12.02.2020, 17:23 Uhr

Uni goes downtown „Wir sind nicht die, für die Sie uns halten“

 Foto: Julia Dragan Foto: Julia Dragan

Drei Professoren, drei Themen: In der zweiten Runde von „Uni goes downtown“ ging es um Pathologen, Androiden und Insektendialekte.

Regensburg. „Wir wollen Ihnen näherbringen, wie spannend und relevant für Sie alle Wissenschaft sein kann“, erklärte Jan Kleine, Leiter des Präsidialbüros und der Kommunikation an der Universität Regensburg, zu Beginn der zweiten Runde von „Uni goes downtown“ am Montagabend, 10. Februar, im Degginger.

„Wir sind nicht die, für die Sie uns halten“ – Prof. Dr. Christoph Brochhausen-Delius räumte gängigen Verwechslung zwischen Pathologen und Rechtsmedizinern auf. Ein Pathologe habe nichts mit Kriminalfällen zu tun, so Prof. Brochhausen-Delius. Es sei zwar richtig, dass Pathologie etwas mit Obduktionen und mit Leichen zu tun habe. Die Fälle kämen aber aus dem Krankenhaus und über 90 Prozent der Arbeit eines Pathologen habe mit Lebenden zu tun. Pathologen obduzierten also klinische Fälle, die keine kriminologische Fragestellung hätten. „Der Pathologe macht Diagnosen“, erklärte Brochhausen-Delius, „aus diesen wunderschönen Organen, die der Chirurg herausnimmt und aus vielen kleinen Proben, die die Internisten aus irgendwelchen Körperhöhlen herausholen.“ Ein Beispiel seien Bauchschmerzen. Häufig kämen diese von einer gereizten Magenschleimhaut. Doch für chronische Bauchschmerzen könnten auch einer Mikrobe verantwortlich sein. Diese Idee hätte der Pathologe Robin Warren gehabt. Ein Mikrobiologe, Barry Marshall, habe die Mikrobe getrunken, um nachzuweisen, dass er davon Bauchschmerzen bekomme, die er mit Antibiotika behandeln könne. Die Diagnose, ob eine Mikrobe schuld an den Bauchschmerzen sei oder aber eine gereizte Magenschleimhaut stelle der Pathologe.

Prof. Dr. Ursula Regener sprach über Ian McEwans Werk „Maschines like me“, das Anfang der 1980er spielt. Darin gibt es drei Protagonisten: Den jobbenden Anthropologen Charles Friend, die Soziologiestudentin Miranda Blacke und Adam, der ein Android ist. Charles Friend betreibt Börsenspekulationen, ist aber nicht besonders ambitioniert. Seine Ambitionen wachsen mit seinem Interesse für Miranda Blacke. Charles schafft den Androiden Adam an, doch dieser grätscht in die Beziehung hinein. So findet er heraus, dass Miranda Charles gefährlich werden könnte, denn Miranda hat ein dunkles Geheimnis. Adam tut alles, um die gerechten Strafen herzustellen. Das führt dazu, dass Charles und Miranda sich vor große Hürden gestellt sehen. Das Buch erzähle die KI aus einer Retrospektive, das heiße, die wissenschaftlich virulenten Probleme aus dem Jahr 2019 seien hier erledigt. „Die Menschheit und ihre Kultur übersteht diese Phase mit gereifter Selbsterkenntnis“, so Prof. Regener, „weil sie über die Forschung zu KI, auch erfährt, was mit ihr selber los ist, sowohl neuronal wie eben auch haptisch.“

„Wenn Organismen Erfolg haben wollen, müssen sie miteinander kommunizieren“, erklärte Prof. Dr. Joachim Ruther, „aber manchmal ist es ganz gut, Dinge nicht zu verstehen, zum Beispiel, wenn es um die Partnerfindung geht.“ Denn Fehler bei der Partnerfindung hätten in der Evolution zur Folge, dass das mit Kosten verbunden sei. Deshalb sprach Prof. Ruther über Dialekte in einer Sprache die non-verbal sei, die Sprache der Insekten, die über Pheromone funktioniere. Als Beispiel zeigte Prof. Ruther parasitäre Wespen der Gattung Nasonia – kleine Insekten, die sehr wichtig für das Funktionieren von Ökosystemen seien und als natürliche Feinde dienten. Bei diesen parasitären Wespen werde die Partnerfindung über Sexualpheromone gesteuert. In der Gattung Nasonia sei festzustellen, dass eine bestimmte Pheromonkomponente nur bei einer einzigen Art vorkomme. Aufgrund der neuen Komponente könnten die Weibchen ihre eigenen männlichen Artgenossen bevorzugen. Sonst würde die Paarung auch mit anderen Arten der Gattung Nasonia stattfinden. Wenn ein Weibchen die Paarung mit einer anderen Art aber zulasse, wäre das ein großer Nachteil. Sie würden dann nämlich nur männliche Nachkommen produzieren. Optimal für die Art sie allerdings ein Geschlechterverhältnis von 80 Prozent Weibchen zu 20 Prozent Männchen. Vermutlich sei es deshalb dazu gekommen, dass sich die neue Pheromonkomponente entwickelt habe, um so die Kosten zu verringern.

Neben den Professorinnen und Professoren sorgte die Uni Jazz Combo für einen vergnügten Abend, der zu vielen angeregten Gesprächen führte. Der nächste Termin der Reihe steht schon fest: Am 11. Mai 2020 heißt es ab 19 Uhr im Degginger wieder: „Uni goes downtown“.


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