30.03.2020, 13:21 Uhr

Provokation Regensburger Psychologinnen und Psychologen erforschen Aggressionen

Regensburger Psychologinnen und Psychologen untersuchen Aggressionsbereitschaft mithilfe eines Computerspiels. Foto: Gina-Isabelle HenzeRegensburger Psychologinnen und Psychologen untersuchen Aggressionsbereitschaft mithilfe eines Computerspiels. Foto: Gina-Isabelle Henze

Ein Punkt erscheint auf dem Bildschirm. Nun müssen die Spieler reagieren. Wer ist schneller? Der Gewinner kann seinem Gegner Geldbeträge abziehen. Alles nur ein Spiel? An der Universität Regensburg nicht nur. Hier dient das Spiel gleichzeitig der Forschung.

Regensburg. Regensburger Psychologinnen und Psychologen haben damit Aggressionsbereitschaft untersucht. Ihre Ergebnisse sind im „Journal of Experimental Social Psychology“ erschienen. „Wir wollten wissen, ob das Aggressionslevel höher wird, wenn ein Spieler häufig hintereinander verliert oder ob nur der zuletzt erlebte Durchgang entscheidend ist“, erzählt der Regensburger Psychologe Julian Konzok. Um das herauszufinden, konzipierten die Psychologen das Spiel, bei dem 209 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an 100 Durchgängen teilnahmen.

Vor jedem Durchgang konnten die Spieler entscheiden, wie viel Geld sie dem Gegner abziehen, wenn dieser verliert. Je höher die Summe ausfiel, umso höher wurde das Aggressionslevel eingestuft. „Es hat sich gezeigt, dass sich die Aggressionen meist nicht potenzieren. Es ist meist die zuletzt erlebte Provokation, die den entscheidenden Einfluss auf die Höhe der Aggression hat“, so Konzok. Daneben stellten die Wissenschaftler fest, dass Personen, die sich selbst aggressiver einstuften, auch in dem Spiel aggressiver vorgingen. Darüber hinaus konnten die Forscher bestätigen, dass Männer im Durchschnitt aggressiver sind als Frauen.

Nun wollen die Forscher herausfinden, was während des Spiels auf neuronaler Ebene passiert. Sie haben deshalb Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Spielen in den Magnetresonanztomographen geschickt. „Hier haben wir uns die Persönlichkeitseigenschaft Externalisierung angeschaut und Personen unterschiedlichen Ausprägungsgrades untersucht: Das externalisierende Verhaltensspektrum ist durch Impulsivität und aggressives Verhalten sowie Substanzgebrauch charakterisiert“, erklärt Julian Konzok. Die Daten werden zurzeit ausgewertet. Die Ergebnisse können möglicherweise künftig dazu beitragen, das Aggressions- und Gewaltpotential zum Beispiel von gewaltbereiten Straftätern besser einzuschätzen.


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