„Verein des Monats“: der AC Landshut

Speedway mit solider und familiärer Note

30.08.2018 | Stand 09.01.2021, 0:59 Uhr
Ulrike Aigner
−Foto: n/a

Erfolgsrezept für Profis und Nachwuchs: Der AC Landshut ist erfolgsorientiert, bodenständig – und neuer „Verein des Monats“, einer gemeinsamen Aktion der VR-Bank Landshut und des Wochenblatts.

LANDSHUT Für Rekorde ist dieser Verein immer gut. Auf der Homepage steht in großen Buchstaben: Deutscher Rekordmeister. Mit 18 Titeln ist er also ein sportliches Flaggschiff für Landshut. Rekordverdächtig ist auch die ehrenamtliche Präsenz, wenn sechs bis acht Mal im Jahr die Großveranstaltungen steigen. Dann wirken vor und hinter den Kulissen mehr als 110 Ehrenamtliche mit, ein ziemlich einmaliges Engagement für eine aufwändige Sportart. Der AC Landshut verkörpert Speedway mit einer soliden und familiären Note. „Wir sind erfolgsorientiert. Aber Erfolg um jeden Preis – nein!“, sagt Geschäftsführer und 2. Vorsitzender Gerald Simbeck.

Der Lohn für eine stimmige Philosophie ist die Kür zum vierten „Verein des Monats“, einer gemeinsamen Aktion der VR-Bank Landshut und des Wochenblatts. Mit dieser Idee wollen die VR-Bank Landshut und das Wochenblatt das ehrenamtliche Engagement in den Vereinen unterstützen und fördern.

Die Sportart Speedway hat mit dem Bundesligateam und den vielen Titeln in Landshut einen klangvollen Namen: Rennen mit Motorrädern ohne Bremsen – abgebremst wird quasi mit der Wegnahme des Gases – und Methanol als Kraftstoff.

Rekordverdächtig ist auch die Länge des Vereinsnamens: „Automobilclub Landshut e.V. im ADAC“. Dies hat mit der Historie des Vereins zu tun. 1922 wurde der ACL aus einer losen Verbindung von Landshuter ADAC-Mitgliedern gegründet. Im gleichen Jahr fand bereits eine Berg- und Flachprüfungsfahrt auf der neuen Bergstraße für Personenwagen und Motorräder statt.

Genau 30 Jahre später wurde die Sandbahn im Hammerbachstadion, heute die Heimat der Turngemeinde und der Spielvereinigung Landshut, eröffnet: 12.000 Zuschauer, mitten im Herzen von Landshut, waren keine Seltenheit. Seit 1974 hat Speedway im Stadion Ellermühle seinen Platz, das heute den Namen One Solar Arena trägt. Wenn die Motoren dröhnen, dann werden die Speedwayfahrer „Teufel“: Sie gehen als AC Landshut Devils an den Start.

Viele Geschichten aus dieser langen Zeit weiß auch der 1. Vorsitzende Christian Schmid. „Ich kenne den ACL von Kindheit an“, erzählt der Landshuter Rechtsanwalt. Weil sein Vater schon beim ACL aktiv war, kam die Familie oft zum Zuschauen beim Speedway mit. Vor sechs Jahren übernahm er den Vorsitz des 300 Mitglieder starken Vereins.

In seinen Gremien ist der AC Landshut ehrenamtlich breit und mit viel „Know-how“ aufgestellt. Auch wenn Gerald Simbeck als 2. Vorsitzender „Geschäftsführer“ ist, dann ist auch das Ehrenamt. Jeder der Ehrenamtlichen bringt sich mit seinem Wissen sein, wenn es um den Markt der Speedwayfahrer geht. „1.500 Kontakte sind hier drin“, sagt Simbeck und klopft auf sein Handy, „davon allein 300 Fahrer“.

Angestellt ist beim ACL keiner von ihnen. Die Top-Fahrer der Speedway-Szene fahren 60 bis 80 Rennen im Jahr, sind oft jede Woche in den vielen ausländischen Ligen wie in Polen unterwegs. „Dort verdienen viele von ihnen ihre Brötchen“, sagt Simbeck. Der Start bei den Landshuter „Devils“ beschert vergleichsweise einen bescheidenen Obolus.

