14.02.2019, 13:46 Uhr

Zeugnisse Schlechte Noten machen Angst – Angst macht schlechte Noten

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

Am Freitag, 15. Februar, gibt es Zwischenzeugnisse. Bei Schülern mit schlechten Noten sorgt das für Stress. Nicht immer ist Faulheit der Grund für ein unzulängliches Zeugnis. Welche Rolle Angststörungen dabei spielen können, erklärt Professor Romuald Brunner, Ärztlicher Direktor der medbo Kinder- und Jugendpsychiatrie.

OBERPFALZ Wenn am Freitag die Schule endet, beginnt für manche Kinder ein schwerer Heimweg. Sie müssen den Eltern ihr schlechtes Zeugnis beichten. „Diese Sorge vor dem Zeugnisgespräch hat nichts mit einer Angststörung im psychiatrischen Sinne zu tun“, erklärt Professor Dr. Romuald Brunner, Ärztlicher Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP).

Ob Kinder das Gespräch mit den Eltern als Belastung wahrnehmen, hängt maßgeblich von deren Verhalten ab. Dabei muss es nicht einmal die Angst vor Bestrafungen oder Wut sein. Kinder belastet es ebenso, wenn Eltern enttäuscht sind. Darum rät der Kinder- und Jugendpsychiater zu einem sachlichen Umgang mit den schlechten Noten und zur Ursachenforschung.

Wenn Angst den Alltag bestimmt

In manchen Fällen zeigen Kinder aus Furcht vor der nächsten Klassenarbeit erhebliche ängstliche Reaktionen. Sie können sich nicht mehr konzentrieren und klagen über Bauchschmerzen oder Lernblockaden. Noch öfter sind Ängste sogar Ursache für schlechte Zensuren, etwa Leistungsängste oder soziale Ängste.

„Angststörungen zählen zu den häufigsten kinder- und jugendpsychiatrischen Störungen“, so Brunner. Wer Angst hat, meidet die auslösende Situation, so gut es geht. Das kann bei Kindern bis zur Schulverweigerung führen. Das Vermeidungsverhalten hilft zwar für den Moment, verstärkt aber auf lange Sicht zusätzlich die Angstproblematik.

Angststörungen: Eine frühe Diagnose ist wichtig

Weil gewisse Ängste in bestimmten Altersstufen normal sind, fallen betroffene Kinder oft lange nicht auf. Angststörungen neigen zur Chronifizierung und treten oftmals mit depressiven Verstimmungen auf. Umso wichtiger ist es, die Anzeichen frühzeitig zu erkennen. Dabei hilft ein ambulanter Termin in der medbo Kinder- und Jugendpsychiatrie.

„In unserer Ambulanz führen wir eine genaue Anamnese und testpsychologische sowie körperlich-neurologische Untersuchungen durch“, erklärt Dr. Stephanie Kandsperger, Leitende Oberärztin der KJPP. „Anschließend wird mit Eltern und Kind ein passender Behandlungsplan erstellt“. Meist sind psychotherapeutisch ausgerichtete Beratungen ausreichend. Dort erlernen Kinder, wie sie mit ihrer übermäßigen Angst umgehen können.

Was können Eltern tun, damit Kinder keine Angst entwickeln?

„Eltern sollten ihrem Kind bereits während des Schuljahres das Gefühl geben, dass es mit Schulproblemen aller Art zu ihnen kommen kann“, rät Dr. Kandsperger. Ein vertrauensvolles Verhältnis bewahrt nicht nur vor Überraschungen, sondern reduziert auch den Schulstress für die Kinder. „Entwerten sie nicht ihre Kinder, wenn es zu Schulleistungsproblemen kommt, denn die Probleme quälen die Kinder oft noch mehr als die Eltern“, so Professor Dr. Brunner. „Machen Sie Ihrem Kind Mut“, sagt Brunner. „und suchen sie gemeinsam mit der Schule nach Unterstützungsmöglichkeiten.“


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