18.12.2019, 10:12 Uhr

Wunschziel NFL Lorenz aus Neuötting lebt seinen Football-Traum in USA


In Kirchdorf war er ein Wildcat, nun spielt der Neuöttinger in der US College-League bei den Bearcats

NEUÖTTING/CINCINNATI. Eigentlich ist Fußball in Bayern die dominierende Ballsportart, aber damit hatte Lorenz Metz schon als Kind eher wenig am Hut. Er spielte lieber Tischtennis – bis ihn ein Freund mit zum Football-Training nahm: Seitdem gehört seine Leidenschaft dem American Football – und zwar nicht nur passiv bei der mittlerweile auch in Deutschland beliebten Superbowl-Nacht im Fernsehen.

Mit 17 Jahren ging´s für Lorenz bei den Wildcats los

Bei den Kirchdorf Wildcats stülpte er sich mit 17 Jahren erstmals den Football-Helm über und stürzte sich in das durchaus rabiate Getümmel auf dem Spielfeld. Dass Lorenz nicht nur genügend Begeisterung, sondern auch eine Menge Talent zum Football-Spieler mitbrachte, blieb nicht unbemerkt: Er wurde 2017 im Rahmen eines Recruiting-Programms entdeckt und bekam die Chance, ins „Mutterland“ des Football zu wechseln. Eine Karriere in den USA ist für Football-Spieler weltweit ein Traum, aber der Wildcat-Spieler machte sich die Entscheidung nicht leicht: „Ins Ausland zu gehen um Football zu spielen, hat mich schon ein wenig Überwindung gekostet“, sagt der 22-Jährige heute. Eigentlich hatte er die Weichen für sein Leben schon gut gestellt: „Nach meiner Ausbildung als Chemikant im Werk Gendorf habe ich die BOS Altötting besucht und dort mein Fachabitur gemacht.“

Dennoch wagte er den Schritt und ging zum College-Team Cincinnati Bearcats, wo er in seiner ersten Saison 2018 Ergänzungsspieler war. Die laufende Saison konnte Lorenz Metz als Starter absolvieren – und das, obwohl er vom Defensive-Liner zum Offensive Tackle umgeschult wurde.

Wie Lorenz Metz vor dem Spiel gegen Memphis erklärte, spielt die University of Cincinnati in der höchsten College Division (Division I) und in der American Athletic Conference: „Es gibt insgesamt 129 FBS Division I Football Teams und Cincinnati ist momentan auf Platz 19 und hat nur ein Spiel verloren - gegen Ohio State auf Platz 1.“

Was er sich für seine sportliche Laufbahn wünscht, hat der Neuöttinger in einem Interview geschickt formuliert: „In einer idealen Zukunft spiele ich NFL ...“ Die Chance, sich in den illustren Kreis deutscher Footballer in der NFL einzureihen, ist durchaus gegeben: „Ich bin momentan 22 Jahre und denke, eine Karriere ist in diesem Alter immer noch vorstellbar. Der durchschnittliche NFL-Spieler ist 26 Jahre alt ...“

Sein Einstiegserfolg steigt dem College-Studenten jedoch nicht zu Kopf: „Natürlich muss ich weiter an mir arbeiten und meine Technik und das Spielverständnis verbessern. Die Spielerfahrungen, die ich in den letzten elf Spielen als Starter gesammelt habe, sind dabei recht hilfreich.“

In der NFL zu spielen, ist für Lorenz Metz das Wunschziel

Obwohl er Familie und Freunde schon sehr vermisst, sagt Lorenz Metz: „Ich bin sehr froh, dass ich diesen Weg gegangen bin.“ Sein Ratschlag für Nachwuchsspieler lautet: „Ich würde ihnen raten, auf ein PPI-Camp/Combine zu gehen und sich dort evaluieren zu lassen.“

Aber natürlich hat Metz auch einen Plan B, wenn´s mit der „idealen Zukunft“ nicht klappen sollte: „In Cincinnati studiere ich Industriemanagement, worauf ich zurückgreifen kann. Aber wo es mich dann hinzieht, kann ich momentan noch nicht sagen.“ Die Gelegenheiten, die Heimat zu besuchen, sind spielbedingt spärlich: „Nach Bayern komme ich normal zwei Mal im Jahr - nach der Season, welche meistens Ende Dezember endet, und nach dem Frühlings-Semester“, sagt der 2,06-Meter-Hüne, der in Amerika noch 27 Kilo zugelegt hat. „Das erfordert der Positionswechsel von Defensive Line zur Offensive Line, wo man massiger sein muss.“

Was er außer Familie und Freunden noch vermisst? „Leberkas-Semmeln und Döner“, lacht Lorenz. Stattdessen futtert er nun mit „corn pudding“ ein traditionelles amerikanisches Gericht, das er „pretty good“ findet. Natürlich absolviert er ein striktes Trainingsprogramm mit der Mannschaft, u.a. fünf mal die Woche Gewichtheben in der Off-Season.

Da Cincinnati die Schwesterstadt von München ist, muss der Neuöttinger nicht völlig aufs bajuwarische Lebensgefühl verzichten: „Es gibt hier in Cincinnati sehr viele deutsche Feste, wie zum Beispiel das Oktoberfest und den Christkindlmarkt.“

Während man in Deutschland auf die Wahl Donald Trumps zumeist mit Unverständnis oder gar Spott reagiert, kann der College-Student nur feststellen: „Ich bekomme nicht sehr viel von der Politik Trumps zu spüren, aber ich merke schon, dass die Amerikaner Trump in der Überzahl befürworten.“

Dass Lorenz in seinem Team die Nr. 51 trägt, ist übrigens eine Reminiszenz an seine Zeit bei den Wildcats Kirchdorf: „Als ich dort angefangen habe, trug ich in der Jugend die Nummer 41 und bei den Senioren dann die 31. Mit der Nummer 51 wollte ich eigentlich nur den Trend fortsetzen, eine Eins in der Nummer zu haben“, schmunzelt er.

Bekanntlich weiß man in Amerika Events zu zelebrieren und das erlebt auch der Neuöttinger, z.B. beim „Catwalk“: „Der (Bear)-Catwalk ist eine Parade, die vor jedem Heimspiel stattfindet. Wir laufen dann ca. 2,5 Stunden vor Spielstart durch den Campus in das Stadium ein.“ Auf seiner Facebook-Seite schrieb er nach dem ersten Mal: „Awesome“, was so viel wie umwerfend oder affengeil heißt ...

Das Spiel gegen Memphis ging übrigens leider verloren und Lorenz ist enttäuscht: „Im Ranking steigen wir nun ab.“ Aber auch Niederlagen zu verkraften gehört dazu, wenn man ein Football-Profi werden will ...

Auf YouTube kann man Lorenz´ Highlights anschauen und jeden Samstag überträgt #ran Spiele vom College-Football live auf ProSieben MAXX und kostenlos im Livestream.


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