Sitzung des IHK Gremiums München-Oberbayern

Für und Wieder des Güterterminals Hufschlag

06.07.2017 | Stand 04.01.2021, 1:59 Uhr
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Dem IHK-Gremium dauert die Umsetzung von Verkehrsinfrastrukturprojekten zu lange - Diskussion über das Güterterminal – Große Sorge bereitet die Frage, ob der Personenschienenverkehr in der Region abghängt wird.

TRAUNSTEIN Das machte Kreissparkassen-Vorstand Werner Linhardt in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des regionalen Gremiums der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern in der Sitzung am Dienstag Abend im Sparkassensaal am Stadtplatz Traunstein deutlich. Seiner Einschätzung nach gehe die Umsetzung bei Kreisstraßen relativ zügig voran. Eine „Ebene höher“ sei es dann schon langwieriger, kritisierte er langwierige Planungszeiten. „Man hat nicht den Eindruck, dass es hier dann oft ernsthaft weitergeht“ sagte Linhardt kritisch.   Hans Zott, Sachgebietsleiter Raumordnung, Wirtschaft- und Strukturentwicklung im Landratsamt Traunstein wollte diese Kritik an den behördlichen Entscheidungswegen so nicht stehen lassen. Das Nadelöhr seien hierbei oft langwierige und schwierige Grundstücksverhandlungen oder Klagen von Interessensgruppen, wie die Klage gegen den Aubergtunnel in Altenmarkt zeige. Linhardt lies hier trotzdem nicht locker und fragte nach der Sinnhaftigkeit einzelner Maßnahmen am Beispiel des Ausbaus und der Straßenverlegung bei Weibhausen, bei der nun nach einigen Jahren der Fertigstellung die Straße mit einem hohen Kostenaufwand verlegt werde. Andreas Barmbichler vom Strandkurhaus Waging warb hier um Verständnis: Es habe sich dort erst im Nachhinein die Möglichkeit eines unerwarteten Grundstückserwerbs ergeben.     Zott führte in seinem Referat die logischen Verkehrsachsenbildungen und einen unbedingten Ausbau überladener Verkehrswege in der Region aus. Ausbaumaßnahmen seien zwingend nötig, da gemäß bestehender Verkehrsprognosen der Verkehr bis zum Jahr 2025 im Personenbereich um bis zu 16 Prozent und im Güterverkehr um bis 84 Prozent zunehmen werde. „Eine gute Verkehrsinfrastruktur ist die Basis für die Sicherung von Wohnen und Arbeiten im Landkreis Traunstein“ betonte der Sachgebietsleiter.     Aufgeschlossenheit  zum Güterterminal     Einen breiten  Raum nahm die Diskussion um den Schienenverkehr, um das „Für und Wider“ eines möglichen Güterterminals sowie die Frage nach dem Standort ein. Harald Schwarzbach, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung des Landkreises betonte, dass der Schienenverkehr in der Region zwischen Rosenheim und Salzburg rund 150 Züge umfasse. Das mögliche Güterterminal würde zwei zusätzliche Züge pro Tag betreffen, wobei diese rund 700 Meter lang sind. Das Terminal hätte je nach Ausbaustufe eine maximale Tiefe von 90 Meter. Ein rangieren der Züge im Bahnhof Traunstein sei aufgrund der Zuggrößen schwierig beziehungsweise nicht möglich, weshalb sich Hufschlag hier als attraktiver Standort präsentiere. Befürchtungen, dass das mögliche Güterterminal zu einer Zunahme des Schwerlastverkehrs in der Region führe, sehe er nicht wobei ihm Speditionsfachmann Thomas Eberl aus Nußdorf hier zustimmte. Das Eisenbahnbundesamt sehe neben einem Terminal im Chemiedreieck für die Wacker AG in Burghausen Bedarf für eine weitere Anlage in Südostoberbayern. Der Standort Hufschlag sei nicht zuletzt auch dadurch, dass man hierbei mit den Bayerischen Staatsforsten nur mit einem Grundstückseigentümer verhandeln müsse interessant und würde auch im Rahmen der Nordost-Umfahrung Sinn machen.     Steuerberater Markus Uzicanin aus Traunstein machte deutlich, dass das Bürgerinteresse zu dem Thema sehr groß sei. Hier müsse er schon genau wissen, ob es berechtigte Gründe dafür gäbe, den Bau des Güterterminals öffentlich zu vertreten. Eberl wies drauf hin, dass der Güterverkehr auch deshalb so stark zunehme, weil jeder alles „just in time“ (sofort) benötige. Er könne mit dem Bau eines Terminals gut leben, jetzt sei der Istzustand nicht befriedigend: „Die anderen haben die Vorteile und wir haben den Dreck“ bezog er sich auf die Situation, dass auf den regionalen Straßen der Lieferverkehr auch in Richtung der Terminals in Salzburg und München laufe und fügte hinzu: „So brauchen wir uns nicht wundern, wenn die Sattelzüge weiter durch Vachendorf donnern.“   Personenverkehr über  Mühldorf, Güter über Traunstein?   Bernhard Sailer  vom Hofbräuhaus Traunstein machte sich Sorgen, dass der Personenverkehr künftig über die Magistrale in der Region von München über Mühldorf führe. „Und die Güter fahren dann durch unser Tourismusgebiet“ fügte er missmutig hinzu.     Kritisch äußerten sich Gerhard Jobst aus Traunreut und Sebastian Zunhammer aus Traunreut über die Ostspange Traunreut, in der die Kreisstraßen TS 48 und TS 49 neu gebaut werden und mit einem großen Kreisverkehr an die Staatsstraße St 2096 angebunden werden. „Matzing und Traunwalchen sind das Nadelöhr“ betonte Zunhammer seine Sicht und fügte seine Vorstellungen hinzu: „Eine Brücke von Herbsdorf her hätte Sinn gemacht.“ Josef Pfeilstetter aus Chieming mahnte in der „Wegscheidproblematik“ eine Lösung an. Man sei interessiert, dass Bürger in die Stadt hineinfahren. Ein Kreisverkehr wie von Zott als derzeit diskutierte Variante ins Spiel gebracht sei „für Traunstein eine angenehme Entzerrung.“   Pfeilstetter betonte weiter, dass man seiner Überzeugung nach auf Basis gesicherter Fakten stärker auf eine Rasche Umsetzung von Verkehrsstrukturprojekten dringen müsse. „Die dagegen sind, werden jeden Tag vorstellig. Wir müssen als IHK Druck machen.“     Weitere Anfragen und Forderungen betrafen die Frage nach einem Radweg von Chieming nach Seebruck und eine Erneuerung der Brücke in Seebruck, die von einzelnen Gremiumsmitgliedern gefordert wurden. 

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