23.11.2017, 23:43 Uhr

Leise, aber erfolgreich Integrationsbeauftragte Kerstin Schreyer referiert am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung

Integrationsbeauftragte Kerstin Schreyer am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung. (Foto: IOS)Integrationsbeauftragte Kerstin Schreyer am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung. (Foto: IOS)

Die Integration von Zuwanderern in Bayern läuft zu großen Teilen problemlos – und fast schon versteckt. Das erklärt die Integrationsbeauftragte der Staatsregierung, Kerstin Schreyer, am Mittwochabend, 22. November, in einem Vortrag am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS). Dort spricht sie vor Vertretern eines internationalen Forschungsprojekts, das dazu beitragen soll, dass Integration künftig noch einfacher gelingt.

REGENSBURG Die Gesellschaft in Bayern wandelt sich. 2,7 Millionen Menschen haben inzwischen einen Migrationshintergrund. Das habe aber nicht in erster Linie mit der Ankunft von Flüchtlingen zu tun, auch wenn dieses Thema den meisten viel präsenter sei. „Von allen Menschen, die zu uns kommen, sind 15 Prozent Geflüchtete. 85 Prozent sind über andere Wege gekommen. Das vergisst man oft“, sagt Kerstin Schreyer. Die Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung meint damit nicht zuletzt Migration aus östlichen Teilen Europas. So lebten im Freistaat derzeit etwa 206.000 Menschen aus Rumänien und 294.000 aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens.

Bei Menschen aus Ländern wie diesen funktioniere die Integration meist geräuschlos. Sie werde in ihrer Arbeit kaum mit Problemen dabei konfrontiert, berichtet Schreyer. Ein wichtiger Grund sei, dass diese Zuwanderer in der Regel die gleichen Werte wie die Einheimischen hätten. Hinzu komme, dass in Bayern die Beschäftigungslage sehr gut sei, wodurch fast jeder einen Arbeitsplatz finde. Außerdem gebe es hier in Städten keine Ghettobildung, Zuwandererkinder erhielten schon früh Förderung in Betreuungseinrichtungen. Gleichzeitig blieben einige Herausforderungen. Beispielsweise müsse man darauf achten, dass „alte“ Zuwanderergruppen nicht den Eindruck bekämen, sie würden wegen der Flüchtlinge vernachlässigt. Unterm Strich, so Schreyer, stehe man bei der Integration aber im Bundesvergleich gut da.

Schreyer war ans IOS eingeladen, weil dort derzeit eine Tagung für das EU-geförderte Projekt „Youmig“ stattfindet. Wissenschaftler und Kommunen aus acht Ländern arbeiten dabei zusammen, um die Migration junger Menschen im Donauraum besser zu verstehen. Beteiligt sind unter Federführung des Ungarischen Statistischen Zentralamts beispielsweise die Stadt Graz (Österreich) oder Burgas (Bulgarien) sowie Forschungseinrichtungen wie die Universität Wien und das IOS Regensburg. Ziel des Projekts ist zunächst, Dimension und Folgen der Migration zu analysieren. Auf dieser Basis sollen dann Strategien entwickelt werden, wie Städte sich angesichts der Wanderbewegung optimal weiterentwickeln können. „Damit könnte man Migration zu etwas machen, bei dem alle Seiten gewinnen“, hatte der wissenschaftliche Direktor des IOS, Professor Ulf Brunnbauer, bei der Einführung zu Schreyers Vortrag erklärt. Das Projekt „Youmig“ – oder vollständig: „Youmig. Improving institutional capacities and fostering cooperation to tackle the impacts of transnational youth migration“ – wird aus Mitteln der Europäischen Union gefördert und ist Teil des Interreg Danube Transnational Programme. „Youmig“ startete am 1. Januar 2017 und hat eine Laufzeit von zweieinhalb Jahren.

Mit mehr als 60 Mitarbeitern aus über einem Dutzend Ländern ist das Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS) mit Sitz in Regensburg eine der größten Einrichtungen seiner Art. Aufgabe ist die Analyse historischer und gegenwärtiger Dynamiken in Ost- und Südosteuropa – und zwar aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Am IOS forschen Geschichts-, Wirtschafts- und Politikwissenschaftler gemeinsam. Daneben veröffentlicht das Institut Fachzeitschriften und Buchreihen, fördert den akademischen Nachwuchs und beherbergt eine international führende Fachbibliothek.


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