„Magerquark & Birne“

Podcast aus Regensburg thematisiert Essstörung

28.01.2021 | Stand 12.02.2021, 21:58 Uhr
Kathrin Lechl
−Foto: n/a

Manuel Meier dürfte vielen Regensburgerinnen und Regensburgern als Musiker der Band „Ohrange“ und Solokünstler bekannt sein. Was viele jedoch (noch) nicht wissen: Meier litt dreieinhalb Jahre an einer Essstörung. Seine persönliche Geschichte teilt der junge Musiker nun in seinem neuen Podcast „Magerquark & Birne“.

Regensburg. Die Idee dazu entstand während des ersten Lockdowns, als Meier zu einem Gesprächsabend der Beratungsstelle zu Essstörungen „Waagnis“ in Regensburg eingeladen wurde. Dort tauschte er sich mit aktuell an einer Essstörung Leidenden und anderen ehemaligen Betroffenen aus. „Das war so früchtetragend, so ein guter Austausch“, erzählt Meier, dass die Idee in ihm reifte, das Thema für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und seine Geschichte als „Türöffner“ anderen Menschen zur Verfügung zu stellen.

Zunächst sollte daraus ein Buch werden. Doch wie das oft so ist, waren andere Sachen wichtiger. Aber weitergemacht hat Meier trotzdem und wenn er seine Gedanken auch „nur“ in Form von Stichpunkten festhielt. Doch Podcasts haben den Musiker schon immer gereizt und er dachte sich, dass sich das Thema dafür eigentlich gut eignen würde. Gesagt, getan – „Magerquark & Birne“ war geboren. Der Podcast, so Meier, ist für eine vielseitige Zielgruppe gedacht, in erster Linie soll er eine Stütze bieten und Hoffnung wecken.

Das Thema Essstörungen aus der Sicht eines Mannes sei für viele spannend, berichtet Meier, und Krankheiten oder Probleme werden viel zu häufig mit Schwäche verbunden. Dabei sollte genau das Gegenteil passieren und viel mehr darüber gesprochen werden. Nur so könnten Hemmschwellen gelöst werden und das Thema irgendwann kein „No-Go“ mehr sein.

Seine persönliche Erkrankung habe sich total schleichend entwickelt, er habe nie abnehmen wollen, so Meier. Es seien drei sehr intensive Jahre mit der Essstörung gewesen, trotzdem mache es einen Unterschied, ob man die Entscheidung bewusst trifft oder es mehr eine Nebenwirkung ist – wie in Meiers Fall. In der ersten Podcastfolge und im Wochenblatt-Interview erzählt er, dass die Essstörung bei ihm begann, als er mit 18 ausgezogen sei und alleine nicht mehr viel gegessen, geschweige denn gekocht, ja, noch nicht einmal viele Lebensmittel gekauft habe. Magerquark mit Birne – das habe es bei ihm oft gegeben. In den weiteren Folgen geht er näher auf seine persönlichen Erfahrungen ein und berichtet den Hörerinnen und Hörern „vom ständigen Wechsel zwischen eiserner Disziplin und absolutem Kontrollverlust. Von körperlicher Selbstzerstörung und totalem Gedankenkrieg“.

Meier kam erst durch die Unterstützung der Beratungsstelle „Waagnis“ und nach einer Funkstille mit seinem besten Freund und Bandkollegen wieder von der Essstörung weg. Er gibt allen Betroffenen den Rat, darüber zu reden, auch wenn man sich anfangs vielleicht nicht traut. Doch anstatt die Sache mit sich selbst auszumachen, solle man sich besser an Freunde und Familie wenden, „bevor die eigene Gedankenwelt kaputt ist“, so Meier.

Vor allem bei Männern sei das Thema Essstörungen ungewohnter, aber „es ist nichts Schlimmes“ und „das Geschlecht ist eigentlich egal“. Während Frauen sich oft anhören müssen, wie ein Model aussehen und abnehmen zu wollen, bekam Meier von allen Seiten gesagt, dass er zu wenig esse, zu klein oder geschrumpft sei oder dass er wie ein Kind ausschaue. „Für die meisten ist das schwer greifbar, deshalb denkt man automatisch in Schubläden“, versucht sich Meier solche Kommentare zu erklären – und eben mit seinem Podcast dagegen zu kämpfen. Sehr problematisch in der heutigen Zeit sieht er auch Social Media: „Früher hat man das nur im Fernsehen gesehen, jetzt sieht man entsprechende Bilder rund um die Uhr und es wird immer oberflächlicher.“

Der Podcast „Magerquark & Birne“ ist auf iTunes und Spotify zu hören und beinhaltet eine Mischung aus Erfahrungen und Ratschlägen. Meier will „Geschichten erzählen und weniger den erhobenen Zeigefinger zeigen. Denn es gibt keine goldene Regel, da es eine sehr individuelle Krankheit ist“. Geplant ist auch, Gäste einzuladen, sei es sein bester Freund und „zweites Gehirn“ sowie Bandkollege „Basti“, der viele Geschichten erzählen kann, an die sich Meier selbst wegen zu vieler Blackouts gar nicht erinnere, oder Interviews mit Beratungsstellen oder Ernährungsberaterinnen oder Ernährungsberater. Das Hineinhören in „Magerquark & Birne“ lohnt sich – für jede und jeden!

Regensburg