30.11.2020, 23:34 Uhr

Tagung des Bezirksjugendrings „Junge Menschen sind mehr als Schüler“

Mit der Kampagne #weitermachen macht der Bezirksjugendring Oberpfalz auf den Stellenwert der Jugendarbeit im Bezirk aufmerksam. Mitmachen, Mut machen, wach machen lautet dabei das Motto. Bezirksjugendring-Vorsitzender Philipp Seitz hält eine der Postkarten in die Kamera.  Foto: Thomas VitzthumMit der Kampagne #weitermachen macht der Bezirksjugendring Oberpfalz auf den Stellenwert der Jugendarbeit im Bezirk aufmerksam. Mitmachen, Mut machen, wach machen lautet dabei das Motto. Bezirksjugendring-Vorsitzender Philipp Seitz hält eine der Postkarten in die Kamera. Foto: Thomas Vitzthum

Die Oberpfälzer Jugendarbeit fordert Freiräume für junge Menschen und aktive Mitsprache auch in der Krise. Ein gesellschaftlicher Perspektivenwechsel sei überfällig und Jugendarbeit derzeit wichtiger denn je.

Regensburg. Gerade junge Menschen leiden unter der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Einschränkungen. Jugendarbeit sei system- und zukunftsrelevant und könne während der Pandemie „nicht einfach ausgesetzt“ werden. Das machten die Jugendringe und Jugendverbände in der Oberpfalz bei ihrer Vollversammlung deutlich, wie der Bezirksjugendring Oberpfalz mitteilte. Der Bezirksjugendring Oberpfalz ist der Zusammenschluss der Jugendverbände in der Oberpfalz, in denen annähernd 200.000 Kinder und Jugendliche organisiert sind.

Aus Sicht des Bezirksjugendrings brauche es gerade in der aktuellen Pandemie eine „nachhaltige finanzielle Unterstützung für die Jugendarbeit“. Bezirksjugendring-Vorsitzender Philipp Seitz betonte, dass junge Menschen nicht nur Schüler seien. Die Freiräume für Hobby und Freizeit sowie Gestaltungsmöglichkeiten seien derzeit aber stark eingeschränkt. Hier sei es wichtig, die Bedürfnisse der jungen Menschen im Blick zu behalten: „Sie benötigen Räume der Gemeinschaft und der Begegnung.“

Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner erklärte, dass es gerade in der Pandemie wichtig sei, den Kontakt zu den jungen Menschen zu halten und gerade in schweren Zeiten für diese da zu sein. „Junge Menschen wollen sich einbringen, die Gesellschaft gestalten und mutig für die Demokratie eintreten.“ Das mache beispielsweise der oberpfalzweit ausgeschriebene Preis für Demokratie und Partizipation deutlich. Gerade jetzt in der Krise komme es auf den Zusammenhalt an, so die Sozialministerin in ihrer Botschaft an die Delegierten: „Wir kommen nur gut durch die Krise, wenn wir aufeinander Acht geben.“

Matthias Fack, Präsident des Bayerischen Jugendrings, erklärte, dass Jugendarbeit derzeit unter erschwerten Bedingungen erfolgreich und verantwortungsvoll gestaltet werde. Sein Dank galt hierbei auch Sozialministerin Trautner für die Unterstützung. Gerade jetzt sei es umso wichtiger, für junge Menschen da zu sein und Räume zu bieten: „Das Kernelement von Jugendarbeit ist die Gemeinschaft.“ Die Jugendarbeit handele dabei verantwortungsvoll und mit sorgfältigen Hygienekonzepten, es sei, so Fack, bei Jugendarbeitsangeboten noch zu keinen Ansteckungen gekommen. Einen Perspektivenwechsel forderte Fack beim Blick auf Kinder und Jugendliche: „Sie wollen mit ihren Anliegen, Sorgen und Möglichkeiten in den Blick genommen und nicht lediglich verwaltet werden.“ Hier brauche es endlich ein Umdenken. Über Lob des Landesjugendring-Präsidenten freuten sich indes Bezirkstagspräsident Franz Löffler (CSU) und Bezirkskulturreferent Richard Gaßner (SPD). Ihnen attestierte Fack, „jugendpolitischen Weitblick, denn gerade jetzt benötigt die Jugendarbeit Unterstützung – und hier handelt der Bezirk vorbildlich“. Mit der Verlängerung des Corona-Sonderförderprogramms, für welches bei der Vollversammlung die Delegierten die Weichen stellten, sollen die Jugendverbände im Bezirk nachhaltig und unbürokratisch unterstützt werden.

