04.09.2019, 12:32 Uhr

Banker wird Priester? Von einem Mann, der seiner Berufung folgt

Markus Huber mit seiner Bibel, in der er ihm wichtige Stellen mit bunten Klebezetteln markiert. Foto: Latta  (Foto: Christa Latta)Markus Huber mit seiner Bibel, in der er ihm wichtige Stellen mit bunten Klebezetteln markiert. Foto: Latta (Foto: Christa Latta)

Markus Huber (36) ist Banker. Aber sein tiefer Glaube lässt ihn jetzt einen völlig anderen Weg einschlagen

LANDKREIS. Im Sommer 2015 haben wir schon einmal über Markus Huber aus Aschau am Inn und seinen Weg zu Gott berichtet. Damals war er Filialleiter der VR meine Raiffeisenbank Altötting. Bei unserem jetzigen Gespräch ist er noch immer für die Bank tätig, als Bereichsdirektor am Standort Traunreut. Aber nicht mehr lange, denn die Kündigung läuft. Die Tage bis zum Ausscheiden aus dem Bankgeschäft sind gezählt.

Aber wofür gibt der Banker seinen fast bombensicheren Job auf? Das ist natürlich eine längere Geschichte. „Ich wurde in christlicher Tradition erzogen“, beginnt Markus Huber (36). Der Glaube hat ihm durch eine schwierige Phase seines Lebens geholfen. Als erst 17-Jähriger erlebte er in einem Jahr vier Todesfälle in der Familie. „Bis dahin habe ich unbeschwert gelebt, aber dann kam ich zum Nachdenken.“

Er fand Kraft im Glauben und in Gott, konnte die schwere Prüfung annehmen und begann, sein Leben nach der Bibel auszurichten. „Je mehr man nach der Bibel lebt, um so mehr Erfüllung findet man“, hat er für sich festgestellt. „Es ist eine Kernaussage der Bibel: Wer sich an die Gebote hält, wird ein gutes Leben haben.“ Durch sein Lebenstief fand er den für ihn richtigen Weg: „Es passiert nichts ohne Sinn. Man muss auch für Negatives danken.“

Ein Schulfreund empfahl dem Aschauer, charismatische Exerzitien zu machen. „Diesen Ratschlag nahm ich an und das war mein großes Glück“, ist Huber überzeugt. „Dadurch wurden mir die Augen geöffnet.“ „Ihr könnt alle Sorgen auf mich werfen“ und „Wer bittet, dem wird gegeben“, heißt es in der Bibel. Genau das habe er erfahren: „Ich fühlte mich befreit und erleichtert, habe einen inneren Frieden und eine Lebensfreude, die ich vorher nicht hatte.“ Ihm wurde klar, dass er Gott die oberste Stelle im Leben geben muss und will.

Diese Überzeugung lässt ihn jetzt den entscheidenden Schritt wagen. Er beginnt das Studium der Theologie – mit dem Ziel Priester zu werden. In den letzten Wochen und Monaten haben ihn gleich zwei Priester dazu bewegt. „Einer hatte nach Exerzitien in Altötting zu mir gesagt, er habe erkannt, dass ich berufen sei“, berichtet Huber. Diese Aussage hatte ihn damals allerdings erschüttert. Wie sollte das gehen? Das Studium dauert lange, sein Einkommen hatte er auch für Gutes eingesetzt. Das sollte er aufgeben? Er schob den Gedanken beiseite.

„Ich habe Gott um einen Hinweis gebeten

Bis der zweite Pfarrer ihm sagte, er habe ihn im Geist mit Kelch und Priesterstola gesehen. Da die Sehnsucht schon länger vorhanden war, noch mehr für Gott und die Menschen tun zu wollen, entschied er sich für diesen Weg. „Ich habe Gott im Gebet um einen Hinweis gebeten“, sagt er. „Dein Wille geschehe.“ Und er hat Gott nach 20 Jahren bei ein und demselben Geldinstitut gebeten, dass er ihm helfe, die lange Kündigungsfrist abzukürzen. Damit er pünktlich zum Wintersemester mit dem Studium beginnen kann. Und siehe da, der Bankvorstand regelte Hubers Nachfolge sehr schnell und entließ ihn früher aus dem Vertrag. Im Oktober wird er an der Hochschule in Heiligenkreuz im Wienerwald sein Vorbereitungsjahr für das 10-semestrige Studium beginnen.

Er ist entschlossen, mit Gottes Hilfe seinen Weg als Priester zu gehen. Auch der Zölibat erscheint ihm als sinnhaft. „Ein Priester ist Seelsorger, soll für die Menschen da sein und Gott dienen. Da bleibt keine Zeit für eine eigene Familie.“ Die Kirchensteuer würde er am liebsten abschaffen. Gott und das Heil der Menschen würden wieder mehr in den Mittelpunkt rücken - die Kirche schneller schrumpfen, aber authentischer und anziehender werden.

Dass die Kirche im Ansehen der Menschen nach Missbrauchsskandalen etc. nicht gut da steht, ist ihm bewusst, aber er will einen Beitrag leisten, dass den Menschen wieder der richtige Weg aufgezeigt wird und dafür ist die von Gott geschaffene Kirche unabdingbar.

„Ich will es weitertragen, dass das Geschenk des Glaubens zu einem erfüllten Leben führt. In unserer vom Zerfall geprägten Gesellschaft brauchen wir Gott. Er will jeden Menschen von seinen Problemen frei machen.“ Jeder sollte täglich –wie er selbst – in der Bibel lesen und mit Gott über den Tag sprechen: „Das kann vieles zum Positiven wandeln!“

Er selbst sei ein eher in sich gekehrter Mensch gewesen. Jetzt will er Gott helfen, dass er selbst und damit die Liebe wieder in das Leben und in die Herzen der Menschen einzieht. Der vor ihm liegende Weg erscheint ihm lang und prüfend. Aber: „Alles was gut ist, kostet auch Mühe. Gott wird mich für diesen Weg ausstatten.“

Er ist zuversichtlich: „Am von Gott vorgesehenen Platz kann man am meisten Frucht bringen.“

Per E-Mail ist Markus Huber erreichbar unter MarkusMarkus.web@web.de


0 Kommentare