02.08.2019, 20:19 Uhr

Austausch Europäische Jugendwochen in Waldmünchen

(Foto: Matthias Penzenstadler)(Foto: Matthias Penzenstadler)

Es war im Jahr 1992, als in der Jugendbildungsstätte Waldmünchen die ersten Europäischen Jugendwochen stattfanden. Mit dabei: Fabienne Gingat aus Combourg in der Bretagne. 27 Jahre später ist wieder eine dreiköpfige Jugendgruppe aus Combourg unter den Teilnehmenden und dieses Mal dabei: Loubann Boukhalil, die 16jährige Tochter von Fabienne.

WALDMÜNCHEN/LANDKREIS CHAM Da lohnt sich eine Nachfrage bei Mutter und Tochter, über Europa, über die Städtepartnerschaft Waldmünchen-Combourg und über ihre Erlebnisse bei den Europäischen Jugendwochen.

Fabienne Boukhalil ist mittlerweile 44 Jahre alt, selbstständige Architektin und lebt mit ihrem Mann und den vier Kindern in Combourg. Gerne erinnert sie sich an ihren Aufenthalt in Waldmünchen: „Wir haben auch einmal ein französisches Mahl mit Crêpes als Dessert zubereitet, das war eine schöne Sache.“ 1992 war gerade erst die Grenze gefallen und sie hat damals die Tschechen als „coole Typen“ wahrgenommen, die die Freiheit entdeckten. Dank der Europäischen Jugendwochen habe sie auch Kontakte nach Italien geknüpft – mit weitreichenden Auswirkungen: Einige Jahre später hat sie über einen „Erasmus“-Austausch in Italien ihren Mann, einen Libanesen, kennengelernt. „Das war vielleicht eine kleine Fügung des Schicksals“, so Fabienne Boukhalil. Sie ist überzeugt davon, dass sie sich durch die EJW viel mehr für andere Kulturen hat öffnen können. Es war für sie das erste Mal, dass sie allein ins Ausland reiste: „Die EJW sind ein großer Schmelztiegel mit vielen Nationalitäten und du siehst die verschiedenen Kulturen und beobachtest die unterschiedlichen Reaktionsweisen jedes einzelnen. Du lernst andere mit ihrer Kultur und ihrer individuellen Lebensweise zu respektieren und anzunehmen.“ So war es die logische Folgerung, dass sie auch ihrer Tochter Loubann empfahl, nach Waldmünchen zu fahren. Fabienne Boukhalil ist dankbar für die Städtepartnerschaft mit Waldmünchen und für die Arbeit des Partnerschaftskomitees. Loubann kam bereits am 12. Juli mit der Partnerschaftsdelegation aus Combourg nach Waldmünchen, hat das Heimatfest und die Trenckspiel-Premiere miterlebt und mittlerweile sogar einmal im Volk beim „Trenck“ mitgespielt. Bis zum Start der Europäischen Jugendwochen wohnte sie bei der Familie Nock und da tauchte gleich die nächste Kuriosität auf: 1995 war Alois Nock beim Partnerschaftsbesuch in Combourg bei einer Familie untergebracht; 27 Jahre später stellte sich heraus, dass es die Großeltern von Loubann waren. Mittlerweile ist die junge Französin mit zwei Landsmännern gut in den EJW integriert, hat schon zahlreiche Kontakte geknüpft und fühlt sich so richtig wohl. Bei einer musikalischen Vorstellungsrunde und am Internationalen Team-Trainingparcour ist die bunte Truppe zusammengewachsen und hat sich mittlerweile auch über politische Themen ausgetauscht. Das interessiert Loubann. „Ich wusste vorher beispielsweise überhaupt nichts über Russland, die Politik und die Menschen dort“. Wie ihre Mutter vor 27 Jahren fühlt sich Loubann „so richtig europäisch“ und wenn sich die Familie Boukhalil am 9. August in Frankreich wieder trifft, haben Mutter und Tochter bestimmt viele Gesprächsthemen.

Die „Europäischen Jugendwochen“ werden in Kooperation mit dem Franziskanischen Bildungswerk aus Großkrotzenburg seit 1992 ohne Unterbrechnung in der Jugendbildungsstätte Waldmünchen durchgeführt. Waren 1992 noch Titus Möllenbeck und Alois Nock die Seminarleiter, ist mit Ulrike Maqua nun die sechste Jugendbildungsreferentin in Waldmünchen am Start. Jedes Jahr kommen im Juli oder August zwischen 25 und 40 Teilnehmer aus allen möglichen Ländern in die Grenzstadt; insgesamt waren es wohl über 800. Heuer kommen die Jugendliche und Teamer, also die Honorarmitarbeiter, aus Russland, Weißrussland, England, Bulgarien, Frankreich, Deutschland, Bosnien, Rumänien, Serbien und Tschechien. In der Zeit von 28. Juli bis 8. August geht es vor allem um politische Bildung, Länderkunde, um Demokratie, Werte, Menschenrechte, ganz allgemein: Um die Förderung des europäischen Gedankens. Außerdem stehen Ausflüge nach Prag und nach München und in die KZ-Gedenkstätte Dachau auf dem Programm. Ab Januar stehen die Informationen zu den EJW 2020 auf der Website des FBW (www.fbw.kreuzburg.de) online.

Stimme von Alois Nock, Leiter der Jugendbildungsstätte: „Die Europäischen Jugendwochen tragen seit 27 Jahren wesentlich zum Profil des Hauses bei, internationale Begegnungen wurden verankert. Europa wird hier durch Gesichter, Personen und Geschichten erlebt, nicht über Parlamentspapiere. Vor allem finde ich auch den Austausch mit den osteuropäischen Ländern wichtig. Bei den EJW wird Begegnung organsiert und andere Meinungen zugelassen. Das ist Europa!“

Stimme von Ulrike Maqua, Jugendbildungsreferentin des Franziskanischen Bildungswerks und Leiterin der Europäischen Jugendwochen „Es ist immer wieder spannend. Viele der Teilnehmer gehen in Freundschaft raus und halten oft jahrzehntelang Kontakt. Zahlreiche Netzwerke wurden durch die Europäischen Jugendwochen geknüpft und halten bis heute.“


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