Präsentiert wurden außerdem die Kampagne „#weitermachen“, die in der gesamten Oberpfalz für den Stellenwert der Jugendarbeit werben und Perspektiven aufzeigen soll. „Mitmachen, Mut machen und Wach machen“, lautet dabei der Grundsatz. Diakon Thomas Vitzthum von der Evangelischen Jugend in Weiden sagte, dass gerade Angebote im non-formalen Bereich, wie Zeltlager oder Bildungsveranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Mitarbeitende „zukunftsrelevant“ seien. Das Bedürfnis nach echten Gemeinschaftserfahrungen steige enorm. Gerade dies führe den Stellenwert der Kinder- und Jugendarbeit deutlich vor Augen.

„Die Corona-Pandemie hat die Aktiven der Jugendarbeit vor die Herausforderung gestellt, in kürzester Zeit digital zu arbeiten.“, berichtete Alexandra Lins, Medienfachberaterin für den Bezirk Oberpfalz. Das Beratungsangebot wurde daher stark ausgebaut und die „Digitale Sprechstunde“ eingeführt. Hier erhalten Ratsuchende Unterstützung zu Fragen wie „Welche Video-Konferenz-Tools sind geeignet?“, „Wie gestalte ich eine Online-Gruppenstunde?“, „Was muss ich beim Streamen beachten?“. Vorsitzender Philipp Seitz zeigte sich beeindruckt von der Vielzahl der kreativen Aktivitäten der Oberpfälzer Jugendarbeit, die auf die Schnelle „auf die Beine gestellt“ wurden.

Detlef Staude, Kreisvorsitzender der Sportjugend in Regensburg, forderte, dass zumindest kontaktloses Gruppentraining im Freien schnellstmöglich wieder möglich sein sollte. „Kinder müssen sich draußen bewegen können und gemeinsam sportlichen Hobbys nachgehen können“, sagte Staude. Hier erwarte er sich Signale von der Politik.

Martin Merkl von SJD – Die Falken, stellte die Beteiligung junger Menschen in den Fokus: Auch in Krisenzeiten müssten die Meinungen junger Menschen gehört werden.“ Für den Bezirksjugendring Oberpfalz und die bayerische Jugendarbeit ist hierbei die Senkung des Wahlalters ein zentrales Thema. „Hier braucht es Bewegung“, forderte Andrea Huber vom Landesvorstand des Jugendrings und der Oberpfälzer DGB-Jugend. Ein nächster Schritt für mehr Mitsprache junger Menschen könnte notfalls der Anlauf zu einem Volksbegehren sein. „Das Wahlalter mit 16 Jahren ist überfällig. Hier ist es an der Zeit, die Weichen zu stellen, um Schritt für Schritt eine Absenkung des Wahlalters auf 14 Jahre zu erreichen.“

Doch aufgrund der Corona-Pandemie stehe das Thema ein Jahr vor den Bundestagswahlen noch nicht im Blickpunkt. Hier will der Jugendring gegensteuern. Für Jürgen Preisinger, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksjugendrings, ist eines klar: „Jugendpolitik ist Zukunftspolitik.“ Auch während der Corona-Pandemie seien Beteiligungsmöglichkeiten wichtig und essentiell, um junge Menschen aktiv bei der Entwicklung der Kommunen und vor Ort einzubinden.


0 Kommentare