14.12.2018, 12:27 Uhr

Aktion am JAS-Gymnasium Wie geht Steinzeit?

Schülerinnen der sechsten Jahrgangsstufe des Nabburger Gymnasiums bei der Arbeit mit einem gebastelten Pumpenbohrer. (Foto: JAS-Gymnasium Nabburg)Schülerinnen der sechsten Jahrgangsstufe des Nabburger Gymnasiums bei der Arbeit mit einem gebastelten Pumpenbohrer. (Foto: JAS-Gymnasium Nabburg)

Wie geht Steinzeit? Diese Frage beantwortete Lothar Breinl, Archäologe, den Schülerinnen und Schülern der sechsten Jahrgangsstufe des JAS-Gymnasiums.

NABBURG Nach einem kurzen Einblick in das Tätigkeitsfeld des Archäologen, auch der experimentellen Archäologie, wurde es praktisch, denn die Kinder konnten zunächst mit Spannung verfolgen, wie schwierig es besonders in der feucht-kalten Jahreszeit ist, durch das Aufeinanderschlagen von Feuersteinen Zunder zum Erglühen zu bringen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei natürlich den Feuersteinen zu, welche im süddeutschen Raum ausschließlich in Kelheim in steinzeitlichen Bergwerkszentren abgebaut wurden. Feuersteine aus dieser Gegend fanden sich in einer Entfernung von bis zu 800 km, was die Güte dieser Feuersteinart bezeugt, so Breinl. Aus dem scharfkantigen Feuerstein fertigten die Menschen der Steinzeit Pfeil und Bogen, Speere, Klingen, Messer, jeweils entweder für die Jagd, um Tierhäute zu schneiden oder um Schilfrohr für den Bau einfacher Hütten zu gewinnen, später auch, um Getreide zu schneiden. Zum Herstellen dieser Gegenstände musste der Feuerstein von handwerklichen Spezialisten geschlagen werden. Von dem durch das Schlagen entstehenden Klingen stammt zum Beispiel auch der moderne Begriff der Messerklinge. Breinl führte den Schülerinnen und Schülern die Technik des Feuersteinschlagens vor und wies auch auf Schwierigkeiten hin, die beispielsweise dann entstehen, wenn der Feuerstein etwa kleine Haarrisse aufweist. Zudem präsentierte Breinl den Schülerinnen und Schülern den in der Steinzeit vor allem in Italien und Griechenland verbreiteten Feuerstein, den Obsidian. Die von diesem harten Feuerstein abgeschlagenen Klingen sind die schärfsten ihrer Art. Breinl erklärte den Schülerinnen und Schülern, dass Obsidianklingen auch in der heutigen Zeit als Skalpelle bei bestimmten medizinischen Vorgängen Verwendung finden.

Im Anschluss an diese Vorführung durch den Archäologen durften die Schülerinnen und Schüler selbst steinzeitliche Gegenstände wie Pumpenbohrer, Pfeile, Signalhölzer, Tongefäße oder Muschelketten herstellen und diese dann mit aus Steinen gewonnener Farbe selber bemalen. Während den Kindern das Anfertigen des Pumpenbohrers noch relativ mühelos gelang, zeigte sich, dass die Anwendung des Bohrgerätes zum Bohren von Löchern durchaus motorisches Geschick verlangt. Auch das Erzeugen von tiefen Brummgeräuschen durch das kräftige Schwingen der Signalhölzer gelang erst nach einigen Übungsanläufen. Feinmotorische Geschicklichkeit und Geduld verlangte zudem das Abschleifen der braunen Farbe von Muschelschalen. Die zeitintensive Arbeit jedoch lohnte sich, da das Endprodukt weiß schillernde Muschelketten waren. Gerne nutzten sie Schülerinnen und Schüler die erdfarbenen Naturfarben schließlich zum Anfertigen von Gesichtsbemalungen. Auch wenn vieles aus der Steinzeit heute noch unbekannt ist, die kurze Reise der Schülerinnen und Schüler der 6. Jahrgangsstufe in die Zeit von Ötzi durch die Methode der experimentellen Archäologie war für alle anschaulich und aktivierend!


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