Fernsehen

Wenn für Fans Fiktion zur Realität wird

09.07.2017 | Stand 07.01.2021, 22:31 Uhr
pp
−Foto: n/a

Immer wieder werden Schauspieler von unbeliebten Film- und Serienrollen in der Realität auf offener Straße für ihre fiktive Rolle angefeindet. Das hat einen Grund, sagt Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher.

DEUTSCHLAND In der beliebten US-Fernsehserie "Game of Thrones" spielte der Schauspieler Jack Gleeson die unbeliebte Rolle des sadistischen Königs Joffrey Baratheon und zog dabei die Wut und den Hass der Zuschauer auf sich. Nachdem der Schauspieler etliche Drohungen und Hassbriefe erhalten hatte, trieb es ihn soweit, dass er seine Schauspielkarriere an den Nagel hing und seither etwas anderes macht. So wurden seine eigentlich ausgezeichneten Schauspielkünste in die Realität übertragen und aus Fiktion wurde Wirklichkeit. 

Kein Einzelfall, meint die Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Im Gegenteil, sie sagt sogar, dass besonders realistische Serien, die über lange Zeit ausgestrahlt werden, die Zuschauer die fiktive Welt als wirkliche Welt wahrnehmen lässt. Dabei sagt sie weiter, dass für die Dauer der Serie die Zuschauer einen "Fiktionspakt" eingehen und die Schauspieler als die von ihnen dargestellte fiktive Person wahrnehmen. Dabei sprechen die Fans die Schauspieler auf offener Straße oft mit ihren Seriennamen an und tun so, als wäre die gezeigte Handlung auch in der Realität so geschehen. 

Bleicher sagt gegenüber der Süddeutschen Zeitung: "Auch Irene Fischer, die in der Lindenstraße die Anna Ziegler spielt und in dieser Rolle eine Affäre begann, wurde von einer Marktfrau boykottiert mit den Worten: 'Ehebrechern verkaufen wir nichts!'". Dabei soll es vor allem Frauen treffen, da diese von der Gesellschaft anders bewertet als Männer.  

Regensburg