Geld

Neutraublinger Familie ist reicher als der Fürst von Thurn und Taxis!

08.07.2017 | Stand 06.01.2021, 14:27 Uhr
Christian Eckl
−Foto: Foto: Isa Foltin

Albert von Thurn und Taxis ist laut Bilanz-Liste 500 Millionen Euro schwer. Dabei wurde er schon mal auf 1,6 Milliarden geschätzt. Was ist passiert?

REGENSBURG Dass Reichtum nicht alles ist, das weiß die Menschheit spätestens seit den Griechen: Weil ihm der Gott Dionysos noch einen Gefallen schuldete, wünschte sich König Midas, dass alles zu Gold werde, was er anfasst. Das Funkeln in seinen Augen verging ihm schnell, als er merkte, dass jede Scheibe Brot und jedes Glas Wasser zu Gold wurde und er zu verhungern und verdursten drohte. Die Götter waren einsichtig und befreiten ihn schließlich von dem Fluch – die Moral von der Geschicht‘: Geld allein hilft einem nicht.

Dennoch geht die Schere zwischen Arm und Reich in diesem Land immer weiter auseinander – übrigens klafft sie seit Jahren deutlicher als in Ländern wie Griechenland oder Italien. Im Jahr 2012 verfügten die Deutschen über 6,3 Billionen Euro – das Durchschnittsvermögen lag dennoch nur bei 17.000 Euro. Sieben Prozent der erwachsenen Deutschen sind verschuldet, ein Fünftel der Menschen hierzulande hat – nichts.

Die schweizer Zeitschrift Bilanz schaut sich schon seit Jahren an, wer im für Reichtum berühmtem Alpenstaat wirklich reich ist. Und immer wieder schaffte es dabei auch ein Regensburger auf die Liste der reichsten Schweizer. Zwar hat sich das Fürstenhaus von Thurn und Taxis nie dazu erklärt, aber zumindest zeitweise war Fürst Albert nicht in Deutschland, sondern dort gemeldet – in Zürich, wo die Steuern besonders günstig sind.

Jetzt hat die Zeitschrift eine Liste der deutschen Superreichen angefertigt – natürlich fand auch Albert einen Platz auf ihr. Überraschend ist allerdings, wie hoch sein Vermögen geschätzt wird. „Nur“ noch 500 Millionen Euro sollen es sein. Einst wurde Albert als Milliardär gehandelt, sein Vermögen wurde zwischen 1,2 und 1,6 Milliarden Euro taxiert. Woran kann es liegen?

Ein Freund des Fürstenhauses erklärt, dass „man das Vermögen der Thurn und Taxis eben nicht so leicht schätzen kann wie das eines Unternehmers, der sein Vermögen in der Firma etwa in Form von Aktien hält“. Kein Wunder – kommendes Wochenende beispielsweise heiratet Alberts Schwester Maria Theresia auf Schloss Garatshausen am Starnberger See. Das Schloss ist traumhaft gelegen, es sieht wunderbar aus. Doch wie viel ist es eigentlich wert?

Ist Emmeram jetzt 0 Euro oder 100 Millionen wert? Auch das Schloss Emmeram kann man in den Büchern mit 100 oder 200 Millionen Euro – oder gar mit null Euro – eintragen. Denn Albert darf es nicht verkaufen. Alles, was sich die Familie aufgrund ihres Herrschermonopols von einst angeeignet hat, unterliegt dem sogenannten „Fideikommiss“. Den Verkauf der größten Privatbibliothek der Welt etwa verbot ihm ein Gericht. Übrigens wurden Alberts Schwestern Maria Theresia und Elisabeth abgefunden – sie verzichten also zugunsten des Stammhalters und Fürsten (ein reiner Titel übrigens, der nicht im Pass steht, dort heißt Albert Prinz von Thurn und Taxis) auf einen Erbteil. Ganz anders zu ihrem Vermögen kam da eine Familie aus dem Landkreis, die laut der Liste der 500 Reichsten mehr als doppelt so viel Vermögen ihr Eigen nennt als das Fürstenhaus: die Familie Kronseder nämlich. Schafft es Albert gerade mal auf einen 247. Platz, rangieren die Neutraublinger auf Platz 121. Das Vermögen wird auf 1,1 Milliarden Euro geschätzt. Wahrscheinlich liegt das auch am Kapitalwert der Krones-Aktien, die in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind. Lag der Kurs 2010 noch bei etwa 35 Euro, sind es heute bereits 70.

Aber egal ob Milliardär oder nur „halber“ Milliardär wie Albert: So ein riesiges Vermögen können sich die meisten Menschen gar nicht vorstellen. Natürlich müssen weder Albert noch die Kronseders bei einem Neuwagen-Kauf genau auf das Preisschild schauen. Aber wie verantwortungsvoll gehen die Reichen dieser Region mit ihrem Reichtum eigentlich um?

Nun, äußerst unterschiedlich. Das Haus Thurn und Taxis etwa veräußerte seit dem Tod von Fürst Johannes zahlreiche personalintensive Betriebe, ja, sogar Wohnhäuser in Regensburg, weil man dort Mieter betreuen muss – und investierte in Kapitalanlagen. Die Familie Kronseder indes hält es mit der Tradition, aus der dieses Vermögen auch entstanden ist und in der sich die meisten Superreichen dieses Landes sehen: Die wenigsten Besitztümer lagern nämlich in Tresoren oder liegen als Jacht vor den Küsten der Jetset-Badeorte. Der Großteil der Vermögen der 500 Superreichen steckt in Unternehmen wie Krones – also in der Wirtschaft, von der wir alle leben.

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