Finanzjongleur

Burghauser Finanzbetrüger (endlich) vor Gericht

09.07.2017 | Stand 07.01.2021, 20:35 Uhr
Mike Schmitzer

Dem Millionenbetrüger aus Burghausen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

MÜNCHEN_25BURGHAUSEN Der 54-jährige Burghauser ist einer der größten Betrüger, den der Landkreis Altötting gesehen hat. 568 Anleger hat er um insgesamt 24.118.030,09 Euro gebracht. Die Summe der anvertrauten Gelder reicht von 200 Euro bis hin zu 466.500 Euro. Deshalb stehen auch viele seiner Anleger vor den Trümmern ihrer Existenz.

Derzeit muss sich der Burghauser vor der 5. Strafkammer des Landgericht München II für seine Taten verantworten. Rund 40 von etwa 80 Zeugen haben bereits ihre Aussage gemacht. Es sind noch vier Verhandlungstage geplant und für Donnerstag, den 13. August, wird das Urteil erwartet.

Angeklagt ist der 54-Jährige wegen „Betrugs in 568 tatmehrheitlichen Fällen in Tateinheit mit vorsätzlichem Betreiben von Bankgeschäften ohne Erlaubnis.“ Die Höchststrafe liegt bei zehn Jahren Haft.

Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, führte er in 179 Fällen einen Vermögensverlust großen Ausmaßes herbei. 129 der Anleger, die mit utopischen Renditeversprechen angelockt worden waren, vertrauten dem Finanzjongleur mehr als 50.000 Euro an.

Der Mann machte über Firmen in Braunau, Salzburg und St. Gallen (Schweiz) Anlagegeschäfte. Der Großteil seiner Kunden stammte aus Burghausen und dem oberbayerischen Raum. Während die Geschäfte in Burghausen großteils über Mundpropaganda angebahnt wurden, führte er in München Verkaufsveranstaltungen durch.

Anleger angelockt mit 20-Prozent-Rendite

Dewr Burghauser versprach eine Verzinsung von rund 20 Prozent, die tatsächlich auf den von ihm angefertigten Depotauszügen so ausgewiesen wurde. Allerdings waren diese Auszüge das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt waren.

Laut den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatte er bereits im Jahr 2002 Verluste erzielt und wusste spätestens seit Jahresmitte 2008, dass er das Geld der Neuanleger weitestgehend für Auszahlungen an Altanleger verwenden muss.

Immer wieder ließen sich Anleger einen Teil der eingelegten Summe oder die angeblichen 20 Prozent Zinsen auszahlen und so lange immer wieder neue Kunden nachkamen, konnte der Finanzjongleur diese Auszahlungen auch leisten.

Das Ganze trägt die Züge eines klassischen Schneeballsystems, denn tatsächlich gab es, laut Anklageschrift, die von ihm präsentierte und prospektierte Anlage gar nicht und auch keinerlei Depots für Anleger bei der Bank JP Morgan.

Seinen luxuriösen Lebensstil finanzierte er ausschließlich von dem Geld seiner Anleger. Dazu gehörten schicke Autos, teure Reisen und wertvolle Geschenke.

Luxusleben mit dem anvertrauten Geld

So kaufte er seiner Ehefrau beispielsweise als Weihnachtsgeschenk ein Bild für 120.000 Euro. Die Villa in Braunau, die offiziell seiner Gattin gehört, hat 400 Quadratmeter Wohnfläche und steht auf einem 2.000-Quadratmeter-Grundstück. Die Innenausstattung muss vom „Feinsten“ sein, denn an ein Einrichtungshaus soll er mehr als drei Millionen Euro bezahlt haben. Geschäftsführer des Einrichtungshauses ist der Schwager des Anlagebetrügers.

Das Kartenhaus des Burghausers brach zusammen, als 2013 die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen Ermittlungen gegen ihn aufnahm. Es wurden Konten eingefroren und der Finanzjongleur konnte seine Anleger nicht mehr bezahlen.

In die Enge getrieben, erstattete der Anlagebetrüger am 23. August 2013 Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft. Es dauerte also knapp zwei Jahre, bis der Gerichtsprozess gegen den 54-Jährigen startete. In der Zwischenzeit befand sich der Burghauser auf freiem Fuß, lebte in Berlin und ging verschiedenen Jobs nach. Wir halten Sie weiter auf dem Laufenden.

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