13.02.2018, 13:21 Uhr

Stipendium für Forscher aus Odessa Stadt Regensburg und IOS fördern ukrainische Wissenschaft in schwieriger Zeit

(Foto: IOS Regensburg)(Foto: IOS Regensburg)

Ein neues Forschungsstipendium soll den wissenschaftlichen Austausch zwischen Regensburg und seiner ukrainischen Partnerstadt Odessa fördern. Die Finanzierung teilen sich die Stadt Regensburg und das Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS). Die erste Stipendiatin aus der Ukraine ist bereits in der Oberpfalz. Sie erforscht nicht nur den derzeitigen Konflikt in ihrem Heimatland, sie hat ihn auch persönlich zu spüren bekommen.

REGENSBURG Die neue „IOS-Regensburg Fellowship für Odessa“ ermöglicht Sozial- und Geisteswissenschaftlen aus Odessa einen rund vierwöchigen Forschungsaufenthalt am Institut. Das von der Stadt und dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS) gemeinsam finanzierte Forschungsstipendium, das ein Volumen von je gut 4.000 Euro hat, wird einmal jährlich vergeben. „Hiermit möchten wir nicht nur den Austausch zwischen unseren Städten weiter stärken. Gleichzeitig erfahren wir auch aus erster Hand, was aktuell in der Ukraine passiert und wie die Vorgänge von renommierten Forscherinnen und Forschern eingeschätzt werden“, erklärt Dieter Daminger, Referent für Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzen der Stadt Regensburg und Mitglied des IOS-Stiftungsrats. Das IOS erforscht Politik, Geschichte und Wirtschaft des östlichen Europa. Die Ukraine ist dabei ein Schwerpunktland. „Dort gibt es viel Potenzial, aber auch große Schwierigkeiten“, erläutert Prof. Dr. Ulf Brunnbauer, wissenschaftlicher Direktor des IOS, mit Blick auf den Konflikt im Land. „Umso wichtiger ist es, die Wissenschaft in der Ukraine zu unterstützen.“

Die angespannte Lage im Land und deren Folgen für Wissenschaftler zeigen sich auch im Lebenslauf der ersten Forscherin, die das neue Stipendium erhalten hat und noch bis Mitte Februar am Institut in Regensburg ist. Prof. Dr. Tatyana Malyarenko lehrte in Donezk, bis die Regierung in Kiew ihre Universität Ende 2014 per Dekret evakuierte, vor dem Hintergrund des gewalttätigen Konflikts um die Unabhängigkeit der Region. Inzwischen ist Malyarenko zur Nationalen Universität „Juristische Akademie Odessa“ gewechselt. Ihre Forschung, die sie auch in Regensburg verfolgt, befasst sich aber weiter mit ihrer alten Wirkungsstätte: Sie untersucht die Dynamiken in den selbsterklärten Volksrepubliken Lugansk und Donezk, hat dazu zahlreiche Interviews geführt, etwa mit Kämpfern beider Seiten, aber auch Vertriebenen. Gleichzeitig berichtet sie von Beispielen, wie der Konflikt sich auf den Arbeitsalltag von Akademikern auswirkt. So beobachte sie bei manchen Forschern Selbstzensur, wenn es um heikle politische Themen gehe. Der Kontakt zu russischen Wissenschaftlern werde extrem erschwert. Das Bildungssystem bekomme wegen der Militärausgaben deutlich weniger Mittel. Angesichts solcher Schwierigkeiten bedeute ihr Aufenthalt in Regensburg eine wichtige Auszeit, um sich wieder mehr auf ihre Forschung zu konzentrieren. Was umso mehr wert sei, da es bei ihr auch um die Frage geht, ob nicht noch eine friedliche Zukunft für die Ukraine möglich ist.


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