Sanierung

Über 100 Jahre Ostheim: Vom Lazarett zum modernen Wohnungsbau

08.07.2017 | Stand 06.01.2021, 1:31 Uhr
pm / va
−Foto: n/a

Nach Abschluss der aufwendigen Renovierungsarbeiten erhielt das Ostheim wieder eine neue Glocke. „Im Ostheim sollen wieder Glocken läuten“ wünscht sich Johann Renner, der seit 2002 Besitzer des schlossartigen und geschichtsträchtigen Gebäudes ist.

REGENSBURG Im Rahmen eines Sommerfestes feierten Freunde und Nachbarn von Johann Renner zusammen mit Stadträtin Bernadette Dechant und dem neuen Nachbarn Martin Schmack die gelungene Sanierung des Zwölfers im Ostheim, das musikalisch mit zünftigen Klängen der Musikkapelle „d´ Wadlbeißer“ umrahmt wurde. Auf alten Postkarten und Fotos sah der jetzige Hausbesitzer einen Glockenturm und forschte nach diesem und vor allem nach dem Verbleib der Glocke. Seit Mai dieses Jahres gibt es einen neuen Glockenturm mit Glocke und der Eigentümer verspricht, diese wird bei ganz besonderen Tagen sicher wieder läuten.1905 erbaut, diente die Siedlung ursprünglich als Wohnanlage für die Arbeiter in der Regensburger Zuckerfabrik. „Das Ostheim“, so schlicht und treffend hat der Magistrat 1905 die „Arbeiterkolonie“ genannt. Das Ostheim waren einst zwölf Hausnummern, zwei Waschhäuser, der braune Schlackenberg, die VfR-Baracke, die Gärten und Kartoffelfelder der Zuckerfabrikler, das Gleisdreieck und der alles durchdringende süßliche Sirupgeruch bis weit nach Weihnachten aus dem niedrigen Backsteinkamin.

Das Ostheim verdankt seine Existenz dem deutsch-böhmischen Ritter von Klaude, erster Direktor der 1889 gegründeten Zuckerfabrik, die er für die böhmischen Saisonarbeiter erbauen ließ. Fürst Albert hat 1912 für ledige Fabrikarbeiterinnen den „Zwölfer“ als Ledigenheim nach Plänen seines Oberbaurats Max Schultze errichten lassen. Dieses Gebäude diente nie seinem eigentlichen Zweck und stand infolgedessen meistens leer. Später ging der ganze Gebäudekomplex mit der Bayerischen Zuckerfabrik in Fürstlich Thurn und Taxischen Besitz über.

Eine der ersten traurigen, aber notwendigen Erscheinungen des 1. Weltkrieges waren die Feldlazarette. Fürst Albert von Thurn und Taxis, der wie seine Gemahlin überall dort war, wo es galt, Not und Elend zu lindern, hat deshalb einen Entschluss gefasst, ein solches Heimatlazarett auf eigene Kosten errichten zu lassen. Vom 23. September 1914 bis Kriegsende legte Fürstin Margarete dort eigenhändig die Wundverbände an. Erbprinz Franz-Joseph assistierte. Bis 1920 waren Zuckerfabrik und Arbeiterkolonie „fürstlich“. Die Ostheimer, ob Meister oder Wochenlöhner waren so „ihrer Fabrik“ immer nahe. In den 50er und 60er Jahren blätterte zwar gewaltig der Putz von den Fassaden. Doch dahinter lebte man nie schlecht. Keiner musste hungern. Dafür sorgten die 30 Meter Feld und Garten, den jeder Einwohner sein eigen nennen durfte, bis er in Rente ging. Auch Kleintiere gediehen in den Hinterhöfen. Die Zuckerfabrik bescherte Wochenlöhnern fast schon fürstliche Privilegien. Miete, Kohlen, Wasser und Strom waren gratis.

Die Idylle Ostheim ist ein versunkenes Kapitel Regensburger Stadt-Geschichte. Das Ostheim liegt zwischen Candis, Gleisdreieck und Ostumgehung und hat sich seine keine grüne Oase erhalten. Das Terrain wurde Ende der 70er Jahre an Wohnbau-Gesellschaften verkauft, entstanden sind Reihenhäuser und Eigentumswohnungen.  

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