19.05.2019, 11:26 Uhr

Alltagsrassismus Die „Kulturschule Leipzig“ zeigt das Theaterstück „Dreck“ am JAS-Gymnasium

(Foto: Andreas Fröhlich)(Foto: Andreas Fröhlich)

Das Ein-Mann-Stück, 1991 von Robert Schneider („Schlafes Bruder“) verfasst, ist ein beeindruckendes Plädoyer gegen Rassismus und Fremdenhass. Ebenso beeindruckend ist aber auch dessen Inszenierung durch die „Kulturschule Leipzig“, die damit am Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasium zu Gast war.

NABBURG Im Mittelpunkt steht der Iraker Sad, der abends in einer deutschen Stadt Rosen verkauft, um sein Studium zu finanzieren, und dabei tagtäglich gegen Ausländerfeindlichkeit und Vorurteile ankämpfen muss. Dies erscheint ihm – durch die trostlose Monotonie des Arbeitsalltags – mittlerweile so aussichtslos, dass er seine Selbstachtung aufgegeben hat, sich selbst für schmutzig und abstoßend hält und die Vorurteile und den Hass, denen er tagtäglich ausgesetzt ist, damit vor sich selber rechtfertigt. Ohne es Alltagsrassismus zu nennen, berichtet Sad von den Demütigungen, denen er ausgesetzt ist – zum Beispiel davon, dass er immer geduzt wird. In seinem Monolog wird er dabei zunehmend emotionaler, bis er verzweifelt und vor seelischem Schmerz schreit. Dieser beschreibt aber auch voller Poesie sein Land, seine Träume und Hoffnungen. Dabei eignet sich der Protagonist, eindrucksvoll dargestellt von Günther Frese, die absurden Vorurteile sogar an, lässt aber jederzeit spüren, wer die wahren „Schuldigen“ sind.

Gespannt verfolgten die Schülerinnen und Schüler der neunten Jahrgangsstufe hierbei den permanenten Wechsel zwischen Unterwürfigkeit, Verzweiflung und Überheblichkeit. Denn Sad bezog die Zuschauer immer wieder mit ein, provozierte diese auch mal, löste dann aber die angespannte Stimmung mit Humor wieder auf. Und so wechselten auch die Reaktionen des Publikums von einem Extrem ins andere. Lautes Lachen löste die anfängliche Skepsis ab, die diesem Rosenverkäufer mit dem arabischen Akzent entgegengebracht wurde, um kurz danach in bitteren Ernst umzuschlagen.

Nach der Vorstellung hatten die Schülerinnen und Schüler in einem Nachgespräch die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder ihre eigenen Gedanken zu formulieren. Überrascht zeigten sie sich darüber, dass das Stück bereits vor 28 Jahren geschrieben wurde. Denn an Aktualität – so die einhellige Meinung – hat es seitdem nichts eingebüßt.


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