Aufregung am Gymnasium

Schimmel am HCG: Personalrat schlägt Alarm

09.07.2017 | Stand 07.01.2021, 6:02 Uhr
Alexander Schmid
−Foto: n/a

Das Schimmelproblem (Foto: nasse Barrenbuchse in der Turnhalle) am Hans Carossa Gymnasium beunruhigt die Lehrer massiv. In einem Brandbrief des Personalrates an die Schulleitung ist sogar von gesundheitlichen Problemen die Rede. Reagiert die Stadt zu zögerlich?

LANDSHUT Wurden und werden Schüler und Lehrer des Hans-Carossa-Gymnasiums viel zu lange einer zu hohen Belastung durch Schimmelsporen ausgesetzt? Reagiert die Stadt viel zu zögerlich auf das Problem? Erst vor knapp zwei Wochen wurde die Turnhalle geschlossen, nachdem eine bedenkliche Sporen-Konzentration festgestellt worden ist. Ärger gibt es seit langem aber auch in einem anderen Gebäudetrakt des Gymnasiums, der ehemaligen Realschule. Einzelne Lehrkräfte klagen nach Unterrichtsstunden dort „sogar über gesundheitliche Probleme.“ Das geht aus einem Schreiben des Personalrats vom 15. Januar an Schulleiter Bernhard O’Connor hervor, das dem Wochenblatt vorliegt und in dem die Lehrerschaft Druck macht.

Viele Kollegen würden zudem über deutlich riechbaren Schimmel in dem Gebäudetrakt klagen, heißt es weiter in dem Schreiben. Messungen, die im Dezember durchgeführt worden seien, hätten in der alten Realschule zudem die Schimmelbelastung abermals bestätigt. „Auch hier scheint der Sachaufwandsträger seit mehreren Jahren das Problem nicht in den Griff zu bekommen“, so der Vorwurf des Personalrates. Gemeint ist damit die Stadt Landshut, die sich bereits von Stadtrat und Elternbeirat Rudi Schnur (CSU) den Vorwurf gefallen lassen musste, im Fall des feuchten Turnhallenbodens zu zögerlich gehandelt zu haben.

Tatsächlich war der Sportbetrieb in der Sporthalle, nachdem das Problem mit der Feuchtigkeit im Boden bekannt geworden ist, lange ganz normal weitergelaufen. Von jahrelang laufenden Trocknungsmaßnahmen ist jedenfalls auch im Schreiben des Personalrates die Rede. Fast schon kurios: Eine Probe, die die mit der Trocknung des Bodens beauftragten Firma von der durchfeuchteten Isolierwolle im Boden genommen hatte, war angeblich komplett frei von Schimmel. In einer zweiten Probe, die Schnur genommen und an das Regensburger Spezial-Labor Friedle geschickt hatte, wurde dann plötzlich eine Keimzahl von mehr als fünf Millionen in einem Gramm festgestellt. Die Turnhalle wurde daraufhin geschlossen.

Wer waren die Männer in den Schutzanzügen?

Aufklärung wollen die Lehrer in diesem Zusammenhang auch über einen anderen Sachverhalt: „Wir bitten um Stellungnahme, warum vor einigen Jahren in der Turnhalle Personen in Schutzanzügen zu sehen waren. Wurde eventuell auch noch eine Asbestbelastung festgestellt?“ Und weiter: „Wir fordern daher ebenso ein Gefahrengutachten zu einer möglichen Asbestbelastung, welche insbesondere auch eine Untersuchung des immer noch vorhandenen Baustaubs mit einschließt.“

Zumindest die Sorgen der Lehrer in Bezug auf das ehemalige Realschulgebäude scheinen wohl nicht grundlos. Zwar sind dort mittels einer „Ozonisierung“ zweimal alle Sporen in der Luft abgetötet worden, nachdem bereits im Herbst 2013 auch hier eine zu hohe Schimmelbelastung festgestellt worden ist. Das eigentliche Problem, die Ursache, wurde damit aber nicht beseitigt. Auch trug die Maßnahme nicht gerade zur Beruhigung der Lehrkräfte bei.

