03.09.2020, 16:49 Uhr

Regensburg Der Landkreis setzt weiter auf die Jugendsozialarbeit an Schulen


Die Jugendsozialarbeit an Schulen, kurz JaS, hat sich bewährt, da sind sich die Verantwortlichen im Landkreis Regensburg einig. Und deshalb soll es auch im kommenden Schuljahr weitergehen.

Landkreis Regensburg. Am Donnerstag, 3. September, gaben Landrätin Tanja Schweiger, Janine Driessen, Teamleiterin Jugendsozialarbeit an Schulen, Werner Kuhn, Leiter des Kreisjugendamtes, und Maximilian Sedlmaier, Leiter der Sozialabteilung, einen Einblick in die aktuelle Situation. Das vergangene halbe Jahr sei nicht einfach gewesen, berichtete Landrätin Tanja Schweiger. Die JaS lebe davon, ein niedrigschwelliges Angebot zu sein – in Zeiten der Corona-Beschränkungen sei dies nicht so einfach. Die Kinder seien lange gar nicht und dann auch nur für kurze Zeit in der Schule gewesen. Das eigentlich „unkomplizierte und direkte Angebot“ der JaS konnte so kaum genutzt werden. Um den Kontakt zu den Kindern nicht zu verlieren, habe man digitale Medien eingesetzt, viel telefoniert und auch das ein oder andere Gespräch am Gartenzaun geführt, berichtet Janine Driessen, am Landratsamt verantwortlich für den Bereich Jugendsozialarbeit an Schulen.

Seit dem Jahr 2009 gibt es im Landkreis Regensburg die Jugendsozialarbeit an Schulen. Damals begann man mit zwölf JaS-Fachkräften an elf Schulen. Mittlerweile kümmern sich 35 Fachkräfte an 28 Schulen im Landkreis um die Kinder und ihre kleinen und größeren Probleme. Das Spektrum ist dabei breit gefächert: Mobbing, familiäre Probleme, Fragen zur Berufsplanung – all das können die Kinder mit den JaS-Kräften besprechen. Und noch viel mehr: „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt Schweiger. Selbst Liebeskummer oder auch eine Schwangerschaft können Thema in den Einzelberatungen werden. Zusätzlich werden Projektarbeiten angeboten – besonders die haben unter den Corona-Auflagen gelitten. Driessen hofft, bald wieder Projekte in den Schulen starten zu können. Hierzu kommen oft auch externe Spezialisten an die Schulen, um bei der Bearbeitung eines Themas zu helfen. Als Beispiel nennt Driessen das Thema Sucht, bei dem sie mit dem Gesundheitsamt zusammenarbeitet. Oft werden auch aktuelle Probleme in einer Klasse für eine Projektarbeit aufgegriffen.

Die Jugendsozialarbeit an Schulen wird vom Freistaat mitfinanziert, 40 Prozent der Personalkosten werden dem Landkreis erstattet, die Sachkosten muss er selbst tragen. Insgesamt investiert der Landkreis rund 1,5 Millionen Euro in diesen Bereich, weitere 500.000 Euro steuert der Freistaat bei. Dabei ist zu beachten, dass nur Stellen gefördert werden, die zuerst beantragt und dann umgesetzt werden. Bestehende Stellen, die nicht gefördert werden, können nicht im Nachgang gemeldet werden. Schweiger bedauert, dass es noch keine konkreten Informationen gibt, wie es künftig mit den JaS-Stellen weitergeht.Ursprünglich war als Kriterium festgesetzt, dass eine Schule einen Migrationsanteil unter den Schülerinnen und Schülern von mindestens 20 Prozent haben muss, um eine geförderte JaS-Stelle bewilligt zu bekommen. Diese Hürde wurde bereits aufgeweicht und soll wohl ganz fallen. Das werde dann zu einer Flut an weiteren Anträgen führen, so Schweiger. Die Frage sei dann, wie viel Geld der Freistaat zur Verfügung stellt. Aktuell gebe es keine JaSler an Gymnasien – auch hier hoffe man, dass sich das ändert und auch Stellen an Gymasien gefördert werden.

Im Jahr 2019 gab es im Landkreis Regensburg 35 Jugendsozialarbeiterinnen und -sozialarbeiter an zehn Grundschulen, elf Mittelschulen, drei Realschulen, drei Sonderpädagogischen Förderzentren und einem beruflichen Förderzentrum. 1.984 Schülerinnen und Schüler nahmen das Angebot der JaS an, das sind 23,7 Prozent aller Schülerinnen und Schüler an den genannten Schularten. In 43 Prozent der Fälle ging die Initiative von den Lehrkräften aus, in 37 Prozent der Fälle suchten die Schülerinnen und Schüler von selbst den Kontakt. 263 Projekte wurden im vergangenen Jahr durchgeführt, daran nahmen mehr als 10.000 Kinder teil. Zudem gab es Elternabende, an denen knapp 500 Erwachsene teilnahmen.


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