28.06.2018, 09:34 Uhr

Fußball und seine Folgen Córdoba-Wette vor genau 40 Jahren: Burghauser Polizist musste auf die Knie


Weil Österreich 1978 die Deutschen Weltmeister besiegte, robbte Hubert Deser über die Grenzbrücke

BURGHAUSEN/GARMISCH. Wäre es beim Fußball wie beim Boxen, dann wäre Österreich nach dem letzten Sieg über Fußball-Weltmeister Deutschland selbst Weltmeister. Weil es aber nicht so ist, genießen die Österreicher ihre Neuauflage von „Córdoba“ – den 2:1-Sieg gegen Deutschland am 2. Juni 2018 – in vollen Zügen.

Wer nicht weiß, was „Córdoba“ für Österreich bedeutet, hier ein Auszug aus Wikipedia: „Als Córdoba (...) wird das Fußballländerspiel bezeichnet, das im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Córdoba, Argentinien, ausgetragen wurde. Die deutsche Fußballnationalmannschaft unterlag als Weltmeister der österreichischen Nationalmannschaft mit 2:3.“

Der Burghauser Hubert Deser, damals 21-jähriger Polizeihauptwachmeister, hatte 1978 auf einen haushohen Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich gewettet. Sollte, entgegen seiner Überzeugung, Österreich gewinnen: „... krieche ich auf allen vieren über die Salzach-Grenzbrücke nach Österreich hinüber“ – steht es in der Neue Kronen Zeitung vom 23. Juni 1978.

Österreich hat gewonnen und Deser wurde noch am selben Abend von seinen guten Freunden zur Einlösung seiner Wettschuld gedrängt.

Lachend erinnert sich Deser an diesen Moment: „Auf den Knien, meinen Reisepass im Mund bin ich zur Ausreisekontrolle bei den deutschen Grenzpolizisten angekommen.“ Denen war der Polizist Deser kein Unbekannter und sie machten den Spaß, ebenso wie die Grenzer auf österreichischer Seite, bestens gelaunt mit.

Grenzer und Fußballfans waren begeistert

Seine Freunde flankierten Desers Kriechweg über die Salzachbrücke: „Das war einfach eine gelungene Aktion und ein Riesenauflauf, mir stellt es heute noch die Haare auf. Zur gleichen Zeit fuhren österreichische Schichtler fahnenschwingend und hupend Richtung Burghausen!“

Diese Wette brachte Hubert Deser auch Jahre später noch größte Aufmerksamkeit. BILD, Welt und Berliner Morgenpost berichteten und er fand Platz in Harry Valeriens WM-Buch 1978. In Burghausen war und ist er bei „Zeitzeugen“ so bekannt, wie der berühmte bunte Hund.

Zur WM 2018 meint er: „Wenn die Deutschen verlieren, bin ich nicht tiefgrundtraurig, aber sie werden sich noch steigern. Ich will von guten Spielen unterhalten werden. Ein fanatischer Fan war ich ja noch nie.“

Nach 26 Jahren bei der Kriminalpolizei Garmisch ist Ettal zu seiner neuen Heimat geworden. Nach Burghausen hält er weiter regen Kontakt. Aber, wetten würde er heute nicht mehr: „Das war damals einfach die richtige Zeit und der richtige Ort!“


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