16.05.2018, 21:22 Uhr

Wunder der Natur Zwei weiße Rehe streifen durch Schauflings Wälder


Die süßen Bambis wurden im Mai letzten Jahres geboren.

SCHAUFLING Die Asklepios Klinik Schaufling liegt idyllisch in den Wäldern des Bayerischen Waldes. Als Patienten erzählen, dass sie zwei weiße Rehkitze gesehen haben, glauben die Schwestern erst einmal an ein Märchen. Aber dann passiert es. Während einer Pause in der Nachtschicht werden auch die Schwestern Zeuge dieser seltenen Laune der Natur: Friedlich grasen die beiden weißen Rehkitze mit ihrer Mutter an der nahe gelegenen Böschung.

Seither tauchen die beiden Rehlein gemeinsam mit ihrer Mutter immer wieder hinter der Klinik auf, um Nahrung zu suchen. Meist sind sie nachts hier oder in den frühen Morgenstunden. Egal wer sie zu Gesicht bekommt, jeder ist erstaunt und erfreut zugleich.

Auch für Josef Tischler, der seit 50 Jahren Jäger ist, und in dessen Revier die beiden Rehkitze geboren wurden, sind die weißen Rehe einzigartig. „Ich habe bisher in meiner ganzen Jägerzeit noch keine weißen Rehe gesehen“, erzählt der Waidmann.

Die Mutter hat ein braunes Fell

Geboren wurden die beiden Kitze im letzten Mai. „Die Mutter selber hat ganz normales braunes Fell“, weiß Josef Tischler. Mittlerweile streifen die beiden Rehe mit ihrer Mutter immer wieder durch das Revier, dennoch hat er sie selbst noch gar nicht gesehen. „Ich habe nur Bilder von den beiden weißen Rehen, die mir mein Jagdfreund Manfred Krüger aus Osterhofen gegeben hat.“

Auch im Revier von Karl Lemberger streifen die süßen Bambis manchmal umher. Dass sich die Rehe jetzt noch braun verfärben, ist ausgeschlossen. „Jetzt sind sie fast ein Jahr alt und immer noch weiß, dann bleibt das auch so“, sagt Karl Lemberger.

Die Überlebenschancen für die beiden besonderen Rehe sieht der Jäger nicht bedeutend schlechter als bei braunen Rehen. „Nur sollte ein Luchs hier in der Gegend auftauchen, dann sind die beiden aufgrund ihrer Fellfarbe nicht so gut getarnt, besser sichtbar und so eine leichtere Beute“, weiß Karl Lemberger.

Abschießen würde Unglück bringen

Doch woher kommt die weiße Fellfarbe? Antwort darauf hat die Wildbiologin Dr. Claudia Gangl vom Bayerischen Jagdverband: „Bei Säugetieren entstehen Fell- und Hautfarbe durch die Zusammensetzung und Menge der Pigmente, der sogenannten Melanine. Die sogenannte Weißfärbigkeit hat in der Regel erbliche Ursachen. Und da mehrere Gene an der normalen Ausfärbung beteiligt sind, können einzelne oder alle von einer Mutation betroffen sein, wodurch die Synthese der Pigmente/Melanine gestört wird. Es gibt alle Übergänge bis hin zum reinen Albino, der überhaupt keinen Farbstoff/Pigment mehr herstellen kann und deshalb rote Augen hat, weil die reich durchblutete Netzhaut hindurchschimmert.“

Ob es sich bei den beiden Rehen um Albinos handelt, lässt sich nicht sagen, denn bisher konnte ihnen noch keiner so richtig in die Augen blicken. Den Bildern nach sind es aber eher keine Albinos.

Eines ist aber klar: Für die Patienten und die Belegschaft der Klinik sind die Tiere so etwas wie Glücksbringer. Und Abschießen darf man die beiden Rehen ohnehin nicht, denn nach einer alten Jägerlegende bringt das Unglück!


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