22.07.2018, 11:33 Uhr

Feierstunde 53 Abiturienten des LSH Marquartstein erfolgreich entlassen

(Foto: LSH Marquartstein)(Foto: LSH Marquartstein)

Kürzlich fand im Festsaal des Staatlichen Landschulheims Marquartstein im Rahmen eines feierlichen Aktes die Verabschiedung der 53 Abiturienten statt, die ihre Reifeprüfung mit Erfolg abgelegt hatten.

MARQUARTSTEIN .Nach dem Einzug der Abiturienten, die größtenteils in Tracht gekleidet waren, begrüßte Oberstudiendirektor Christian Czempinski, Bezug nehmend auf den Abiturstreich der vergangenen Woche in humorvoller Weise die anwesenden Schüler, Eltern, Lehrer und die geladenen Gäste. Im Anschluss hieß auch Schülersprecher Fabian Watzl alle Anwesenden willkommen und betonte, dass es nun für ihn und seine Klassenkameraden an der Zeit sei, Verantwortung zu übernehmen.

Anschließend sprach Bürgermeister Andreas Scheck, stellvertretend für die alle anderen Bürgermeister der Nachbargemeinden seine Grußworte: auch er betonte, wie wichtig es für die jungen Erwachsenen sei, sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen. Gleichzeitig richtete der Bürgermeister Marquartsteins den Wunsch an die Abiturienten, im Anschluss an ihre Ausbildung bzw. ihr Studium wieder in ihre Heimat zurückzukehren.

Die Elternbeiratsvorsitzende, Dr. Sabine Wörnle, verglich in ihrer Rede die Gymnasialzeit mit einer anstrengenden Mountainbiketour, die sich in verschiedene Stadien unterteile, so etwa die Vorbereitung und Planung, in einen anstrengenden Anstieg und eine umso lohnendere Ankunft am Gipfel.

Dr. Dr. Klaus Ständer, Vorsitzender der Altmarquartsteiner, verlieh – begleitet mit herzlichen Glückwünschen - Preise an die besten Schüler dieser Abituria, nämlich Katharina Hillermeier (1,0), Verena Kellermann (1,1), Karolina Weiß (1,1), Elisabeth Wagner (1,3), Fabian Watzl (1,3), Lena Manzenberger (1,4) und Hannah von Bauer (1,4), siehe Foto. Ständer betonte in seiner Ansprache zudem die Bedeutung des Bundes der Altmarquartsteiner und forderte die nun aus der Schule Scheidenden auf, den Kontakt mit Ehemaligen zu wahren.

Auch Internatsleiter Gerd Geigenmüller richtete sich persönlich an den Abiturjahrgang, den er als überaus freundlich und charismatisch charakterisierte. Dabei verwies er deutlich auf den sehr hohen Anteil an Internatsschülern in diesem Jahr: über ein Drittel aller Abiturienten habe das Internat besucht.

Und dass sie sich sowohl im Internat als auch an der Schule überaus wohl gefühlt hatten, bewies die Rede der Abiturientinnen Julia Auer und Lisa Weizendörfer. Zwar waren die jungen Frauen nicht um Kritik verlegen, so bemängelten sie etwa, dass viele der im Lehrplan vorgegeben Inhalte an der Lebenswelt der Schüler vorbeigingen und viel Wissen in kurzer Zeit angelernt, dann aber auch wieder vergessen würde. Doch beschrieben sie in einem zweiten Teil ihrer sehr emotionalen und berührenden Rede die vergangenen acht Jahre, die sie am Landschulheim Marquartstein verbrachten, als durchaus glückliche und erfüllte Zeit.

In Anknüpfung an den Namenstag von Peter und Paul wünschte der Schulleiter den jungen Erwachsenen in seiner Rede, dass sie zum Paulus bekehrt, felsenfest wie Petrus (bewusst als asyndetischer Chiasmus formuliert) sein mögen. Im Anschluss an diesen Vergleich vermied der Altphilologe aber bewusst allzu oft bemühte Patentrezepte und pauschale Empfehlungen. Stattdessen stellte er die Abiturienten in das Erbe zweier historischer Ereignisse bzw. Entwicklungen, die als wirkungsmächtige Traditionslinien in das Jahr 2018 ausstrahlten. Und damit verwies Czempinski auf die Geburt der deutschen Demokratie 1918, die auf Volkssouveränität und Freiheit, auf Partizipation und Gleichheit und natürlich auf den Menschenrechten fuße. Dennoch warnte der Schulleiter davor, diese Güter als Selbstverständlichkeit zu betrachten. Er sehe die Abiturienten in der Pflicht, die Errungenschaften von 1918 auch nach hundert Jahren zu verteidigen und zu wahren.

Im Anschluss ging Czempinski auf die 68-Bewegung ein und mit ihr auf eine Entwicklung, die vor 50 Jahren Werte wie eine zunehmende Demokratisierung, Freiheit, antiautoritäre Erziehung und das Aufbrechen verkrusteter Moralvorstellungen in die Köpfe geschrieben und die Mitte der Gesellschaft getragen habe. In humorvoller Weise unterzog er dann die Abiturienten einem 68-er-Test, um dann aber seine Rede damit zu schließen, dass er versichere, ihm sei nicht bange, wenn er daran denke, dass diese, nun aus der Schule scheidenden jungen Leute an den Schaltstellen der Gesellschaft in Politik, Wirtschaft und Kultur sein würden.

In einer feierlichen Zeremonie wurde anschließend jedem Absolventen sein Abiturzeugnis verliehen, Lateinlehrer Czempinksi ließ es sich nicht nehmen, sich des lateinischen Wortschatzes eines Freisprechung zu bedienen: „Ego vos manumitto!“ Der Schulleiter verabschiedete sich vom ersten Abiturjahrgang seit seinem Amtsantritt im September mit der Aufforderung an die Absolventen, sie sollten hinausgehen in die Welt in dem Bewusstsein, diese freiheitlich, demokratisch, friedlich, menschlich und lebenswert zu gestalten.

Einen feierlichen musikalischen Rahmen verliehen der Veranstaltung Julian Steffl, Stefan Knäusl, und Michael Hiemke mit „Song for my father“ und der Schulchor (ebenfalls unter Leitung von Michael Hiemke) mit einem Festjodler, „Va, pensiero“ aus Verdis „Nabucco“ und dem Schlusslied „ For ever young“.


0 Kommentare