Wichtiger Präzedenzfall gegen illegale Vogeljagd in Italien

Oberste Gerichtshof bestätigte Verurteilung eines Waldrapp-Wilderers

11.07.2017 | Stand 11.01.2021, 4:19 Uhr
wo/pa
−Foto: n/a

Im Oktober 2012 wurden zwei Waldrappe von einem italienischen Vogeljäger in der Provinz Livorno abgeschossen. Im September 2016 wurde der Jäger erstinstanzlich verurteilt, er hat das Urteil aber angefochten. Am 1. Juni hat der Oberste Gerichtshof das Urteil bestätigt und damit einen einzigartigen Präzedenzfall im Kampf gegen die illegale Vogeljagd in Italien geschaffen.

BURGHAUSEN/ITALIEN Der Waldrapp ist eine schon vor 400 Jahren in Europa ausgestorbene Zugvogelart. Weltweit gehört er heute zu den gefährdetsten Vogelarten. Das österreichische Projekt Waldrappteam hat sich zum Ziel gesetzt, wieder eine migrierende Population dieses Ibisvogels in Europa anzusiedeln. Seit 2014 läuft die Wiederansiedlung als europäisches LIFE + Projekt (LIFE + Northern Bald Ibis) mit acht Partnern aus Italien, Österreich und Deutschland. Illegale Jagd ist die größte Bedrohung für die wildlebende Waldrapp-Population, die derzeit aus etwa 70 Vögeln besteht.

Der betreffende Vorfall geschah im Herbst 2012 in der Provinz Livorno. Zwei Vögel, GOJA und JEDI, wurden abgeschossen, als sie sich nur mehr 80 km nördlich ihres Wintergebietes, einem WWF Schutzgebiet bei Orbetello, befanden. Sie gehörten zu den ersten wildlebenden Waldrappen in Europa, 400 Jahre nachdem sie ausgestorben waren. Bisher ist dies der einzige Fall, in dem ein Waldrapp-Wilderer identifiziert und angeklagt werden konnte. In erster Instanz wurde er zu 2.000 Euro Strafe verurteilt und seine Jagdlizenz wurde eingezogen. Mit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs ist dieses Urteil nun endgültig. Dies macht auch den Weg frei für eine zivilrechtliche Schadenersatzklage.

Johannes Fritz, Leiter des Waldrappteam und LIFE + Projektleiter: "Dieses Urteil gegen den Wilderer, das nun vom Obersten Gerichtshof bestätigt wurde, ist eine der größten Errungenschaften in unserem Projekt. Es macht den Waldrapp zu einer “Flagship Species“ im Kampf gegen illegale Vogeljagd. Ein konsequentes Vorgehen gegen diese Umweltkriminalität ist dringend erforderlich, um das Überleben von gefährdeten Vogelarten wie dem Waldrapp zu gewährleisten."

Der Fall von GOJA und JEDI erregte viel öffentliches Aufsehen. Auch die italienischen Jagdverbände wurden sensibilisiert. Der verurteilte Wilderer war Mitglied des größten italienischen Jagdverbandes. Nicoletta Perco, italienische LIFE + Koordinatorin: "Diese nachweislichen Fälle von Wilderei schaden dem Ansehen der Jagdverbände und gefährden deren Interessen. Wohl insbesondere deshalb erhalten wir mittlerweile auch von italienischen Jagdverbänden wichtige Unterstützung bei der Wiederansiedlung der Waldrappe."

Trotzdem wurden im Herbst 2016 weitere fünf Waldrappe in Italien illegal abgeschossen. Das zeigt die Wichtigkeit und Aktualität des Urteils. J Fritz: Gemeinsam mit unseren Partnern bemühen wir uns intensiv, weitere Täter zu identifizieren und anzuzeigen. Dazu gehören die Einrichtung und Schulung einer Einsatztruppe entlang der Migrationsroute in Italien ebenso wie die Entwicklung von technischen Geräten, die uns im Falle von Abschüssen sofort die Position des Vogels übermitteln. Wir setzen uns aber auch für gesetzliche Änderungen ein, um beispielsweise die Möglichkeit zu verhindern, dass ein Täter das Verfahren durch Zahlung einer geringfügigen Strafe vermeiden kann.

Im Mai 2017 wurde von den italienischen Behörden ein Nationaler Aktionsplan zur Bekämpfung von Straftaten gegen Wildvögel veröffentlicht. Die Umsetzung dieses Aktionsplans deckt sich mit den Interessen und Initiativen des LIFE+ Projektes. J Fritz: Die gegenwärtigen Erfolge und die gemeinsamen Initiativen gegen die Vogelwilderei sind ein wichtiger Beitrag, um das Überleben der Waldrappe und anderer bedrohter Vogelarten nachhaltig zu sichern; gemäß dem Motto des LIFE+ Projektes „Reason for Hope“ gibt es Grund zur Hoffnung.

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