei Vermummungsverbot“, meint Geschäftsführer Josef Schumacher mit einem Schuss Galgenhumor. Im Übrigen würde einzig und allein das Bier beworben. Bereits nach dem „Emma-Shitstorm“ hat das Hofbräuhaus über 98 Prozent Zustimmung erfahren. Ein Aufheulen feministischer „Shitstormer“ oder „doppelmoralistischer Schutzpatroninnen“ sei unter ferner liefen gelandet.

Bleibt zu hoffen, dass sich der „Sturm im Wasserglas“ oder besser gesagt im Bierglas bald legt. Denn eines möchte Katharina Gaßner mitnichten: dass der Bierdeckel mögliche Koalitionsverhandlungen in Berlin gefährdet. Ironie aus ...


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