03.04.2018, 15:27 Uhr

Schweinezüchter pilgern nach Altötting Matuschik verhöhnt bäuerliche Wallfahrt - Bauernverband sauer


Der Moderator und Kabarettist Matthias Matuschik legt sich auf Facebook mit Schweinezüchtern an

ALTÖTTING. Der Kabarettist und Radiomoderator Matthias Matuschik, den Bayern 3-Hörern besser als „Matuschke“ bekannt, hat sich mit einem Beitrag auf Facebook keine Freunde unter den heimischen Landwirten und insbesondere den Schweinezüchtern gemacht.

Über eine Sternwallfahrt am 29. April 2018 nach Altötting, zu der verschiedene bäuerliche Organisationen aufgerufen hatten, schüttete Matuschik auf seiner Facebookseite Häme aus. Das von ihm veröffentlichte Einladungsschreiben zur Wallfahrt kommentiert er mit folgenden Worten:

„Wir schreiben das Jahr 2018. Das Jahr, in dem bekannt wurde, das der Brexit, die Wahl Trumps und der Einzug der NSAfD in den Bundestag durch gezielte Auswertung von facebook-Daten und dem ständigen Beschuß vieler leichtgläubiger Internet-Filterblasen-Opfer zustande kam und jetzt das! Hilfe, ich bin ein Bayer, holt mich hier raus!“

Matuschik: „Ich bete nicht, ich denke lieber“

Die Antworten seiner Fans ließen nicht lange auf sich warten. „Das ist doch ein fake (eine Fälschung), oder? Bitte lass es einen fake sein“, schreibt ein Kommentator bezüglich der Wallfahrt. „Da fehlen mir die Worte“, ein anderer. Ein Schreiber empfiehlt, die Schweine lieber artgerecht zu halten, als für sie zu beten.

Auf die direkte Frage eines weiblichen Diskussionsteilnehmers, wofür Matuschik denn persönlich beten würde, antwortet dieser: „Ich bete nicht, ich denke lieber.“

Die Sternwallfahrt, die den Zweck haben soll, die afrikanische Schweinepest abzuwehren, findet bei den rund hundert Kommentaren zu Matuschiks Beitrag kaum Befürworter, und manche Meinungsbekundungen zielen schon sehr weit unter die Gürtellinie.

Der Kreisobmann des Bauernverbands Rottal-Inn, Hermann Etzel, findet Matuschiks Aktion nicht besonders prickelnd. Der Bauernverband ist eine der Organisationen, die zu der Wallfahrt einladen.

Die bäuerliche Sternwallfahrt nach Altötting beschäftigte den Moderator und Kabarettisten auf seiner Facebookseite. (Foto: web)
„Mit solchen Aussagen macht Herr Matuschik die Wallfahrt an sich schlecht, denn es gibt viele Menschen, die aus verschiedenen Gründen nach Altötting gehen um dort zu beten.“ Und Etzel stellt die Frage: „Sieht er dann in den jungen Menschen, die bald zur Jugendwallfahrt nach Altötting aufbrechen, auch lauter Depperte?“ Nur weil man selbst vielleicht nicht gläubig sei, hätte man nicht das Recht, die Gläubigen ins Lächerliche zu ziehen, so der Bauernverbands-Obmann.

„Wenn eine Seuche wie die afrikanische Schweinepest durch unsere Heimat geht, dann sind danach fünfzig Prozent der Existenzen vernichtet. Und was spricht dagegen, dass diejenigen Bauern, die tief religiös sind, dafür beten, dass das nicht passiert?“

Er werde jedenfalls am 29. April selbst in Altötting dabei sein, verspricht Etzel.

Ein „gewisses Niveau“ solle auch ein Kabarettist wahren, meint Hermann Etzel. Und er überlegt, ob er nicht dem Bauernverband eine Beschwerde beim Rundfunkrat gegen Matuschik empfiehlt.

Matthias Matuschik (1965 in Weiden geboren) hat den Ruf, besonders bissig zu sein und sorgte bereits für den einen oder anderen Eklat. 2016 distanzierte sich, laut einem Bericht der „tz“, die Kulturmanagerin der Stadt Wolfratshausen von einem als anstößig empfundenen Vergleich Matuschiks zwischen Rauchern und Juden, den dieser als Festivalmoderator gebraucht hatte.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, hatte der Kabarettist bereits 2013 im Landestheater Oberpfalz dafür gesorgt, dass der Weidener Bürgermeister den Saal verließ.


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