Warum so Top-Fahrer wie der Teamkapitän und bayerische Lokalmatator Martin Smolinski oder der Däne Leon Madsen seit vielen Jahren gerne in der Mannschaft für Landshut auf Titeljagd gehen? Von den Fahrern hören Christian Schmid und Gerald Simbeck immer wieder die gleichen, auch guten Argumente: der nicht vorhandene Druck, das familiäre Umfeld und die ehrliche Sympathie der Landshuter Fans.

Gerald Simbeck spricht von einer Vision, an der der ACL seit langem festhält: Top-Fahrer der Szene langfristig an das Team zu binden und somit eine Identifikation für die Landshuter zu schaffen. „Die Konstanz ist uns wichtig.“ Christian Schmid gefällt beim Speedway noch etwas anderes: „Es gibt nicht die verbissene Bindung zu einem einzelnen Verein. Das Wichtigste ist der Sport. Jeder fiebert mit dem anderen mit.“

Das Herz der Vereinsverantwortlichen schlägt besonders auch für den Nachwuchs. Es gibt Schnuppertrainings für Kinder ab sechs Jahren. Zwei Nachwuchsmannschaften sind für die Landshuter Farben auf Tour: eine im sogenannten ADAC-Bayerncup, einer Rennserie mit bayerischen Mannschaften zur Förderung des Nachwuchses, die zweite im Team-Cup (2. Liga), die quasi der Unterbau für das Bundesliga-Team ist.

Ein „Herzenswunsch“, den die sich bewerbenden Vereine bei der Aktion „Verein des Monats“ benennen können, kommt beim ACL daher nicht von ungefähr: „Zwei eigene Motorräder, um so den Ein- bzw. Umstieg für die nächst höhere Nachwuchsklasse den Kids ermöglichen zu können. Wir wollen künftig noch mehr in die Nachwuchsförderung investieren“, betont Simbeck.

Das Engagement des Vereins kommt auch beim ADAC hervorragend an: „Der AC Landshut ist einer unserer Vorzeige-Ortsclubs“, sagte vor kurzem Dr. Gerd Ennser, der Vorsitzende des ADAC Südbayern, als er einen Förderscheck übergab. Denn der AC Landshut muss viele internationale Vorschriften und Sicherheitsstandards erfüllen, um im Stadion Rennen durchführen zu dürfen. Sicherheit steht also ganz oben an. Daher investiert der Verein hier viel Geld, das vor allem auch aus dem Erlös der Speedway-Großveranstaltungen kommt.

Höchst aktiv ist der Ortsverein des ADAC bei vielen Aktionen rund um die Verkehrssicherheit für Schüler. Dazu gehört das Projekt „Hallo Auto“ des ADAC Südbayern, bei dem Schüler der 5. und 6. Jahrgangsstufe auf einem Straßenzug auf dem Landshuter Messegelände den Zusammenhang zwischen Reaktionszeit und Bremsweg eines Autos kennenlernen. Eine weitere Aktion ist die Verteilung von Warnwesten für Schüler. Auch als Berater in Sachen Verkehrswesen ist der ACL bei der Stadt Landshut gefragt.

Die Bewerbungen für den „Verein des Jahres“ gehen natürlich weiter. Mitmachen können alle Clubs, eingetragene und nicht eingetragene Vereine, gemeinnützige, soziale und kulturelle Einrichtungen. Das Prozedere ist einfach: Das Teilnahmeformular kann auf der Homepage der VR-Bank Landshut (www.vrla.de) heruntergeladen werden. Die kreative Bewerbung – mit einem Foto oder Kurzfilm – einsenden an die E-Mail-Adresse verein@wochenblatt.de. Alle eingesendeten Teilnahmebögen bleiben über den kompletten Kampagnenzeitraum im „Topf“ und werden von einer wechselnden Jury gesichtet und bewertet.

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