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Hass und Hetze gegen ausländisches Neujahrsbaby – wie unerträglich!

11.01.2018 | Stand 10.01.2021, 19:32 Uhr
Christian Eckl
−Foto: Foto: KAV/Votava

Das Neujahrsbaby von Wien hat für Hass und Hetze im Internet gesorgt, denn es heißt Asel und ist Tochter von Einwanderern. Auch in Regensburg gab es Anfeindungen, weil Einwanderer an Neujahr Zwillinge bekam. Unerträglich, findet Wochenblatt-Autor Christian Eckl, denn auf den Rücken von Neugeborenen trägt man keine politischen Debatten aus.

REGENSBURG Man kann ja diskutieren, aber das geht nicht: Wenn ein Kind geboren wird, dann trägt man seine politischen Streitigkeiten nicht auf dem Rücken des Neugeborenen aus. Genau das aber ist zum Neujahr geschehen. In Wien hat ein offenbar zugewandertes Paar eine Tochter bekommen, die sie Asel nennt. Im Internet brach die Hölle aus – üble Beschimpfungen las man dort. Das ging soweit, dass sich sogar der österreichische Bundespräsident einschaltete. Auch in Regensburg an Neujahr geborene Zwillinge mit offenbar farbigen Eltern wurden im Internet diffamiert.

Ich finde das unerträglich. Wenn ein Kind geboren wird, freut man sich darüber. Und wer findet, dass Ausländer in Deutschland zu viele Kinder bekommen, der soll bitte selber welche machen. Jedes Kind, das hier geboren ist, soll mit den gleichen Chancen aufwachsen. Dass das nicht immer so ist, weiß ich – aber ich wünsche es mir.

Natürlich haben wir in diesem Land auch viele Probleme. Die Politik löst sie seit zwei Jahren nicht und Kanzlerin Angela Merkel hatte mit ihrem Satz „Wir schaffen das“ einfach unrecht. Wir wissen noch immer nicht von jedem, der ohne Pass eingereist ist, wer das ist. Wir überweisen im Jahr etwa 400 Millionen Euro ins Ausland, weil ein EU-Ausländer beispielsweise in Deutschland arbeitet, aber daheim Kinder hat. Für zwei Kinder bekommt man dann soviel überwiesen, wie man im Heimatland verdient. Zwei Millionen Ausländer bekommen zwischenzeitlich Hartz IV. Jeder zweite Asylbewerber fällt im Deutschkurs durch. Schätzungsweise ein Drittel der 60.000 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge hat am 1. Januar Geburtstag und ist wohl in Wahrheit viel älter. Das ist Staatsversagen, ja, anhaltend. Der Staat lässt sich belügen.

Und dennoch. Man kann politisch diskutieren, aber über das nicht: Menschen bleiben Menschen. Egal, welche Hautfarbe und egal, woher sie kommen. Und ich hoffe, dass die kleine Aslan in einem Österreich aufwächst, in dem sie eine glückliche Kindheit hat. Und genau das wünsche ich mir auch für die Zwillinge aus Regensburg. Und für alle, die Neugeborene beschimpfen, wünsche ich mir, dass sie erkennen, wie unmenschlich das ist. Neugeborene eignen sich eben nicht für Politik, niemals!

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