20.11.2018, 10:21 Uhr

Polesport Die wundersame Verwandlung von Natascha (29) und Lena (38)


Noch vor fünf Jahren waren die beiden Mütter eher sportfaul. Jetzt sind sie preisgekrönte Athletinnen

BURGKIRCHEN. Mit einem Fernsehbeitrag über den Polesport fing alles an. Die Burgkirchnerin Lena Groh, dreifache Mutter und alles andere als eine Sportskanone, war so fasziniert von der Sportart, dass sie sich sogleich im Internet eine billige Stange zum Üben bestellte. Das war vor fünf Jahren.

„Ich habe versucht, mir die Figuren mit Youtube-Videos beizubringen. Das hat anfangs auch ganz gut geklappt“, erinnert sich Lena Groh. Danach bot sich der damals 33-Jährigen die Gelegenheit, einen Anfängerkurs zu belegen. „Dort habe ich so lange mitgemacht, bis ich mehr konnte als die Trainerin“, schmunzelt sie.

Ein halbes Jahr nach den ersten zaghaften Versuchen konnte Lena Groh auch ihre Schwägerin Natascha Murawjew - ebenfalls eher sportfaul - für die Akrobatik an der Stange begeistern. Obwohl von Akrobatik damals noch nicht wirklich die Rede sein konnte.

Mindestens ein Mal pro Woche trafen sich die Beiden, um gemeinsam an der Stange zu trainieren.

„Die unzähligen blauen Flecken werde ich nie vergessen“, lacht Lena. Und Natascha fügt hinzu: „Nach dem ersten Training hatte ich einen solchen Muskelkater, dass ich im Büro nicht einmal mehr einen Kugelschreiber halten konnte.“ Die heute 29-Jährige arbeitet als Verwaltungsangestellte in der Gemeinde Burgkirchen, befindet sich aber momentan in Elternzeit. Ihre ersten Auftritte hatten die beiden Sportlerinnen bei Familienfeiern. Etwas ungewohnt sei es anfangs schon gewesen, sich so leicht bekleidet zu präsentieren, sind sich Lena und Natascha einig. Sie betonen aber, dass ihr Sport mit dem Poledance im Nachtclub überhaupt nichts zu tun hat. „Wir machen Akrobatik.“ Obwohl ein klein wenig Erotik natürlich immer mit dabei sein darf - zumindest bei den Auftritten.

Beim Training ist das eher nicht der Fall, wie Natascha verrät: „Wenn ich im Wohnzimmer an der Stange trainiere, kommt schon mal die Ansage meines Ehemanns, dass ich ihm den Blick auf das Fußballspiel verstelle.“

Nach zwei Jahren intensiven Trainings waren die beiden Stangensportlerinnen schon so erfahren, dass sie ein eigenes Studio in Burgkirchen eröffneten, um auch andere für den Sport zu begeistern. 2017 ist ein Zweites in Eggenfelden dazugekommen.

Um die hundert Kursteilnehmer können Lena und Natascha schon verzeichnen. Darunter nur zwei Männer und auch diese waren nicht sehr erfolgreich. Der Polesport scheint doch eher eine Frauensache zu sein.

Gefragt, ob man als Voraussetzung besonders schlank sein müsse, erklärt Natascha: „Im Prinzip kann jede Frau mit jeder Figur mitmachen. Wenn man allerdings wirklich etwas erreichen möchte, dann sollte man nicht zu viele Pfunde haben. Immerhin hält man den Körper mit Kraft an der Stange und je schwerer man ist, umso schwieriger.“

Apropos „etwas erreichen“: Am 7. Oktober konnten Lena und Natascha bei der „Steel on Fire European Championchip“ in Windeck den ersten Platz in der Kategorie Double abräumen. Erstaunlich, was diese beiden Frauen in wenigen Jahren mit Disziplin und eisernem Willen erreicht haben.


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