10.04.2019, 14:48 Uhr

Besuch lohnt sich Küchenschelle und Kletterschraubenpalme – der Botanische Garten der Uni öffnet wieder

(Foto: Volker Debus)(Foto: Volker Debus)

Am Sonntag, 14. April, ist es so weit: Der Botanische Garten öffnet wieder seine Tore. Die schon beinahe frühsommerlichen Temperaturen der letzten Wochen haben die Frühjahrsvegetation gewaltig vorangetrieben. So stehen im Freiland die Arten der Küchenschellen (Pulsatilla) momentan massiv im Fokus. Von den Trockenrasenflächen der warmen Hänge an der Schwarzen Laaber oder der Donau ist unsere gängigste einheimische Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) wohl schon manchem Gartenbesucher gut bekannt.

REGENSBURG Besonders viele Küchenschellen beherbergt das erst vor wenigen Jahren entstandene Felsengartenrevier im unteren Gartenbereich des Botanischen Gartens. Highlights sind hier die Tatewaki- Küchenschelle von der russischen Insel Sachalin, die Ajan- Küchenschelle, Pulsatilla ajanensis, von den Küsten des Ochotskischen Meeres und die Daurische Küchenschelle, Pulsatilla dahurica, aus Ost-Asien.

Sehenswert ist unter anderem die geografische Abteilung Amerika, denn dort entfaltet die artenreiche, ostamerikanische Laubwaldflora gerade ihren Blütenreigen. Mertensia virginica, das Virginianische Blauglöckchen, ein Bewohner feuchter Wälder, taucht mit seinem massiven Auftreten die Szenerie in Blau. Die ostamerikanischen Laubwälder gelten als ein Rückzugsgebiet sogenannter Tertiärrelikte, zu denen auch die gerade mit der Blüte beginnenden Dreiblatt- (Trillium) und Hundszahnlilien (Erythronium) gehören. Mit ihren zurückgeschlagenen Blütenblättern erinnern die Hundszahnlilien etwas an die Alpenveilchen. Neben diesen auffälligen Blüten zeigen auch ihre Blätter schöne Marmorierungen. Momentan sind schon die gelbblühende Amerikanische Hundszahnlilie (Erythronium americanum) und die weißblühende Oregon-Hundszahnlilie (Erythronium oregonum) zu sehen.

Ausnahmsweise sind an diesem Sonntag auch die Gewächshäuser geöffnet. Rund 550 Quadratmeter Gewächshausfläche, gefüllt mit botanischen Sehenswürdigkeiten, warten auf die Besucher.

In Haus vier wurde über den Winter ein Seitenbankett komplett neu gestaltet. Ein kleines Rinnsal sorgt dort jetzt für vernässte Bereiche, um den Fleischfressenden Pflanzen der kühleren Regionen ein angemessenes Ambiente zu bieten. Diverse Sonnentau-, Wasserschlauch- und Fettkraut-Arten haben dort Einzug gehalten. Auch die nordamerikanische Kobralilie ist zu sehen. Der Name Kobralilie, umschreibt in ausdrucksvoller Form das Aussehen dieser fleischfressenden Pflanze. Das obere Ende ihrer Schlauchtrichter endet in einer nach unten offenen Haube, die von zwei Zipfeln umgeben ist und ähnelt mit etwas Phantasie, an eine züngelnde Schlange.

Auffälligste Pflanze im Haus eins ist zurzeit Freycinetia insignis, eine sogenannte Kletterschraubenpalme, aus Java. In ihrem Aussehen erinnert sie etwas an die im Handel häufig angebotenen Drachenbäume. Im Gegensatz zu diesen beliebten Ziergewächsen sind ihre Triebe nicht straff aufrecht, sondern etwas verdreht und mit in drei spiraligen Reihen angeordneten Blättern bestückt. Die Pflanze produziert an unterschiedlichen Stellen entlang des gesamten Stammes Blüten. Diese sind wenig auffällig und sitzen in kleinen Kolben zusammen. Um ihren Bestäuber anzulocken sind die Blüten jedoch von großen, fleischigen, ziegelroten Hochblättern umgeben, die wiederum eine unglaubliche Attraktivität ausstrahlen. In ihrer Heimat wird sie von Fledermäusen bestäubt, denen die Hochblätter als Nahrung dienen. Neben all diesen Pflanzen können Besucher noch eine Vielzahl schöner und ungewöhnlicher Pflanzen sowohl im Freiland als auch in den Gewächshäusern entdecken. Ein Besuch lohnt sich.

Der Botanische Garten hat von Montag bis Mittwoch, 7 bis 16 Uhr, Donnerstags von 7 bis 15.30 Uhr, Freitags von 7 bis 14 Uhr und Sonntags von 11 bis 18 Uhr (14. April bis 13. Oktober) geöffnet


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