23.10.2017, 14:34 Uhr zuletzt aktualisiert vor

„Erlebnis Bauernhof“ Kuhstall statt Klassenzimmer: Unterricht auf dem Bauernhof


Erlebnisreiches Lernprogramm wurde ausgeweitet

SCHÖFWEG Das erfolgreiche Programm „Erlebnis Bauernhof“ ist ab dem neuen Schuljahr ausgeweitet worden. Wie Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und Bildungsminister Dr. Ludwig Spaenle in München mitteilten, können jetzt alle Schüler von der zweiten bis vierten Grundschulklasse sowie alle Jahrgangsstufen an Förderschulen einen Tag kostenlos auf dem Bauernhof verbringen. „Damit kommen wir dem Ziel immer näher, dass jedes bayerische Schulkind mindestens einmal in seiner Schulzeit einen aktiven Bauernhof besucht und dabei lernt, wie moderne Landwirtschaft funktioniert und wie unsere Lebensmittel erzeugt werden“, sagte Brunner. Seit dem Start des Programms im Jahr 2012 haben bereits über 143000 bayerische Schulkinder einen der dafür eigens qualifizierten Bauernhof besucht.

Einer dieser Erlebnisbauerhöfe liegt in Schöfweg am Fuße des Brotjackelriegels im Bayerischen Wald und die dortige Erlebnisbäuerin Christiane Zeintl war 2010 die erste Erlebnisbäuerin in den Landkreisen Deggendorf, Regen und Freyung/Grafenau. „Damals wollten wir uns ein zweites Standbein aufbauen“, erinnert sich die heute 42-Jährige. „Aber natürlich habe ich mir auch die Frage gestellt, ob das geht bei uns auf dem Land.“ Die Entscheidung, die Ausbildung zur Erlebnisbäuerin zu machen, sei eine reine Bauchentscheidung gewesen und heute, sechs Jahre später, ist Christiane Zeintl immer noch glücklich. „Ich habe noch keinen Tag bereut, diesen Schritt gemacht zu haben. Ich sage immer, Floristin ist mein Beruf, Erlebnisbäuerin meine Berufung.“

Die gelernte Floristenmeisterin ist nicht auf einem Hof aufgewachsen, vielmehr hat sie die Liebe zu ihrem Mann Manfred zur Bäuerin werden lassen. Als dann das dritte Kind zur Welt kam, hat sich die Schöfwegerin entschieden, ihr Blumengeschäft im Ort aufzugeben und sich ganz auf den Bauernhof zu konzentrieren.

Jeder Hof ist eine Schatzkiste

Seit ihrer Ausbildung zur Erlebnisbäuerin sorgen nicht nur die eigenen Kinder für Leben auf dem Hof. Etwa 40 Schulklassen pro Jahr kommen auf den Zeintlhof, um den Bauernhof mit allen Sinnen zu erfahren und zu erlernen. Welche Themenbereiche ein Bauernhof dabei wählt, ist jedem Betrieb selber überlassen. „Ich sage immer, jeder Bauernhof ist ein Schatz und diesen muss man für sich selber finden“, so Christiane Zeintl.

„Von der Kuh zur Milch und Butter“, „Vom Korn zum Brot“, „Kartoffel – die tolle Knolle“ und „Ei, ei, ei wer gackert da“ – das sind die Programme, die Christiane Zeintl für ihren Hof aus der Schatzkiste geholt hat. Für die Förderschulen gibt es noch die „Sinnesreise Bauernhof“.

Bei allen Themenbereichen arbeitet die Erlebnisbäuerin lehrplanorientiert und versucht den Kindern mit Kopf, Herz und Hand, die Themen der Natur näher zu bringen. Im Klartext heißt das, die Kinder graben in der Erde nach ihren Kartoffeln, dürfen in den Kuhstall zum Füttern, sie dürfen an einem Vorführeuter das Melken probieren, Butter schlagen oder Korn zu Mehl mahlen.

Die Kinder sind bei so viel Eigeninitiative natürlich Feuer und Flamme. „Was die Kinder selber ausprobieren und erleben können, bleibt am besten im Gedächtnis“, weiß die Erlebnisbäuerin. Das bestätigen auch immer wieder die Lehrkräfte.

An dem Programm dürfen alle Schüler der zweiten, dritten und vierten Klassen an Grundschulen, alle Jahrgangsstufen an Förderschulen und alle Übergangsklassen aus Bayern einmal kostenlos teilnehmen. Die Kosten übernimmt das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Alle Informationen rund um das Programm „Erlebnis Bauernhof“ findet man unter www.erlebnis-bauernhof.bayern.de.

Und wenn die Schule mal nicht zur Bäuerin kommt, dann kommt Christiane Zeintl auch mal mit der Henne Berta im Gepäck ins Schulhaus. Im Rahmen der Woche für Nachhaltigkeit und Ernährung war sie zum Beispiel gerade erst mit einem Lernzirkel in Zwiesel und in Schöfweg. Auch das ist „Erlebnis Bauernhof“!


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