SZ-Ost als Retteungsring für kleine Vereine – ein Kommentar

Kooperation oder Auflösung

23.06.2017 | Stand 02.01.2020, 18:14 Uhr
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Der SSV 63 im Schönbrunn kämpft ums überleben. Gleichzeitig braucht das Vereinsheim eine Sanierung für 500.000 Euro. Geld, das die Stadt nicht ausgeben will. Eine Rettung wäre die Kooperation mit anderen Vereinen vor Ort. Doch das will nicht jeder.

LANDSHUT Landshut ist eine Sportstadt. Jedenfalls war sie es mal. Die glorreiche Zeiten von DEL und Basketball-Bundesliga sowie einer „Spiele“ in der dritthöchsten Spielklasse sind vorbei. Ebenso die Zeit, in der jedes Stadtviertel seinen eigenen Verein hatte. Jedenfalls gilt das für all diejenigen Sportclubs, die keinen finanzstarken Sponsor haben.

Klar wurde das bei der Sitzung des Sportsenats am Montag. Da ging es um ein „Sportzentrum Ost“ auf dem Gelände des TV 64. Die Idee: Der TV 64 Landshut, der TC Weiß Blau, der Stemmclub und der SSV 63 Schönbrunn sollen kooperieren und ein gemeinsames Quartier in Mitterwöhr beziehen. Die Stadt könnte so Geld sparen, die Vereine – mit einer gemeinsamen Anlage – weiterexistieren.

Hört sich sinnvoll an und eigentlich sind außer dem Stemmclub – der hat noch ein tadelloses Vereinsheim – die meisten Beteiligten durchaus nicht abgeneigt. Eigentlich. Denn wie immer gibt es auch hier Bedenkenträger – sowohl in den Vereinen, als auch in der Politik.

Primär geht es um den SSV 63 Schönbrunn mit seinen rund 220 Mitgliedern. Der braucht dringend eine Generalsanierung des Vereinsheims (Foto), die schlappe 500.000 Euro kosten würde.

Zu viel Geld für einen Verein, der schon einmal kurz vor der Auflösung stand und der im Prinzip nur aus einer Fußballabteilung besteht. Das denkt das Rathaus und hat damit nicht ganz unrecht.

Das sehen sogar viele junge Sportler des Vereins so. Sie haben lieber anständige Trainingsmöglichkeiten, Kabinen und Duschen, als ein eigenes Sportheim direkt vor der Haustüre, das bald mehr Schimmel als Farbe an den Wänden haben wird. Allerdings gibt es da eben auch diejenigen, die alles lieber so lassen wollen, wie es ist. Die Möglichkeit gibt es. Denn niemand will die Vereine zur Zusammenarbeit zwingen. Auch Bürgermeister Thomas Keyßner ist alles andere als ein stürmischer Befürworter der Zusammenlegung in Mitterwöhr.

Seine Argumente: Die Schönbrunner Kinder wüssten eh schon nicht mehr, wohin sie gehören. Zur Schule müssten sie nach Auloh, zur Kirche nach Peter und Paul und jetzt auch noch zum Sporteln nach Mitterwöhr? Von der Integrationsfunktion des SSV 63 in dem Stadtteil und den Schwierigkeiten der Kinder, zur einer etwaigen neuen Trainingsstätte zu gelangen, ganz zu schweigen.

Berechtigte Einwände. Nur was gibt es für eine Alternative? Bleibt der SSV 63 da wo er ist, dann wird es ihn sicher nicht mehr lange geben.

Die Stadt müsste Geld für die Sanierung des Heims locker machen. Das passiert nur, wenn sie davon überzeugt werden kann, dass es den Verein in 15 Jahren noch geben und er die finanzielle Last tragen können wird. Das ist allerdings mehr als ungewiss.

Individualität muss man sich auch leisten können. Den Schönbrunner Sportlern wird deshalb wohl nichts weiter übrig bleiben, ein bisschen davon aufzugeben. Und mal im Ernst: Wenn der Weg von Schönbrunn nach Mitterwöhr zu weit ist, dann müssen die Kinder des SSV 63 im Sommer in der Isar zum Schwimmen gehen. Denn dann kann man ihnen auch nicht zumuten, in die Schwimmschule, ins Ergomar oder an die Gretlmühle zu radeln.

Landshut