15.03.2018, 13:53 Uhr

Schee war´s Nach 5 Jahren Weltreise ist Weindi wieder zurück


Christian „Weindi“ Weinberger war mit dem Landrover auf Welttour. Lest, was er alles erlebt hat

BURGHAUSEN/HOCHBURG. Knapp fünf Jahre war Christian Weinberger, Koch aus Hochburg, alleine mit seinem Landrover in der Welt unterwegs. Seit Samstag ist er zurück. Im Wochenblatt berichtet der 42-Jährige von seiner Reise.

Knapp fünf Jahre hat Deine Weltreise gedauert. Worauf hast Du Dich am meisten in der Heimat gefreut?

Am meisten habe ich mich auf das Wiedersehen mit meinen Eltern gefreut, auf meine Freunde und – da wirst du jetzt lachen: Ich habe wirklich gute asiatische Küche vermisst. Wir haben hier einige wirklich gute Restaurants, die ich früher immer besucht hatte. In Südamerika ist gute asiatische Küche nicht sehr verbreitet und auch wenn ein Steak dort drüben wirklich exzellent schmeckt, für jeden Tag ist das auch nichts.

Die Südamerikaner sind viel offener

Beschreibe doch bitte kurz die wichtigsten Stationen Deiner Reise.

Verschifft hatte ich damals nach Montevideo in Uruguay. Nach einigen Wochen Spanischunterricht bin ich mit dem Landrover erst nach Südbrasilien gefahren, dann bis ganz in den Süden Argentiniens. Immer im Wechsel zwischen Argentinien und Chile weiter in den Norden bis Paraguay, anschließend Bolivien, Peru, Ecuador und Kolumbien. Von der nordkolumbianischen Hafenstadt Cartagena bin ich entlang der Anden wieder bis hinunter nach Südchile gefahren, habe den Winter in Patagonien verbracht, um anschließend über Paraguay nochmals nach Brasilien zu fahren, wo ich bis Sao Luis, unterhalb des Amazonas, gereist bin. Danach hat mich mein Weg entlang der Küste zurück bis nach Montevideo geführt, von wo aus ich das Schiff nach Hause genommen habe.

Du hast viele Menschen kennengelernt. Worin unterscheiden sich die Südamerikaner von uns Bayern und Österreichern?

Die Südamerikaner sind generell viel offener und interessierter. Ich war oft umringt von Einheimischen, die etwas über mich wissen wollten. Ich bin häufig eingeladen worden mit den Worten: „Mi Casa es tu Casa!“, also, „Mein Haus ist dein Haus. Bleib, so lange du willst. Da hinten steht ein Bett für dich und da drüben steht der Kühlschrank, bediene dich“. Wenn mein Gastgeber in die Arbeit musste, bekam ich einen Haustürschlüssel, und war praktisch ohne Aufsicht im Haus, auch wurde mir öfters mal ein Auto überlassen, damit ich nicht immer das Dachzelt auf- und abbauen musste, wenn ich in die Umgebung wollte.

Um etwas zurückzugeben, habe ich für die Familien, bei denen ich länger eingeladen war, österreichische Gerichte gekocht. Essen verbindet.

Verrate uns doch bitte Dein schönstes und dein traurigstes Erlebnis während Deiner langen Reise.

Schöne Erlebnisse hatte ich viele: Ein Sonnenuntergang am Meer, eine gemütliche Wanderung in den Bergen, eine wilde Fahrstrecke in einem spektakulären Canyon, das Beobachten eines kalbenden Gletschers in Patagonien oder das Zusammentreffen mit Menschen, mit denen die Chemie stimmte. Es ist unmöglich, aus fünf Jahren ein schönstes Erlebnis herauszuheben, das waren zu viele.

Einen neuen Freund gefunden und verloren

Aber das traurigste Erlebnis werde ich nie vergessen. Schon relativ am Beginn meiner Reise durfte ich einen besonderen Menschen kennenlernen, Jorge Contreras. Er reparierte Landrover und war ein feiner Mensch mit einer ganz besonderen Aura. Wir wurden Freunde und trafen uns mehrfach während meiner Reise. Irgendwann rief mich einer seiner Freunde an und sagte mir unter Tränen, dass Jorge in der Nacht an Lungenkrebs gestorben sei.

Ich befand mich an diesem Tag an dem Schrein „Gauchito Gill´s“, dem argentinischen Nationalheiligen der Kraftfahrer, und entzündete Jorge dort eine Kerze. Mir war, als würde es mir das Herz zerreißen.

Gab es auch eine brenzlige Situation in der Du um Dein Leben oder Deine Gesundheit fürchten musstest?

Generell hatte ich viel Glück. In der brasilianischen Stadt Salvador de Bahia versuchten drei bis vier Jungs, mich in einem Straßencafé zu berauben. Ich konnte mein Hab und Gut retten, jedoch mit Beschädigungen. Wenige Meter daneben standen vier Polizisten, die es gesehen haben mussten, sie haben aber keinen Finger gerührt. Ich konnte mich im Gedränge von den Burschen entfernen und hatte damit Glück.

Welcher Ort hat dich bezüglich der Natur am meisten beeindruckt?

Eindeutig der „Salar de Uyuni“, ein 11.000 Quadratkilometer großer Salzsee auf dem Altiplano in Bolivien. Die Salzebene ist zwar lebensfeindliches Gebiet, aber von unvorstellbarer Schönheit. In der Mitte erheben sich ein paar Felsinseln, auf denen 12.000 Jahre alte Kakteen wachsen. Durch das Salz gibt es keine Tiere, keine Insekten, nichts. Fünf Nächte habe ich dort gecampt. Die Sonnenaufgänge sind unglaublich. Mitten auf dem Salz ist es ohne Wind totenstill. Ich war noch nie an einem so stillen Ort, kein Wasser rauscht, keine Blätter rascheln, keine Insekten zirpen. Wenn man da sitzt und den Atem anhält, dann hört man den eigenen Herzschlag: Bumm, bumm, wie Donnerschläge.

Vielleicht gibt es bald ein Buch über Weindis Tour

Wie sieht Deine Zukunft aus? Willst Du Dir hier eine Arbeit suchen und wieder sesshaft werden oder planst Du schon die nächste große Reise?

Ich muss jetzt erst einmal daheim ankommen und einige Möglichkeiten abwägen. Ich koche nach wie vor gerne, aber ich habe kein großes Verlangen danach, mich diesem extremen Stress in einem ganzjährigen Vollzeitjob auszusetzen.

Ich möchte mir erst mal Weiterbildungsmöglichkeiten ausloten. Auch in der Kocherei hat sich in den letzten Jahren vieles verändert. Eventuell arbeite ich saisonal, um auch einige Monate reisen zu können. Auch haben mich viele Leute gefragt, ob ich ein Buch schreiben, und/ oder Vorträge halten möchte, auch darüber mache ich mir Gedanken.

Es wird mir sicher nicht langweilig ...


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