12.04.2018, 09:47 Uhr

Nach sieben Tagen am Ziel Schüler überqueren die Alpen - „Ein Kampf gegen sich selbst“


Schule ist nur stures Auswendiglernen? Von wegen. Auf dem Stundenplan des P-Seminars Geografie der 12. Klasse des König-Karlmann-Gymnasiums Altötting stand „Alpenüberquerung“

ALTÖTTING. Von 22. bis 28. September 2017 setzten die im Durchschnitt 18-jährigen Mädels und Jungs ihr Projekt „Gipfelstürmer“ in die Tat um. Die vierzehn Schüler überquerten in sieben Tagen die Alpen – begleitet von zwei Lehrern.

Bestens ausgerüstet ging es von Hinterbrand (Berchtesgaden) über 70 Kilometer bis Taxenbach in Österreich.

„Der Aufwand für eine Alpenüberquerung ist viel größer, als man erst denkt“, erzählt Marco Holzinger, einer der Teilnehmer. „Die Route muss ausgearbeitet werden, wir brauchten Kleinbusse für die An- und Abreise und Fahrer, mussten Übernachtungsplätze in Hütten suchen und buchen, die Ausrüstung zusammenstellen und uns körperlich auf die Tour vorbereiten.“

Duschen und Semmeln waren seltener Luxus

Doch auch die perfekteste Planung hilft nichts, wenn einem das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht. „Wegen Lawinengefahr blieben wir gleich zwei Nächte auf der ersten Hütte, dem Carl-von-Stahl-Haus auf 1.636 Meter Höhe“, so Marco. Weil die Tour geändert wurde, mussten auch die Nächte drei und vier umgebucht werden – „Ein echtes Buchungschaos!“

Den Funtensee, den viele nur als Kälterekord aus Wetterberichten kennen, haben die Schüler im Nebel gesehen und dort im Kärlingerhaus Rast gemacht. Die letzte Nacht der Tour verbrachte die Gruppe auf 2.117 Meter Höhe im Statzerhaus auf österreichischem Gebiet – mit Blick vom Hohen Kaiser bis zum Dachstein, aber ohne Duschen.

Die Routenpläne, ein Tourtagebuch, Hüttenbeschreibungen, Fotos und einiges mehr haben die Schüler in einer Broschüre zusammengestellt. Zwei Seiten darin nimmt allein die Packliste ein – mit Posten wie Zip-off-Wanderhose, Funktionsunterwäsche, Wandersocken, Grödel (Steigeisen für Eis und Schnee), Ohrstöpsel gegen Schnarcher, Blasenpflaster, usw.

Ein 18. Geburtstag der etwas anderen Art

Einen unvergesslichen 18. Geburtstag erlebte Niklas. Im Reisetagebuch heißt es dazu: „Ein Geburtstag, der etwas anderen Art. 6.15 Uhr: Aufstehen; 6.30 Uhr: Frühstück; 6.45 Uhr: Bieseln; 7 Uhr: abmarschbereit vor der Hütte. Und dann: Acht Stunden wandern.“ Nach einem fünfstündigen Aufstieg mit Regen gab es erst am Abend ein Stück Kuchen für das Geburtstagskind.

Trotz der Wanderstrapazen blieb auf dem Weg auch mal Zeit für einen Schneeball-Wurfwettbewerb. Die Hüttenabende wurden für Spiele genutzt. Eine heiße Dusche oder frische Semmeln zum Frühstück am sechsten Tag der Tour waren für die Oberstufler der pure Luxus.

„Der Stolz, unser Ziel erreicht und die körperliche Anstrengung überstanden zu haben, ist ein unbeschreibliches Gefühl“, sind sich die Schüler einig. „Es war einer der besten Momente in unserer Oberstufe.“


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