Heimbetreiber kündigt Klage gegen Landratsamt an

Mängel in der Pflege: BRK evakuiert Altenheim

05.07.2017 | Stand 03.01.2020, 19:04 Uhr

Wegen gravierender pflegerischer Mängel wurde das Seniorenheim Inzell geschlossen. 15 Senioren weigerten sich, zu gehen. Sie mussten von Angehörigen und dem BRK quasi evakuiert werden. Die letzten beiden Bewohner mussten sogar unter Polizeischutz evakuiert werden, da der Heimbetreiber den Mitarbeitern der Heimaufsicht des Landratsamtes Hausverbot erteilen wollte. Der Betreiber kündigte ergänzend eine Klage gegen Landratsamt und Heimaufsicht an.

INZELL Wie bereits mehrfach berichtet, ist das wegen gravierender pflegerischer und medizinischer Mängel in die Kritik geratene Seniorenheim Inzell am Freitag endgültig geschlossen worden. Nach einer entsprechenden Anordnung des Landratsamtes Traunstein hatte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) am Vortag einen diesbezüglich rechtsverbindlichen Beschluss gefasst. Am Tag des Fristablaufs eskaliete die Situation dann in ungewohnter Weise.

Der Betreiber des Heimes, die H&R Senioren Heimbetriebsgesellschaft mbH mit Hauptsitz in Berlin, teilte dem Landratsamt am Freitag Vormittag per Fax mit, dass man das Heim  um Mitternacht schließen und sämtliches Personal abziehen werde. „... ihnen muss folglich klar sein, dass die dann noch in der Einrichtung befindlichen Bewohner nicht mehr von unserer Mandantin bzw. deren Mitarbeitern versorgt werden können”, schreibt einer der Rechtsanwälte der H&R Senioren Heimbetriebsgesellschaft mbH in dem Fax.

Im Landratsamt reagierte man darauf mit Unverständnis. Wie Sprecher Roman Schneider in einem Interview auf erklärte, habe man dem Betreiber des Heimes bereits vorher versichert, auch nach dem 30. September noch Bewohner im Heim zu dulden. So lange, bis eine neue Bleibe für die Senioren gefunden worden sei. „Da sieht man, welche ethischen Grundsätze die H&R hat”, kommentierte Roman Schneider die Tatsache, dass 15 pflegebedürftige Senioren ab 1. Oktober ohne Pfleger in dem Seniorenheim gewesen wären.chiemgau24.de

Um dem vorzubeugen, wurden die Bewohner des Heimes am Freitag, 30. September, im Laufe des Nachmittags von Angehörigen und dem BRK in einer aufwändigen Rettungsaktion evakuiert.

Ganz anders als das Landratsamt sieht Dr. Wolfgang Hamma von der H&R Heimbetriebsgesellschaft die Sache. Er erklärte im Gespräch mit , dass die H&R für jeden Bewohner, der nach dem 30. September noch im Heim gewesen wäre, 2.500 Euro Bußgeld hätte zahlen müssen. „Wir hatten keine andere Wahl”, so Dr. Hamma. Die Tatsache, dass die Heimaufsicht und das Landratsamt auch nach 30. September Bewohner im Heim geduldet hätten, „hätte uns schriftlich vorliegen müssen.”chiemgau24.de

Bayernweite Kampagne gegen Heimbetreiber?

Dr. Wolfgang Hamma kündigte zudem an, dass die H&R Heimbetriebsgesellschaft mbH nun eine Klage anstreben werde. Er erhebt heftige Vorwürfe gegen die Heimaufsicht und das Landratsamt und weist die vorgeworfenen erheblichen pflegerischen Mängel, die zu Schließung des Heimes geführt hatten, zurück.

Dr. Hamma betont, dass man immer versucht habe, die Anforderungen zu erfüllen und objektive Mängel zu beseitigen. Dr. Hamma: „Was ist Inzell passiert ist, ist eine gezielte Kampagne, um uns zu vertreiben.” Auch das zweite bayerische Seniorenheim der H&R in Schliersee sei wegen pflegerischer Mängel in die Kritik geraten. Darum vermutet H&R, dass es eine landesweite Kampagne gibt, um die H&R aus dem Bayern zu vertreiben, weil man die Pflege so günstig anbiete.

H&R betreibt außer in Inzell und Schliersee noch ein Altenheim in Augsburg und hat bundesweit insgesamt 18 Seniorenheime. Hier sehen Sie Bilder von der Räumung des Seniorenheim in Inzell am Freitagnachmittag, 30. September.

Wir werden weiter berichten.

Hier finden Sie die bereits zum Thema erschienenen Artikel:

Heimaufsicht will Seniorenheim Inzell zusperren

Im Seniorenzentrum Inzell tickt die Uhr

Verwaltungsgerichtshof bestätigt Altenheimschließung

Berchtesgadener Land