14.12.2017, 19:51 Uhr

„Vorreiter und Kämpfer“ Netzwerk Leichte Sprache Bayern will Barrieren aufbrechen

Christine Borucker, Vorstandsmitglied im Netzwerk Leichte Sprache, „sag’s einfach“-Büroleiter Sebastian Müller, „sag’s einfach“-Mitarbeiterin Angelika Frey, Inklusionsbeauftragter der Stadt Regensburg, Frank Reinel. (Foto: KJF Regensburg)Christine Borucker, Vorstandsmitglied im Netzwerk Leichte Sprache, „sag’s einfach“-Büroleiter Sebastian Müller, „sag’s einfach“-Mitarbeiterin Angelika Frey, Inklusionsbeauftragter der Stadt Regensburg, Frank Reinel. (Foto: KJF Regensburg)

Das zweite Netzwerktreffen 2017 des Netzwerkes Leichte Sprache Bayern fand in Regensburg statt. Organisiert hatte es das Büro für Leichte Sprache der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e. V. (KJF) „sag’s einfach“ unter der Leitung von Sebastian Müller für 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus sieben bayerischen Büros für Leichte Sprache.

REGENSBURG Sie repräsentieren das Netzwerk Leichte Sprache Bayern. Aus dem Vorstand des Netzwerks führte Christine Borucker, Leiterin der Beratungsstellen für Unterstützte Kommunikation im Fach-Zentrum für Leichte Sprache der CAB Caritas Augsburg, durch die Veranstaltung.

Anliegen der Netzwerkpartner muss erst noch in der breiten Öffentlichkeit ankommen

Barrieren für Menschen mit Beeinträchtigungen gibt es auch in der Kommunikation! Leichte Sprache hilft, diese Barrieren aufzubrechen – so wie eine Rampe den Zugang zu einem Gebäude ermöglicht. Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens erfordert es, Informationen so aufzubereiten, dass alle sie verstehen können: Auf Webseiten, in Formularen, in Broschüren und natürlich auch in Vorträgen und Reden. Bei der letzten Bundestagswahl haben viele Parteien ihre Wahlprogramme in Leichte Sprache übersetzen lassen. Für die SPD hat „sag’s einfach“, das Büro der KJF, das Wahlprogramm übersetzt. Sebastian Müller, Leiter des Büros für Leichte Sprache in Regensburg, gab beim Netzwerktreffen Einblick in die Auftragslage. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer tauschten sich über ihre Erfahrungen, Aufträge und Rahmenbedingungen für ihre Arbeit aus. Noch viel zu wenigen für die Kommunikation Verantwortlichen in Unternehmen und Dienstleistungsbetrieben, in Ämtern und Behörden aber auch Privatpersonen scheint klar zu sein, dass ihre Imagebroschüren, ihre Webseiten und Informationen für Verbraucher und Kunden viele Menschen gar nicht erreicht. Die Auftragslage der Büros für Leichte Sprache lässt zu wünschen übrig – und damit im Bereich der Kommunikation auch die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.

Vorreiter und Kämpfer für die Leichte Sprache

Inklusion kostet Geld, viel Geld. Da fällt das Thema Leichte Sprache schon einmal „hinten runter“. Die Netzwerkpartner wollen jedoch weiterhin für ihre Sache kämpfen und dabei geht es nicht nur um die Auftragsakquise, sondern auch um eine angemessene Bezahlung der Übersetzungsleistung und der Prüfgruppen. Sie fragen sich, wie sie die Kosten für die erforderlichen Schulungen, Fachveranstaltungen und auch Netzwerktreffen finanziert bekommen. Sie sind Experten in eigener Sache und arbeiten zum Beispiel in einer Förderstätte, einer Behindertenwerkstätte oder einer gemeinnützigen soziale Einrichtung fragen sich, Bertin Abbenhues, Abteilungsleiter für Teilhabeleistungen bei der KJF, stellt beim Netzwerktreffen heraus: „Es muss noch viel Verständnis geweckt werden für unser Anliegen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Büros und der Prüfgruppen sind Vorreiter und Kämpfer für die Leichte Sprache.“

Mit den politisch Verantwortlichen reden

Gemeinsam mit den im Netzwerk Engagierten arbeitet Christine Borucker an einer Strategie, um die Leichte Sprache in Bayern und nicht zuletzt die Büros bekannter zu machen. „Wir müssen mit den Politikern ins Gespräch kommen“, sagt sie, „Sponsoren gewinnen und Pilotprojekte auf den Weg bringen.“ Borucker will im Netzwerk das Profil der Büros schärfen und deren Professionalisierung vorantreiben. Wer übersetzt und prüft, soll künftig als Fachkraft für Leichte Sprache ausgebildet, zertifiziert und anerkannt sein. Der Inklusionsbeauftragte der Stadt Regensburg Frank Reinel unterstrich die Anliegen der Netzwerkpartner: „Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg in der Inklusion.“ Er erzählte aus seiner Arbeit und dem Ringen um gute Lösungen für Menschen mit Behinderung gerade beim Thema Barrierefreiheit. Er sagte: „Regensburg möchte barrierefreier werden und alle Menschen mit Behinderung mitnehmen. Hierfür benötigen wir eine Sprache, die alle verstehen. Leichte Sprache gehört zur Barrierefreiheit dazu.“

Beispielhafte Pilotprojekte

Am Standort Regensburg lassen sich schon einige Pilotprojekte in Leichter Sprache aufzeigen, die beispielhaft sind. So veröffentlicht ein Reporterteam von „sag’s einfach“ regelmäßig Beiträge in der Tagespresse in Leichter Sprache. Es geht dabei um Themen, die Menschen mit Behinderung interessieren. Die Stadt Regensburg gibt den Ratgeber „Barrierefrei durch Regensburg“ in der nächsten Auflage komplett in Leichter Sprache heraus und das Bistum legt in Kürze einen Domführer in Leichter Sprache vor. Übersetzt hat ihn das Büro „sag’s einfach“ der KJF. Auf dieser Grundlage werden Domführungen in Leichter Sprache angeboten. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Netzwerktreffen hat Hagen Horoba, Diplom Theologe und Leiter von „Domplatz 5“ in Regensburg, eine Kostprobe gegeben. Seine Führung rund um und im Dom in Leichter Sprache war beeindruckend. Nicht selten gesellten sich andere Besucherinnen und Besucher zu der Gruppe und hörten gespannt zu. Sie haben sicher alles gut verstanden!

Gute Adressen für Übersetzungen in Leichte Sprache – die Partner im Netzwerk Leichte Sprache Bayern: CAB Caritas (Augsburg), Dominikus Ringeisen Werk (Ursberg), Einfach verstehen (München), Isar-Würm-Lech Werkstätte für behinderte Menschen (Landsberg/Lech), Regens Wagner Offene Hilfen (Lichtenfels), WEFA GmbH gemeinnützige Werkstätte für angepasste Arbeit (Seßlach), Büro für Leichte Sprache der KJF (Regensburg).


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