Spendenaktion

Tierschützer aus Regensburg retten Hunde aus Sardinien

06.07.2020 | Stand 10.01.2021, 19:02 Uhr
Kathrin Lechl
−Foto: n/a

Circa 300 Hunde versucht der Regensburger Tierschutzverein „SardinienHunde“ derzeit deutschlandweit zu vermitteln. Die aktuell größte Herausforderung dabei ist – wie im Moment wohl überall – die Corona-Krise. Im Tierheim in Sardinien, das der Verein betreut, gibt es zur Zeit eine extreme Überfüllung, kein einziger Hund wird derzeit adoptiert und Futter sowie Medikamente werden knapp. Viele Hunde könne außerdem wegen Erkrankungen gar nicht vermittelt werden.

Regensburg. Tobias Werner ist Naturwissenschaftler und Mitglied des Vorstands des seit fünfeinhalb Jahren bestehenden Vereins „SardinienHunde“. Zusammen mit den anderen Mitgliedern steht er in Kontakt zu Tierschützern auf Sardinien und verbringt auch persönlich mehrere Wochen im Jahr auf der Insel. Werner kümmert sich zum Beispiel um Lieferungen und die Dokumentation von Vermittlungen und Hundepatenschaften. Außerdem leistet er wichtige Aufklärungsarbeit vor Ort und in Deutschland. Hunde auf Sardinien leiden oft an Mittelmeererkrankungen wie zum Beispiel der sogenannten „Braune Hundezecke“ – eine Reihe der Erkrankungen kann auf den Menschen übertragen werden. Die Besitzer adoptierter Hunde oder Sardinien-Urlauber mit Hunden darüber aufzuklären, ist Werner ein großes Anliegen.

Wer als Tourist auf Sardinien einen streunenden Hund entdeckt, ruft im besten Fall die „Rettungstelefonnummer“ an und meldet das Tier dem Verein. Der Hund wird dann in ein Tierheim gebracht, medizinisch versorgt, durchgeimpft und bekommt eine Parasitenprophylaxe. Im Gegensatz zu anderen Ländern, wie Spanien oder Rumänien, sind Tötungsstationen in Italien verboten, erklärt Werner. Doch auch in den Hundelagern in Italien, den sogenannten „Canili“ haben die heimatlosen Tiere ein katastrophales Leben und keinerlei medizinische Versorgung, erklärt der Naturwissenschaftler. Der Verein „SardinienHunde“ will dagegen kämpfen und sucht deshalb private Pflegestationen.

Im Internet unter www.sardinienhunde.org gibt es ausführliche Beschreibungen der zu vermittelnden Hunde und Welpen. Interessenten melden sich beim Verein und ein „langer Weg der Vermittlung“ beginnt, so Werner. Denn bei „SardinienHunde“ lege man sehr großen Wert darauf, dass alles passt und alle Infos ausgetauscht werden. Erst wenn nach einem ausführlichen Telefonat, einem Fragebogen und einem Vorbesuch wirklich alles harmonisiert, darf der Hund ausreisen. Der Verein organisiert dabei die komplette Ausreise, die entweder per Flugzeug – das Tierheim liegt direkt am Flughafen – oder per Landtransport mit der Fähre erfolgt. Auch Pflegestellen werden vermittelt, „wenn jemand den Hund vorher sehen will“, erklärt Werner. „Wir haben uns verpflichtet, keinen einzigen Hund in ein deutsches Tierheim zu stecken“, erklärt das Vorstandsmitglied das Ziel von „SardinienHunde“, der Verein habe auch gar kein Tierheim in Regensburg, sondern alle Tiere werden ausnahmslos an private Pflegestellen vermittelt oder adoptiert.

Wer nicht unbedingt gleich einen Hund adoptieren, jedoch trotzdem gerne helfen will, hat noch bis Donnerstag, 9. Juli, die Möglichkeit zu spenden. Unter dem Motto „Futter für die Vergessenen“ sind Tierfreundinnen und Tierfreunde dazu aufgerufen, im Internet unter www.sommerloch-tierschutz.de gemeinsam die Futter-Vorräte der Tierheime – unter anderem das Tierheim „I Fratelli Minori“ im italienischen Olbia, das von „SardinienHunde“ unterstützt wird – rechtzeitig aufzufüllen. „Viele Hunde, die im Sommer aufgefunden werden, sind extrem dehydratisiert. Das Aufpäppeln der häufig sehr kranken Tiere ist sehr zeitaufwendig,“ berichtet Werner. Viele Vierbeiner sind abgemagert, verletzt oder krank. „Damit alle Vierbeiner ausreichend versorgt werden können, brauchen wir 3.500 Kilo Futter pro Monat“, erzählt Werner. Bei ihrer wichtigen Arbeit sind die Tierschützer von der Unterstützung durch Tierfreunde abhängig. Doch der Sommer ist die Jahreszeit, in der durchschnittlich am wenigsten gespendet wird, bemerken viele Tierheime.

In diesem Jahr sei zudem damit zu rechnen, dass die Futternot der heimatlosen Tiere als Folge der Corona-Krise weiter steigt. Touristen bleiben aus, Hotels und Restaurants versiegen als Futterquellen für Streuner. Werner befürchtet: „Touristen melden Notfälle, wenn sie welche auffinden. Das fällt jetzt komplett weg! Notfälle werden nicht gefunden und verhungern und verdursten.“ Die Tierheime müssen sich zudem auf steigende Futterkosten einstellen, da in der derzeitigen Situation kaum Tiere vermittelt und gleichzeitig vermehrt Haustiere ausgesetzt werden. Ziel der Aktion ist es, neun Lkw mit Futterspenden zu füllen.

Über die aktuelle Situation auf der Insel, über dringende Hilfsprojekte sowie Spendenaufrufe informiert „SardinienHunde“ im Internet unter www.facebook.com/SardinienHunde und www.twitter.com/SardinienHunde.

Regensburg