26.03.2019, 11:51 Uhr

Ungar war als Golddieb geübt Pfarrheim-Einbrecher scheitert an Tresor-Sicherung „von ganz oben“

Bei seinem Einbruch in das Pfarrbüro am Altöttinger Kapellplatz wurde der Mann von zwei Überwachungskameras gefilmt.  (Foto: Christa Latta)Bei seinem Einbruch in das Pfarrbüro am Altöttinger Kapellplatz wurde der Mann von zwei Überwachungskameras gefilmt. (Foto: Christa Latta)

Ein reisender Dieb hat im Pfarrbüro am Altöttinger Kapellplatz Bargeld geklaut. An den Goldschatz der Kirche kam er nicht ran

ALTÖTTING. Ein Auto habe der Ungar in Altötting kaufen wollen und 500 Euro seines Bargelds in einem Lokal am Automaten verspielt. Er habe Geld gebraucht und ein Begleiter habe die Idee gehabt, einen Priester um Hilfe zu bitten. Weil es aber mitten in der Nacht war und ein Pfarrer nicht mehr zu erwischen, beschloss der 43-Jährige, sich das nötige Geld mit einem Einbruch ins Pfarrheim St. Philippus und Jakobus am Kapellplatz zu beschaffen.

Für diesen Diebstahl in besonders schwerem Fall wurde der in einem Porsche angereiste Ungar vom Amtsgericht Altötting zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Er wurde noch im Gerichtssaal verhaftet und durfte die Nacht in Untersuchungshaft in der Zeller des Gerichtsgebäudes verbringen.

Hochprofessionelle Tat mit Handschuhen und Mütze

Die Geschichte vom spontanen Diebeszug am 11. März 2018 nahm Richter Dr. Georg Stallinger dem Angeklagten nicht ab. Denn die sehr brauchbaren Bilder zweier Überwachungskameras vor und im Pfarrheim zeigten den Dieb sehr gut vorbereitet. „Mit Ihrer Mütze haben Sie dafür gesorgt, dass kein Haar am Tatort zurückgeblieben ist und Sie haben Handschuhe getragen, um keine Fingerspuren zu hinterlassen“, stellte der Richter fest. Diese Fakten hatte auch der polizeiliche Sachbearbeiter des Raubzuges als Zeuge vor Gericht bestätigt. Außerdem hatte er den Tatort sogar kurzzeitig verlassen, um danach mit besserem Werkzeug ausgestattet noch einmal zurückzukehren.

Auch, dass er nur rund 400 Euro gestohlen habe, wurde als Schutzbehauptung zurückgewiesen. Denn aus dem Tresor des Pfarrsekretariats fehlten genau 4.210 Euro aus Kuverts und Klarsichtfolien.

Die Eingangstür des Pfarrheims, die nicht verschlossen war, hatte der Angeklagte mit einer Scheckkarte geöffnet – wie man es aus Film und Fernsehen kennt. Im Gebäude waren alle Türen unverschlossen. In dem Tresor hatte der 43-Jährige weitere Schlüssel gefunden. Darunter auch den für einen Tresor im Chefbüro der Bischöflichen Administration im gleichen Gebäude.

Doch dieser Tresor leistete trotz passendem Schlüssel Widerstand. Die Tür zwickte und ließ sich nicht öffnen. „Der hatte eine Sicherung von oben“, mutmaßte der Richter. In diesem Tresor hätte der Dieb so richtig fette Beute gefunden: Gold- und Silbermünzen, Schmuckstücke und vieles mehr. Von Gläubigen an die Kirche gespendet und dann mehr achtlos im Tresor verwahrt, wie Polizist und Richter durchblicken ließen.

Tresor mit Goldschatz „zwickte“ und blieb zu

Welchen Wert der Tresor verbarg, weiß keiner. „Das ist die Kirche“, so der Zeuge von der Polizei, der den Inhalt gesehen hatte. „Da ist nichts archiviert, die Kirche hat sich nicht dazu geäußert.“ Er schätzte den Wert vorsichtig auf gut 20.000 Euro und berichtete, dass in dem Gebäude noch weit mehr als „nur“ der Inhalt dieses Tresors zu holen gewesen wäre.

An einem Schlüsselzylinder, den der Mann anscheinend zum Tatort mitgebracht hatte, um mit dessen Einbau die Einbruchsspuren zu verwischen, trug seine DNA-Spuren. Und diese DNA war acht Monate später noch einmal gesichert worden, als der Angeklagte mit Kupfer im Wert von 12.000 Euro bei Hengersberg erwischt wurde. So war er zweifelsfrei als der Pfarrheim-Einbrecher identifiziert.

Gegen die Version des Ungarn, dass der Raubzug nur eine „blöde Spontanidee“ war, spricht auch sein Vorstrafenregister. Erst ein halbes Jahr von dem Bruch war er in seiner Heimat aus der Haft entlassen worden. Seit 2006 stand er mehrfach wegen Diebstahl, Betrug und Urkundenfälschung vor Gericht. Einmal hatte er zwölf Kilogramm Gold aus dem Tresor eines Pfandhauses herausgeflext.

Reisender Straftäter auf der Suche nach leichter Beute

In seinem Plädoyer merkte Verteidiger Simon Waxenberger an, dass es die Kirche seinem Mandanten sehr leicht gemacht habe. Die Eingangstür war nicht abgesperrt, die beiden Tresorschlüssel lagen in offenen Schubladen. Hätte sich der Chef-Tresor nicht gewehrt, wären die Spenden der Gläubigen einfach weg gewesen.

Der Richter verhängte zwei Jahre Haft ohne Bewährung für eine „hochprofessionelle Tat, mit eigens nachgeholtem Werkzeug, Handschuhen und Mütze“. „Sie waren als reisender Straftäter auf der Suche nach leichter Beute und haben diese im Pfarrheim gefunden“, so Richter Stallinger.

Zur Urteilsverkündung wurde der Wachtmeister des Gerichts in den Sitzungssaal gerufen, denn das Gericht erließ Haftbefehl gegen den Verurteilten und er bekam Handschellen angelegt. Bis zur Rechtskraft des Urteils muss der Ungar in deutscher U-Haft bleiben.


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