03.08.2019, 19:31 Uhr

„Familien stehen unter enormem Druck“ 847 Familien aus Stadt und Landkreis Regensburg suchten 2018 bei der Erziehungsberatungsstelle Hilf

Foto: yanlev/123RF (Foto: yanlev/123RF)Foto: yanlev/123RF (Foto: yanlev/123RF)

0941/ 507-2762 – unter dieser Telefonnummer ist die Erziehungsberatungsstelle der Stadt Regensburg erreichbar. 847 Familien aus Stadt und Landkreis Regensburg haben hier im Jahr 2018 den Rat der Fachkräfte gesucht. Es ging dabei um Konflikte in der Familie, um belastete Kinder, um pubertierende Jugendliche oder um die Trennung der Eltern.

REGENSBURG 484 Familien wurden im Jahr 2018 erstmals beraten, mit 363 Familien wurde die Arbeit aus dem Jahr 2017 weitergeführt. Über 2.000 Personen, Familienmitglieder und andere Helfer, waren in diese Beratungen einbezogen. Die Inanspruchnahme ist damit schon seit vielen Jahren auf hohem Niveau, genau wie bei den anderen beiden Erziehungsberatungsstellen von Diakonischem Werk und Katholischer Jugendfürsorge, die für Stadt und Landkreis arbeiten.

„Besonders wichtig ist es uns dabei immer, dass Ratsuchende nicht lange auf einen ersten Termin warten müssen“, so Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, die als Sozialreferentin für die Jugendhilfe zuständig ist. „Eltern tragen sich meist schon eine Weile mit dem Gedanken, sich an eine Beratungsstelle zu wenden, bevor sie dann tatsächlich den Schritt wagen und anrufen. Wenn sie dann hören, dass sie erstmal wochenlang auf einen ersten Termin warten müssen, dann sinken der Mut und die Motivation zur Veränderung.“

Ein besonderes Arbeitsfeld der städtischen Beratungsstelle ist „Tausend und Keine Nacht“, die Beratung für Eltern von Babys und Kleinkindern. Kinder, die nachts nicht schlafen, die zum Einschlafen stundenlang herumgetragen werden müssen, die sehr viel schreien und kaum zu beruhigen sind – da können Eltern schnell an Grenzen geraten. Hier sind kurze Wartezeiten erst recht von großer Bedeutung. Die Mitarbeiterinnen versuchen, bei den ganz Kleinen möglichst am selben oder am nächsten Tag nach dem Anruf der Eltern den Kontakt zu einer Beraterin herzustellen, mindestens am Telefon, um Entlastungs- und Überbrückungsmöglichkeiten zu besprechen. Dieses Beratungsangebot wird sehr stark in Anspruch genommen – allein 2018 in 319 Fällen, davon 173 Neuaufnahmen. „Wir sind sehr froh über das Vertrauen, das Eltern uns entgegenbringen“, so Martina Kindsmüller, die Leiterin der Beratungsstelle. „Manchmal genügen wenige Termine, manche Eltern kommen über einen längeren Zeitraum oder melden sich bei der nächsten Entwicklungskrise wieder – zum Glück ist die Erziehungsberatung hier eine sehr flexible Hilfe.“

„Erziehung ist in der heutigen Zeit wirklich schwieriger geworden“, stellt Dr. Volker Sgolik fest, der Leiter des Amts für Jugend und Familie. „Familien stehen unter enormem Druck und müssen vieles auffangen, was durch Stress in der Arbeitswelt, Leistungsdruck in der Schule, oder auch durch Smartphone und neue Medien auf die Menschen einwirkt. Die pädagogischen und psychologischen Beratungsansätze der Jugend- und Familientherapeutischen Beratungsstelle können in vielen Fällen dazu beitragen, dass Eltern gestärkt werden und wieder gut alleine zurechtkommen.“

Die bundesweite Studie Wir.EB, deren erste Ergebnisse im Jahr 2018 veröffentlicht wurden, bescheinigt der Erziehungsberatung eine hohe Wirksamkeit. Interessant: Die Wirksamkeit der Beratungsprozesse ist deutlich höher, wenn das Erstgespräch spätestens innerhalb von vier Wochen nach der Anmeldung stattfindet – optimal sind ein bis vier Wochen. „Mit einer Wartezeit von durchschnittlich 16 Tagen – beziehungsweise 12,4 Tagen bei Tausend und Keine Nacht – im Jahr 2018 liegt die städtische Erziehungsberatungsstelle hier goldrichtig“, so Dr. Sgolik.

Die Erziehungsberatungsstelle der Stadt Regensburg ist zu erreichen unter der Telefonnummer 0941/ 507-2762 oder per Mail an erziehungsberatung@regensburg.de.


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