26.02.2020, 11:23 Uhr

Betroffenheit in Garching „Sex-Pfarrer“ Peter H. beschäftigt wieder die Ermittler

Der frühere Garchinger Pfarrer Peter H. ist durch eine TV-Recherche wieder ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. F.: clDer frühere Garchinger Pfarrer Peter H. ist durch eine TV-Recherche wieder ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. F.: cl

Auch in Garching an der Alz soll Pfarrer Peter H. drei Jungen missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft München prüft neue Ermittlungen

Garching/Alz. Aktuelle Recherchen von „Frontal 21“ und „CORRECTIV“ wühlen auch in Garching an der Alz die Seelen der Menschen wieder auf. Es geht um Pfarrer Peter H., der im Jahr 2008 die Alzgemeinde verlassen musste. Damals war das Unverständnis bei den Bürgern groß. Für viele war die Entscheidung nicht nachvollziehbar.

1986 wird er verurteilt, 1987 Pfarrer in Garching

Im Zuge der Aufklärungswelle von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche wurde auch das Kapitel „Peter H.” beleuchtet. Und es war Fakt, dass der damals 62-Jährige bereits 1986 wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger verurteilt wurde.

Auch wenn es in der Alzgemeinde zu H.s Amtszeit immer wieder Getuschel bezüglich seiner Vergangenheit gab, so wusste doch niemand etwas Genaues. 21 Jahre lang wirkte er in Garching als Pfarrer, rückte mit scharfzüngigen Predigten den Menschen die Köpfe zurecht. Sein Weggang löste bei vielen Katholiken Trauer aus und Wut gegenüber der Diözesanverwaltung in München. Bei der Verabschiedung von Peter H. flossen Tränen und er selbst haderte mit seinem Schicksal.

Allerdings kannte Peter H., im Gegensatz zu seiner Kirchengemeinde den wahren Grund seiner Versetzung. Erzbischof Reinhard Marx hatte ein forensisches (psychologisches) Gutachten über den Pfarrer erstellen lassen und das war nicht besonders gut ausgefallen.

H. soll auf Grund des Gutachtens zur Auflage gemacht worden sein, keine Kinder-, Jugend- und Ministrantenarbeit mehr zu machen. In Garching konnte H. diese Auflage unmöglich erfüllen. Er unterrichtete in der Schule und hatte rund 300 Ministranten für die Kirche gewonnen.

Dass die Wahrheit im Jahr 2010 - das Wochenblatt berichtete am 17. März 2010 - mit einer Verspätung von zwei Jahren ans Licht kam, liegt daran, dass die Vergangenheit des Garchinger Ex-Pfarrers den Papst persönlich ins Kreuzfeuer der Kritik rückte. Überregionale Zeitungen titelten damals mit „Der Sex-Pfarrer von Garching“.

Als Kaplan soll sich Peter H. in Essen oral an einem Elfjährigen vergangen haben. Joseph Ratzinger wurde vorgeworfen, als Erzbischof von München und Freising im Jahr 1980 dem Umzug des pädophilen Priesters von Essen ins Bistum München zugestimmt zu haben. Es sei beschlossen worden, Peter H. in einem Pfarrhaus in München unterzubringen, damit er eine Therapie machen könne.

Diözese versetzte Peter H. von Kirche zu Kirche

Jedoch machte Peter H. keine Therapie, sondern wurde in der Pfarrseelsorge eingesetzt. Erst in München und bis 1985 in Grafing. Dort wurde er aber rückfällig. 1986 verurteilte ihn das Amtsgericht Ebersberg wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu einer achtzehnmonatigen Bewährungsstrafe und 4.000 Mark Geldauflage.

Nach seiner Verurteilung wurde Peter H. als Kurat in einem Altenheim eingesetzt, trat aber bereits 1987 wieder eine Stelle als Pfarrseelsorger an - in der Gemeinde Garching an der Alz.

Nach Bekanntwerden der Wahrheit über die Vergangenheit ihres langjährigen Ortspfarrers befand sich die Garchinger Kirchengemeinde im Schockzustand. Vielen engen Vertrauten von Peter H. fehlten die Worte. Der langjährige Pfarrgemeinderatsvorsitzende lehnte es ab, zu dem Fall etwas zu sagen.

Garchings Bürgermeister Georg Reichenwallner sagte damals: „Nach meinem momentanen Kenntnisstand hat sich Peter H. in Garching 21 Jahre lang nichts zu Schulden kommen lassen. Er war ein sehr guter Pfarrer und es tut mir leid, was jetzt mit ihm passiert.”

Bistum räumt Missbrauch auch in Garching ein

Eine Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft ergab 2010, dass keine Strafanzeige gegen Peter H. vorliegt. Laut Staatsanwaltssprecher Ziegler sei der ehemalige Garchinger Pfarrer ein „unbeschriebenes Blatt” – seit seiner Verurteilung 1986.

Nach den neuen Recherchen soll Pfarrer H. in Garching drei Jungen missbraucht haben. Das habe auch das Bistum mittlerweile eingeräumt.

Die Staatsanwaltschaft München prüft neue Ermittlungen. H., mittlerweile 72 Jahre alt und im Ruhestand, soll auf mehrfache Anfrage von „Frontal 21“ und „CORRECTIV“ nicht reagiert haben.

Bei seiner Verabschiedung 2008 hatten die Garchinger ihrem scheidenden Priester noch versichert, dass er jederzeit gerne in der Alzgemeinde gesehen sei und dort seinen Ruhestand verbringen solle.