10.04.2019, 21:55 Uhr

Thema „Macht – Machtstrukturen“ Theaterschülerinnen und -schüler wagten sich an eine Performance im öffentlichen Raum

Elf Schülerinnen und Schüler des Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasiums Nabburg wagten am Dienstag, 9. April, eine Performance im Globus in Schwandorf. (Foto: Maresa Hottner)Elf Schülerinnen und Schüler des Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasiums Nabburg wagten am Dienstag, 9. April, eine Performance im Globus in Schwandorf. (Foto: Maresa Hottner)

Elf Schülerinnen und Schüler des Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasiums Nabburg wagten am Dienstag, 9. April, eine Performance im „Globus“ in Schwandorf.

NABBURG/SCHWANDORF Die Theaterschülerinnen und -schüler der Q11/12 des JAS-Gymnasiums Nabburg entschieden sich in diesem Schuljahr für eine neue Form der Darstellung: Nicht eine traditionelle Theateraufführung auf der Schulbühne sollte am Ende des Semesters stehen, sondern eine Performance im öffentlichen Raum. In der Geschäftsleitung des „Globus“ in Schwandorf hatten sie ein aufgeschlossenes Gegenüber gefunden, das gern dazu bereit war, das Experiment einer Kunstaktion im öffentlichen Raum, mit dem Ziel auf fragwürdige Machtstrukturen aufmerksam zu machen, zu ermöglichen.

In der Vorbereitung hatten sich die Jugendlichen inhaltlich mit dem Thema „Macht – Machtstrukturen“ und formal mit den Möglichkeiten der Ausdrucksform „Performance“ auseinandergesetzt. Die eine Perfomance-Gruppe legte ihren Schwerpunkt auf die Form und näherte sich dem Thema über die Technik der Dekonstruktion: Der zugrunde liegende literarische Text – in diesem Fall der Eingangsmonolog von Goethes „Iphigenie auf Tauris“ – wurde zufällig in Einzelteile zerlegt, neu zusammengesetzt und dann auf verschiedene Weisen gesprochen und geschrieben, sodass sowohl ein akustisches als auch graphisches Textbild entstand. Im Zentrum dieser Miniinszenierung stand die Irritation, Machtstrukturen zeigten sich nur am Rande, doch wurde auch hier – hochaktuell und diskussionswürdig im Rahmen der Genderdebatte – formuliert: „Der Frauen Schicksal ist beklagenswert!“ In einer zweiten Performance orientierten sich die Schülerinnen und Schüler am brasilianischen Theaterregisseur Augusto Boal, der durch seine neuen Formen des Volkstheaters die Zuschauer aus ihrer passiven, zum Teil ohnmächtigen Haltung befreien wollte, indem er sie im „Unsichtbaren Theater“ zu Rezipienten und zugleich Akteuren werden ließ. Gerade weil in seiner Arbeit eine intensive Auseinandersetzung mit Machtstrukturen stattfindet, war er für die Gruppe interessant, sodass sie sich dafür entschied, eine Performance, die von Boal 1978 in Florenz durchgeführt worden war, in die Oberpfalz der Gegenwart zu übertragen. Im Original wird eine Frau an einer Hundeleine durch ein Kaufhaus geführt. Die Schülerinnen und Schüler beschlossen allerdings, die Deutungsmöglichkeiten zu erweitern, und kehrten daher die Hierarchie auch um: Auch der Mann wird geführt – und zwar von der Frau. Aufmerksam machen wollte die Gruppe nicht nur auf tradierte normativ heterosexuelle Machtstrukturen, sondern auch sichtbar machen, was heutzutage oft unsichtbar ist: Die Ketten extremer Machtstrukturen in einer globalisierten Welt, in die Schwächsten oft ausgebeutet und in ein bedrückendes Abhängigkeitsverhältnis gezwungen werden.


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