24.11.2020, 11:18 Uhr

Gemeinsam geht man weit ... 10 Jahre Kinderträume-Ghana


Ein kleines Abenteuer nach dem Abi, endet für drei Freundinnen mit dem Aufbau von zwei Schulen in Afrika

Landkreis/Afrika. 2010 reisten Lisa, Hager, Kathrin Unterbuchberger und Lena Lauschke zum ersten Mal nach Ghana: „Nach dem Abitur haben wir dort als Freiwillige Schulprojekte unterstützt.“ Zurück kamen sie mit dem Wunsch, eine Schule vor der Schließung zu retten. Sie sammelten dafür erste Spenden. 2012 gründeten die drei den Verein Kinderträume-Ghana. Bis dahin liefen die Spendengelder Dank der Pfarrgemeinde Haiming über das dortige Kirchenkonto.

„Wir sind stolz darauf, was wir mit Hilfe aller Spender und unseren Partnern vor Ort geschafft haben“ so die mittlerweile neun „Ghana-Mädels“. „Es ist keine Selbstverständlichkeit für uns, die Hürden und Schwierigkeiten immer meistern zu können. Die komplett andere Lebens- und Denkweise, sowie Kultur lässt uns immer wieder an den Aufgaben wachsen. Man wird aufgefordert über den Tellerrand zu blicken, Toleranz gegenüber fremder Kultur, Lebens- und Denkweisen zu haben und aufeinander zu hören.“

Die Projekte sollen ihre Fixkosten selbst tragen

Die Philosophie von Kinderträume Ghana ist Hilfe zur Selbsthilfe. Die neun wollen erreichen, dass ihre Projekte auf lange Sicht zumindest die normalen Fixkosten selbst tragen können. Sie handeln nach dem afrikanischen Sprichwort:„Alleine geht man schnell, gemeinsam geht man weit.“

Die Chronik der Vereinsarbeit:

2010 reisen Lisa, Hager, Kathrin Unterbuchberger und Lena Lauschke als Volunteers in den roten Kontinent. Begegnungen und Ereignisse vor Ort bewegen die Freundinnen dazu, ein Versprechen zu geben: Sie wollen in Deutschland Geld sammeln, um die Schließung einer Schule mit rund 50 Kindern zu verhindern. Die enorme Spendenbereitschaft bewegt sie dazu, weiter zu machen und davon zu träumen, eine komplette Schule zu errichten.

2011 entsteht die „Gilead Educational School“. Zwei Gebäude, ein Spielplatz und Fußballtore. Rund 150 Schüler werden hier unterrichtet, vom Kindergarten bis Klasse 6, und bekommen täglich eine warme Mahlzeit.

2012 ist der Bau abgeschlossen, die Direktorin hat den Schulalltag fest im Griff. Ans Aufhören denken die drei nicht: „Wir fangen gerade erst an!“ Drei weitere Mädels - Sabrina Hasenkopf, Franziska Stelzl, Chrissi Erber - schließen sich nach einer gemeinsamen Reise den „Ghana-Mädels“ der ersten Stunde an.

„Wir entschließen uns dazu, ein weiteres großes Projekt zu starten, die „Butterfly International School“ in einem Randgebiet der Hauptstadt Accra. Noch während der Reise werden die Pläne konkret und gemeinsam mit unserem ghanaischen Partner Kingsley Nii-Addy kaufen wir ein 2.400 Quadratmeter großes Grundstück.“

In der Bauphase 2013-2014 wird das Fundament für das einstöckige Schulgebäude errichtet und das gesamte Grundstück gerodet. Der Rohbau nimmt Gestalt an, Erdgeschoss, Zwischendecke, erster Stock und Dach. Weiter geht es mit dem Einsetzen von Türen und Fenstern, verputzen der Wände außen und innen. Außerdem wird ein Brunnen gebohrt, um sauberes Trinkwasser zu haben. Das Schulgebäude bekommt einen farbigen Anstrich und Klassenzimmer werden eingerichtet.

Carina Starnecker, Christina Duschl und Franzi Scheiwein schließen sich dem Verein an.

Im Herbst 2014 wird die „Butterfly International School“ feierlich eröffnet - mit 80 Kindern in Krippe, Kindergarten, Klasse 1, 2 und 3.

