04.07.2018, 13:36 Uhr

„Animal Emotions & Empathy“ Primatenforscher Frans de Waal hält Vortrag an der Universität Regensburg

(Foto: Christian Eckl)(Foto: Christian Eckl)

Am 28. Juni 2018 feierte die Fakultät für Biologie und Vorklinische Medizin der Universität Regensburg ihren Fest-Tag der Biowissenschaften. Unter den knapp 400 Anwesenden waren die Absolventen des Masterstudiengangs Biologie sowie frischgebackene Doktoranden und Habilitanden, die an diesem Tag ihre Urkunden erhielten sowie zahlreiche Studierende der ersten Semester und viele Fakultätsmitglieder. Der bekannte Primatenforscher Prof. Frans de Waal hielt den Festvortrag „Animal Emotions & Empathy“.

REGENSBURG In ihrer Ansprache betonte die Dekanin der Fakultät für Biologie und Vorklinische Medizin, Prof. Dr. Inga Neumann, die besonderen Herausforderungen der Fakultät, denen sich die Professorinnen und Professoren stellen müssen, um die Biologie-Ausbildung bei anhaltend großem Interesse an einem Biologie-Studium in Regensburg auf einem hohen Niveau zu garantieren. Seit etwa drei Jahren – insbesondere nach dem Wegfall des Numerus clausus (NC) – hat sich die Anzahl der Erstsemester für das Masterstudium Biologie und auch für das Lehramtsstudium fast verdoppelt - bei gleichbleibender Zahl der festangestellten wissenschaftlichen Mitarbeiter und Professoren. Das letzte CHE-Hochschulranking beweist, dass dies der Fakultät durch außergewöhnliche Anstrengungen gelungen ist. Das Biologie-Studium ist in Regensburg äußerst beliebt und hat einen sehr guten Ruf. Damit dies trotz der hohen Studierendenzahlen auch weiterhin gelingt, sind enorme logistische und finanzielle Anstrengungen nötig. Prof. Neumann dankte in diesem Zusammenhang der Universitätsleitung für die bisherige und auch weiterhin zugesicherte finanzielle Unterstützung, ohne die z. B. aufwendige Labor-Praktika, die eine sehr intensive Betreuung erfordern, nicht realisierbar wären. Prof. Dr. Inga Neumann begrüßte den Trend hin zum Biologie-Studium. Es werden hervorragend ausgebildete Absolventen für die Grundlagenforschung an den vielen spannenden Fragen der Biologie benötigt, die in der Fakultät insbesondere an den vier Schwerpunktbereichen Biochemie, Nierenphysiologie, Evolutionsbiologie-Ökologie-Naturschutz und Neurobiologie arbeiten. Prof. Neumann betonte zudem die Verantwortung der Fakultät, eine fundierte Ausbildung der Artenkenntnis in Zoologie und Botanik zu garantieren. Wer, wenn nicht gut ausgebildete Biologen und Biologie-Lehrer können auch in Zukunft den Artenschwund dokumentieren und sich dagegen durch kompetente Argumentation einsetzen? Wer, wenn nicht motivierte und kompetente Biologielehrer können auch die nächste Generation für biologische Phänomene, für Umweltfragen und Naturschutz begeistern? Neben diesen Herausforderungen leistet die Fakultät auch hervorragende wissenschaftliche Arbeit gemessen an den eingeworbenen Forschungsmitteln. Als relativ kleine Fakultät belegt sie in der Einwerbung von Drittmitteln den dritten Platz an der Universität Regensburg hinter der Fakultät für Medizin und der Fakultät für Physik.

Höhepunkt der Veranstaltung, die vom ResonanzEnsemble Regensburg musikalisch begleitet wurde, war der Festvortrag „Animal Emotions & Empathy“ von Prof. Frans de Waal. Der berühmte Primatenforscher de Waal, der am Yerkes-Primatenzentrum in Atlanta, Georgia, USA forscht, stellte klar, dass der Mensch sich in vielen Verhaltensweisen gar nicht so sehr von seinen zwei nächsten Verwandten, den Schimpansen und Bonobos, unterscheidet. Genetisch ähneln wir diesen Primaten (Menschenaffen) zu 98,7%. Nicht nur das Bestreben nach Macht und Einfluss, oder die (kulturell gezügelte) Gier nach Sexualpartnern – wir haben mehr mit ihnen gemeinsam. Zu unserem Primatenerbe gehören ebenso Einfühlungsvermögen, Mitgefühl mit Artgenossen (Empathie) und die Strategie der Versöhnung. Diese Fähigkeiten preisen wir also zu Unrecht als typisch menschlich. Sie haben sich während der Evolution der Primaten bereits entwickelt, um das soziale Leben in Gruppen zum Vorteil der Gruppenangehörigen zu ermöglichen. Wie sonst könne man erklären, dass sich Schimpansen nach einem Kampf die Hand reichen oder sich auf den Mund küssen, Bonobos zur Beschwichtigung der sozial eskalierten Situation Sex haben, oder dass nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen Schimpansen-Männchen auch ein begehrtes Futter geteilt wird? Das alles sind Versöhnungsgesten, die Basis des Konfliktmanagements in der menschlichen Gesellschaft. Auch das Lösen komplexer Zusammenhänge, um in Not geratenen Gruppenmitgliedern zu helfen, oder die Selbst-Erkenntnis im Spiegel sind kognitive Leistungen, zu denen bereits Primaten, aber auch Elefanten in der Lage sind. Ein anderes Beispiel der komplexen Fähigkeiten unserer nahen Verwandten ist die Kooperationsfähigkeit, die besonders gut bei Schimpansen untersucht wurde. Wird ein Futter nur dann erreicht, wenn zwei oder sogar vier Primaten gemeinsam am Seil ziehen, werden Artgenossen für die Aufgabe herbei geholt. Und auch der Sinn für Gerechtigkeit, der sich bei Menschenkindern etwa im Alter von zwei Jahren entwickelt, ist bei Schimpansen ausgeprägt: Belohnung einer kleinen Aufgabe mit einem Gurkenstück? Kein Problem, solange der Nachbar ebenso nur Gurke erhält, aber Wehe, der andere bekommt eine Weintraube für die gleiche Aufgabe! Kooperation und Gerechtigkeit – das sind auch zwei Schlüsselkomponenten einer erfolgreichen Fakultät.


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