24.10.2017, 11:10 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Weniger Tote, viele lassen sich retten DAV: Mehr Unfälle und Notlagen am Berg

Die vermeintlich sicheren Drahtseile verleiten zur Selbstüberschätzung. Foto: DAV/Hans HerbigDie vermeintlich sicheren Drahtseile verleiten zur Selbstüberschätzung. Foto: DAV/Hans Herbig

Trotzdem gute Nachrichten: So wenige Tote wie 2016 gab es noch nie

BAYERN. Landkreis. Etwas anders gestaltet sich allerdings das Bild bei den Bergunfällen insgesamt: Dieser Wert erreicht einen neuen Höchststand. „Der scheinbare Widerspruch erklärt sich ganz einfach“, sagt Florian Hellberg von der DAV-Sicherheitsforschung. „Immer mehr Menschen werden gerettet, bevor die Lage für sie lebensbedrohlich wird.“ Für die bevorstehende Herbstsaison in den Bergen appelliert Hellberg an die Bergsportlerinnen und Bergsportler: „Verlasst euch nicht darauf, im Zweifel gerettet zu werden. Der wirksamste Schutz vor schweren Bergunfällen sind eine gute Tourenplanung und ausreichende Reserven – sowohl zeitlich als auch körperlich!“

Großes Risiko, dass man blockiert ist

Dreißig tote Alpenvereinsmitglieder bei Bergsportunfällen waren im Jahr 2016 zu ver- zeichnen, allein 19 Opfer kamen beim Wandern oder Bergsteigen in (meist) höheren Gebirgsregionen ums Leben.

Insgesamt von Unfällen und Notfällen betroffen waren im vergangenen Jahr 1182 DAV-Mitglieder, also rund 0,1 Prozent. „Rechnet man die Mitgliedschaftszuwächse ein, bleibt das individuelle Unfallrisiko im Vergleich zu den Vorjahren konstant auf sehr niedrigem Niveau“, erklärt Florian Hellberg von der Sicherheitsforschung beim Deutschen Alpenverein. Tatsächlich seit zwei Jahrzehnten zunehmend, auch relativ zur Mitgliederzahl, ist allerdings das Risiko von Blockierungen – nicht nur beim Klettersteiggehen, sondern auch beim Wandern (30 Prozent).

„Blockierungen sind Situationen, aus denen sich die Bergsportlerinnen und Bergsportler nicht mehr selbst befreien können und auf die Bergrettung angewiesen sind – obwohl sie keine Verletzungen haben“, so Hellberg.

Besonders häufig kommen diese Notlagen beim Klettersteiggehen vor: Mehr als die Hälfte aller Rettungseinsätze an Klettersteigen gehen auf Blockierungen zurück. „Klettersteige suggerieren mit ihren installierten Drahtseilen eine trügerische Sicherheit. Wenig geübte Klettersteiggeher muten sich deshalb oftmals zu schwierige Touren zu.“

Relativ wenige Unfälle passierten übrigens beim Mountainbiken (31), während von Skitourengehern (86) oder von Pisten (298) mehr Notfälle gemeldet wurden. Angesichts der vielen hunderttausend Aktiven ist die Zahl der schweren Unfälle in Kletterhallen dagegen sehr gering: Seit der Jahrtausendwende sind ins- gesamt drei DAV-Mitglieder in Kletterhallen gestorben, ein tödlicher Unfall ereignete sich im vergangenen Jahr.

Alle drei Todesfälle gingen auf Einbindefehler zurück, also darauf, dass der Knoten am Gurt des Kletternden nicht richtig geknüpft war.

In der DAV-Bergunfallstatistik werden ausschließlich die Unfälle von DAV-Mitgliedern erfasst – unabhängig davon, wo diese Unfälle passieren. Eingang in die Statistik finden Unfälle, die die Mitglieder an die Versicherung des DAV (Alpiner Sicherheits-Service – ASS) melden, um beispielsweise Bergungskosten erstattet zu bekommen.

Aufgrund ihres Umfanges und der bereits langjährigen Erhebung liefert die DAV-Bergunfallstatistik eine gute Grundlage, um Entwicklungen und Tendenzen für den gesamten Bergsport abzulesen und die Konsequenzen daraus zu ziehen.


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