08.06.2018, 16:17 Uhr

Steuerzahler soll blechen Irre Lesesaal-Besetzung an der Uni – „im Schnitt nur fünf Studenten anwesend!“

Die Uni Regensburg mit Mensa, hier das Bibliotheksgebäude. Foto: Eckl (Foto: Christian Eckl)Die Uni Regensburg mit Mensa, hier das Bibliotheksgebäude. Foto: Eckl (Foto: Christian Eckl)

Irre! Der Protest gegen die frühere Schließung der Lesesäle im Sommer hat nicht nur zu einer Besetzung durch Studenten geführt. Die Öffnungszeiten bis um 22 Uhr kosteten zwar den Steuerzahler schöne Summen, dabei nutzten im Schnitt nur fünf Studenten das Angebot!

REGENSBURG Die Universität Regensburg bietet in zwölf Lesesälen unterschiedlicher Größe insgesamt 3.392 Arbeitsplätze für Studierende und verfügt damit deutschlandweit über die dritthöchste Anzahl an Leseplätzen. Es ist allen Verantwortlichen ein gemeinsames Anliegen, dass diese für Lernen und Forschung wichtige Infrastruktur optimal genutzt werden kann. Dazu gehören selbstverständlich auch möglichst lange und verlässliche Öffnungszeiten. Für diese wird aktuell ein Konzept erarbeitet, das dem sich wandelnden Nutzungs- und Arbeitsverhalten in modernen Bibliotheken Rechnung trägt.

Der am vergangenen Montag von einer Gruppe von Studierenden über die reguläre Öffnungszeit hinaus „besetzte“ Allgemeine Lesesaal der Universitätsbibliothek ist seit dem 1. Juni werktags statt bis 22 Uhr nur noch bis 20 Uhr geöffnet. In diesem Lesesaal waren im letzten Jahr jeweils um 21.30 Uhr im Durchschnitt fünf Personen anwesend. Die nur wenige Meter auf dem Campus entfernten Lesesäle Philosophie/Theologie(PT) 1, PT 2 und Recht 2 mit insgesamt 1.790 Einzelarbeitsplätzen bleiben weiterhin bis 22 Uhr geöffnet, der Lesesaal Wirtschaft/Recht 1 mit zusätzlichen 826 Plätzen ebenfalls wie zuvor bis 24 Uhr. Diese Lesesäle mit insgesamt 2.616 Arbeitsplätzen sind selbstverständlich für alle Studierenden zugänglich. In ihnen halten sich werktags um 21.30 Uhr insgesamt im Durchschnitt 61 Nutzer auf, so dass es also mehr als genug Platz im momentan diskutierten Zeitraum gibt. „Wir weisen den von einzelnen Studierendenvertretern öffentlich und in den Medien erhobenen Vorwurf, die Universitätsleitung würde einen ‚massiven Einschnitt‘ in die Studienbedingungen leichtfertig in Kauf nehmen, mit Nachdruck zurück“, erklärt der Präsident der Universität Regensburg, Prof. Dr. Udo Hebel. Gerade auch vor dem Hintergrund beschränkter Ressourcen und der Verpflichtung die vorhandenen Mittel wirtschaftlich vertretbar einzusetzen, bestehe mit Blick auf die Auslastung der Arbeitsplätze in den Teilbibliotheken die Anforderung, die Öffnungszeiten und Arbeitsmöglichkeiten stärker an den Bedarfen der Studierenden auszurichten.

Die seit dem 1. Juni gültigen Öffnungszeiten der Lesesäle wurden bereits im Januar im Bibliotheksausschuss der Universität beraten, in dem die Studierenden gleichberechtigt mit Sitz und Stimme vertreten sind. Der Ausschuss kommt wieder am 5. Juli zusammen und die Öffnungszeiten stehen erneut auf der Tagesordnung. „Wir laden die Studierendenvertreter ausdrücklich ein, über das studentische Mitglied im Ausschuss ihre Wünsche und Bedenken einzubringen“, sagt der Ausschussvorsitzende Vizepräsident Prof. Dr. Nikolaus Korber.