31.01.2018, 11:30 Uhr

Erotik-Industrie Mädel, mach alles, nur nicht Porno


Ex-Porno-Star und Szene-Insider „Freddy Dalton“ über seinen Beruf als Pornostar, Regisseur und womit er jetzt Geld verdient ...

BURGHAUSEN. Freddy F. aus Burghausen kam ins Pornogeschäft wie die Jungfrau zum Kind – nämlich über die Bundeswehr. „Zu den Schießübungen waren wir an der Ostsee, und an den Wochenenden sind wir dann auf die Reeperbahn“, erzählt der Pornoexperte mit dem Künstlernamen „Freddy Dalton“ ganz unverblümt. „Dort gab es Live-Sex-Shows, bei denen immer auch jemand aus dem Publikum auf die Bühne gezogen wurde. Das war mehrfach ich, und so bekam ich über meinen Oberfeldwebel eine Visitenkarte mit einer Pornoproduktionsfirma aus Freilassing. Naja, und wie es so ist, hab ich dort angerufen, einfach, um das Ganze mal auszuprobieren.“

Von der Bundeswehr in die Pornobranche

Damals, in Zeiten vor Viagra und anderen potenzfördernden Mitteln, schafften es nur fünf von hundert Männern, vor dem Produktionsteam seinen Mann zu stehen – Freddy war einer davon. So ging’s von der Bundeswehr direkt in die Pornoszene: „Als junger Mann ist das natürlich toll und aufregend, es wurde dort offen über Sex geredet, die schönsten Frauen liefen nackt herum, es herrschte eine super Atmosphäre und man bekam Geld für Sex. Ein Traum für Viele!“

Der Traum führte den jungen Mann weg aus dem beschaulichen Burghausen, unter anderem nach Budapest und Los Angeles. „Irgendwann war mir Burghausen zu wenig abwechslungsreich“, so Freddy F. „Als Pornodarsteller ist es wahrscheinlich vernünftiger, man lebt an Orten, die etwas anonymer sind. Es war in Burghausen nicht mehr einfach, zum einen mit dem Gerede hintenrum, den anzüglichen Schulterklopfern, und zum anderen ist es nicht lustig, wenn die Freundin anonyme Post im Briefkasten findet mit eindeutigen Filmszenen und der Aufforderung, doch auch vor die Kamera zu gehen.“

Das persönliche Umfeld, wie die Eltern, stand dem Beruf übrigens offen gegenüber: „Solange du nichts Unanständiges machst, stehen wir hinter dir, haben meine Eltern gesagt,“ so Freddy F. Die Frage, ob der, der einen Porno dreht oder der, der ihn anschaut, der Unanständigere ist, hat sich Dalton schon immer gestellt: „Die Scheinheiligkeit ist schon sehr groß, was das Thema Porno betrifft“, stellt er dazu fest.

Freddy Dalton arbeitete nicht nur als Darsteller, sondern später auch als Regisseur hinter der Kamera. In etwa 1.000 Pornos hat er mitgewirkt, doch jetzt, mit 47 Jahren, verdient Freddy seine Brötchen nicht mehr mit Sex, sondern mit Webseitenverkauf und Internetdiensten. Vor fünf Jahren hat er sich aus der Pornobranche mehr oder weniger zurückgezogen.

Früher waren die Darsteller wie eine Familie

Aus mehreren Gründen, wie er erzählt: „Zum einen ist nicht mehr viel Geld zu verdienen, seit es übers Internet so viele kostenlose Pornoseiten gibt, die 7 Mrd. Klicks im Monat haben. Die Filmbranche ist damit total eingeknickt. Jetzt muss man nicht nur ein guter Pornograf, sondern ein noch besserer Geschäftsmann sein, um richtig Geld zu machen. Dazu kommt, dass das Pornobusiness in Deutschland eine wahre Katastrophe ist. Nicht nur, dass man die Gesundheit der Darsteller im Gegensatz zum Ausland oft nur mit Schnelltests überprüft, man hat einfach den Anschluss hier verpasst, was das Internet betrifft. Darsteller verdienen nur noch wenig. Eine Frau, die sich vor der Kamera vergnügt, bekommt pro Sexszene vielleicht noch 350 Euro, Männer etwa 250 Euro. Das und das Gesundheitsrisiko, das immer besteht, ist der Grund, warum ich jeder Frau rate, als allerletztes in die Pornobranche zu gehen. Es ist ein absolutes No-Go, in Deutschland für Pornos vor der Kamera zu arbeiten.“

Früher sei es sicherer, die Darsteller untereinander wie eine Familie gewesen: „Es war eine eingeschworene Gemeinschaft, jeder kannte jeden und man wusste schnell, wenn es gesundheitliche Probleme gab.“

Noch eine weitere Kritik hat Freddy F., wenn es ums Thema Pornos geht: „ Wie kann es sein, dass Jugendlichen das Rauchen und Alcopops verboten werden, aber sich niemand dafür interessiert, dass Kinder ohne Probleme Zugang zu Pornos erhalten? Ich finde das furchtbar, aber irgendwie interessiert es keinen.“ Alles rund um Porno und Sex, aber auch Kritik, ernstere Themen und Interviews mit alten Wegbegleitern wie Conny Dachs oder Mandy Mystery stellt der Ex-Burghauser seit Neuestem auf seinem Youtube-Kanal und bei Facebook unter „Deep Inside TV“ ins Netz.

Was man auf dem Kanal von Dalton noch findet: Die endgültige Aufklärung darüber, dass Freddy F. im Gegensatz zu anderen Behauptungen eigentlich der Erfinder des Kultspruchs: „Warum liegt hier überhaupt Stroh rum?“ aus dem Pornofilm Achtzehneinhalb 18 ist. Wie genau das lief: https://youtu.be/5u_tpT0jGpQ


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