„Viele Räume riechen trotz der Maßnahme weiterhin nach Schimmel“, heißt es in dem Schreiben des Personalrates. Außerdem würden die letzte Messung und die danach nötige Maßnahme zeigen, dass Schüler und Lehrer zum wiederholten Male für mehrere Monate dem Schimmel ausgesetzt gewesen seien. „Diese Gesundheitsgefährdung ist nicht mehr hinnehmbar“, so der Personalrat an den Schulleiter.

Laut Auskunft von Baureferatsleiter Johannes Doll werde jetzt ein Bauphysiker beauftragt, der feststellen soll, woher die Feuchtigkeit in den Wänden, die Ursache des Schimmels in dem ehemaligen und denkmalgeschützten Realschulgebäude, komme.

Bis dahin läuft der Unterricht in dem Gebäudetrakt aber ganz normal weiter. Laut dem stellvertretenden Schulleiter Markus Heber würden dort aber keine dauerhaften Klassen unterrichtet. Der Personalrat hat aber offenbar keine Geduld mehr. Zitat aus dem Brief: „Diese Gesundheitsgefährdung ist nicht mehr hinnehmbar.“

Kommentar:

Nein, ich will jetzt nicht über Sinn und Unsinn der Neustadtumgestaltung reden. Und eigentlich will ich auch nicht eine Investition gegen die andere aufrechnen. Schließlich hat jeder Cent, den die Stadt ausgeben will, irgendwie seine Berechtigung. Trotzdem muss sich die Stadtverwaltung schon fragen lassen, ob sie die Angelegenheit mit dem Hans-Carossa-Gymnasium nicht zu sehr auf die leichte Schulter und anderes zu wichtig nimmt. Dass eine Turnhalle wegen einer zu hohen Schimmelbelastung sogar geschlossen werden muss, um eine Gesundheitsgefährdung von Schülern und Lehrern zu vermeiden, das habe ich noch nie gehört. Auch war die Vorgehensweise im Vorfeld hier alles andere als glücklich. Da muss erst ein Stadtrat und Elternbeirat kommen, damit eine vernünftige Analyse vorliegt. Das wirft kein gutes Licht auf die Stadt. Vor allem: Wie lange es diese zu hohe Belastung schon gab, lässt sich jetzt nicht mehr sagen. Unter Umständen waren Kinder, Lehr- und Reinigungskräfte viel zu lange einer viel zu hohen Belastung ausgesetzt. Wäre in der Turnhalle überhaupt noch einmal gemessen worden, hätte es den Druck von Lehrern und Eltern nicht gegeben? Wohl nicht. So etwas darf einfach nicht passieren. Und warum das alles? Seien wird doch ehrlich: Es geht ums Geld. Dass die Turnhalle eine Fehlkonstruktion ist, die eigentlich reif für die Abrissbirne ist, das ist doch bekannt. Eigentlich müsste eine neue her. Bezahlen kann oder will die Stadt das nicht. Ähnlich verhält es sich jetzt in der anderen Schimmelecke der Schule, dem Realschulgebäude. Doch anstatt dort, nach den Erfahrungen mit der Sporthalle, aufzuschrecken und alle Register zu ziehen, doktert man lieber weiter rum. Um das noch mal klar zu sagen: Wenn es um die Gesundheit der Kinder geht, dann darf man nicht aufs Geld schauen. Die Sanierung der Neustadt, die kann noch warten. Bring lieber endlich deine Schulen auf Vordermann, liebe Stadt. Oder soll der Sport-Leistungskurs des HCG in Zukunft seine Runden ums Kriegerdenkmal drehen? Mehr Platz auf den Gehwegen gibt‘s ja jetzt bald.

Landshut