29.10.2019, 14:57 Uhr

Besondere Kunst Kerry Balder – seit zehn Jahren mit Kontaktjonglage erfolgreich

Kerry Balder zeigt ihre Kontaktjonglage in traumhaften Kostümen. (Foto: Manfred Fiedler)Kerry Balder zeigt ihre Kontaktjonglage in traumhaften Kostümen. (Foto: Manfred Fiedler)

Die Garchingerin hat ihre gut bürgerliche Existenz der Kunst geopfert und es noch keinen Tag bereut

GARCHING. Es gibt Menschen, die brennen für eine Sache. Sie geben ihr „normales“ Leben mit geregelten Arbeitszeiten und festem Einkommen auf, um sich nur noch ihrer Leidenschaft zu widmen.

Kerry Balder aus Garching ist so ein Mensch. Vor zehn Jahren stand sie zum ersten Mal als Kontaktjongleurin auf der Bühne. Seit etwa vier Jahren bestreitet sie damit ihren Lebensunterhalt, hat ihre bürgerlichen Berufe als Rechtsanwaltsgehilfin bzw. Ladeninhaberin aufgegeben. Und sie ist glücklich mit ihrem Entschluss.

„Ich möchte nichts anderes mehr machen“

„Kontaktjonglage“ ist das Jonglieren mit Bällen oder Kugeln, wobei man diese aber nicht wirft, sondern über den Körper rollen lässt. Zu sehen ist Kerry mit ihren Shows hauptsächlich auf Mittelalterfesten, sie nimmt aber auch Engagements für private und geschäftliche Veranstaltungen an. So tritt sie beispielsweise beim Altöttinger Tillymarkt am kommenden Sonntag auf dem Kapellplatz auf.

2006 hat sie mit der Kontaktjonglage angefangen. Auch, weil sie die Wurfjonglage nicht so gut hinbekam. „In einem Katalog für Jonglierartikel habe ich die Contactballs entdeckt, die waren mir vom Sehen bekannt und das war´s dann!“, erzählt sie. Videos aus dem Internet nachahmend hat sie sich autodidaktisch ihre Kunst beigebracht.

Jeden Tag hat sie mindestens eine Stunde konzentriert geübt und brauchte ein halbes Jahr, bis sie etwas Vorzeigbares abzuliefern hatte. Aber: „Es hat sich einfach richtig angefühlt!“ Sie hat eigene „Moves“ kreiert und auch einiges von anderen abgeschaut.

Sie arbeitet nicht mit den hochzerbrechlichen Glas- sondern mit Acrylkugeln. Trotzdem gingen auch davon schon rund zwei Dutzend zu Bruch: „In meiner Anfangszeit waren die mit 80 Euro pro Stück auch ganz schön teuer. Mittlerweile kosten sie nur noch rund die Hälfte.“

In den ersten Jahren haben sich ihre Auftritte mit ihrem Job überlappt, mittlerweile kann sie allein von ihrer Kunst leben. „Ich möchte nichts anderes machen“, sagt sie zufrieden und glücklich. Zwar gebe es auch mal kleinere Flauten bei den Engagements, aber übers Jahr kommt sie gut über die Runden.

In ihren Shows spricht Kerry kein Wort – „Ich bin keine Rampensau, ich könnte das einfach nicht“. Eine aufgezeichnete Stimme führt das Publikum über Lautsprecher und mit mystischer Musik unterlegt in die jeweilige Show ein. In stimmigen Outfits verzaubert Kerry die Zuschauer mit ihren Vorführungen – z.B. als Fee, die an staunende Kinder Feenstaub verteilt.

„Ich habe eine Kellerwand voller Bühnenkostüme“, lacht sie. „Die reichen von mal märchenhaft, mal sexy und von sehr bis weniger aufwändig und viele davon habe ich selbst angefertigt.“ In ihrem neuesten Outfit wird die zierliche Jongleurin von einer riesigen Rosenblüte umhüllt, die von einer Bühnenpartnerin begossen wird.

Die erste Garchingerin mit Künstlernamen im Ausweis

Jetzt hat sie einige Tage frei und die wird sie nutzen, um eine neue Show zu erarbeiten. Meistens wird sie mit ihrer magisch-mystischen Show außerhalb Bayerns gebucht, was sie schon etwas bedauert. Denn zu gerne würde sie mehr in ihrer Umgebung auftreten. Aber vielleicht kommt das ja noch.

Mittlerweile hat sie ihren Künstlernamen Kerry Balder sogar im Ausweis stehen. „Wenn ich ungeschminkt zum Auftritt komme, gibts ab und zu Probleme mit dem Zutritt hinter die Bühne“, sie lacht. „Jetzt kann ich einfach meinen Ausweis vorlegen!“ Der Eintrag im Ausweis war eine längere Prozedur. Sie musste der Gemeinde Nachweise über ihre künstlerische Tätigkeit und Bekanntheit vorlegen. Jetzt steht der Name drin und damit ist sie in Garching eine echte Exotin: Als erste Garchingerin mit eingetragenem Künstlernamen.

Hätte sie gedacht, dass sie zehn Jahre nach ihrem ersten Bühnenauftritt noch dabei ist? „Das war kein Plan“, sie wundert sich selbst ein wenig über ihren Weg. „Aber zehn Jahre sind schon eine Hausnummer. Von mir aus kann das noch mal zehn Jahre so weiter gehen.“

Mehr auf www.kerry-balder.de


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