Eltern von Bedeutung der Schule überzeugt

2015 wird das obere Stockwerk fertig ausgebaut und ausgestattet. Vier weitere Klassenzimmer entstehen. Vor Ort wird viel Arbeit darin investiert, den umliegenden Eltern die wichtige Bedeutung von Schulbildung näher zu bringen und es wirkt, immer mehr Kinder werden an der Schule angemeldet.

2016 wird ein Spielplatz gebaut, der während der Pausen voll genutzt wird. Die Schule wächst, der Plan für ein zweites Gebäude wird konkreter und in die Tat umgesetzt. Ein wichtiger Schritt: Die Kinder sollen nach der Primary School (Klasse 1 bis 6) auch die weiterführende Junior High School/JHS (Klasse 7 bis 9) an der BIS abschließen können.

Das zweite Gebäude entsteht 2017. Der Rohbau samt Dach wird in diesem Jahr fertig.

2018 besuchen 340 Kinder die BIS. Im Herbst 2018 werden die ersten Schüler in die JHS übertreten. Pünktlich werden alle Klassenzimmer fertig und sind ausgestattet. Auch ein Computerraum samt Ausstattung und eine Bücherei werden benötigt.

2019 kaufen die „Ghana-Mädels“ einen Schulbus, um die langen Fußwege der Kinder zu verkürzen und einen pünktlichen Schulbeginn planen zu können. Außerdem können sie fünf Jahre Schulbetrieb an der „Butterfly International School“ feiern . Ein sehr bewegendes Erlebnis für alle - Kinder, Eltern, Lehrer und natürlich für die neun aus Bayern.

Das Jahr 2020 beginnt mit Renovierungsarbeiten. Ein Sturm hatte Teile der Schule stark beschädigt. Auch die Toilettenanlage wurde in Mitleidenschaft gezogen.

Danach erreicht die Corona-Pandemie auch Ghana. Die Schule wird geschlossen, alle Kinder nach Hause geschickt. Der Verein nutzt die Zeit für Reparaturen und Renovierungen. Da während des Lockdowns kein Schulgeld bezahlt wird, erhalten die Lehrer/innen in dieser Zeit ca. 80 Prozent ihres Gehalts - die Spenden-Zuschuss-Teilkosten für die Gehälter trägt der Verein in dieser Zeit weiter.

Jährliche Reise nach Ghana fällt wegen Corona aus

Es wird alles Nötige besorgt, was die Regierung zum Hygienekonzept der Schule vorschreibt. Im September darf die JHS 2 (8. Klasse) wieder geöffnet werden. Alle jüngeren Schüler müssen noch immer zu Hause bleiben. Derzeit bekommen die Schülern ein „Essen To-Go“, das ebenfalls aus Spendengeldern finanziert wird.

Zu ihrem ersten Projekt, der „Gilead Educational School“ stehen die „Ghana-Mädels“ noch immer in Kontakt und helfen wenn nötig. Aber die Schule ist inzwischen zu einem guten „Selbstläufer“ geworden.

„Butterfly International School – give your future wings“ ist das eigene Baby der neun: „Hier entscheiden wir auch bei den operativen Aufgaben mit und bringen unsere Ideen ein.“ Vor der Corona-Pandemie wurden hier ca. 300 Schüler unterrichtet.

„Wir fliegen mindestens einmal pro Jahr nach Ghana, um vor Ort wichtige Entscheidungen treffen zu können. Die jährlichen Reisen gehören für uns dazu und sind uns sehr wichtig. Die Flüge werden aus unserer eigenen Tasche und nicht von Spendengeldern finanziert, außer ein Spender möchte uns explizit bei den Ausgaben für unsere Reisekosten unterstützen“, betonen die engagierten jungen Frauen. 2020 musste diese Reisen wegen Corona leider ausfallen.

Die „Ghana-Mädels“ stehen aber in den Startlöchern: „Sobald es wieder erlaubt und möglich ist, wird ein Teil von uns fliegen. Wir haben Fernweh und vermissen unsere Partner, die inzwischen gute Freunde geworden sind. Wir vermissen die Kinder, einige kennen wir schon seit sechs Jahren und unser tolles Lehrer-Team. Wir haben in Ghana viele tolle Menschen kennenlernen dürfen, die uns inspirieren und zu Freunden geworden sind.“