Investigativjournalistin dreht Reportage
10 Jahre Chiemgauer: Kongress mit illustren Gästen

07.07.2017 | Stand 13.09.2023, 3:44 Uhr
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Mit illustren Gästen und einem Kongress feiert das Organisationsteam der erfolgreichen Regionalwährung „Chiemgauer” im Mai sein zehnjähriges Bestehen. Eine kleine Sensation ist, dass auch die französische Journalistin Marie-Monique Robin zu Dreharbeiten nach Traunstein kommt.

TRAUNSTEIN Die französische Investigativjournalistin und Filmemacherin Marie-Monique Robin hat sich weltweit einen Ruf als kritischer Geist erworben, vor allem durch ihren Gentechnik-kritischen Film „Monsanto, mit Gift und Genen“ und die nachfolgende Produktion „Unser täglich Gift“. Dass sie demnächst nach Traunstein kommt, ist eine echte Sensation. Sie dreht hier nämlich mit einem Team des Fernsehsenders „Arte“ beim Regiogeld-Kongress vom 2. bis 5. Mai, den die Verantwortlichen der Regionalwährung Chiemgauer in großem Stil auf und um den Stadtplatz organisieren.

Die mit vielen Preisen ausgezeichnete Filmemacherin arbeitet derzeit an einem wirtschaftlichen Thema: Unter dem Motto „Heiliges Wachstum“ will sie unter anderem erklären, warum das Wirtschaftswachstum zu einem Dogma der Politik erhoben worden ist. In ihrem Drehbuch spielen regionale Währungen eine ganz wichtige Rolle, so wie der Chiemgauer eine ist - noch dazu eine der bekanntesten in Europa und darüber hinaus.

In zehn Jahren hat es der Chiemgauer - entstanden aus einem Schülerunternehmen mit sechs Schülerinnen an der Waldorfschule Chiemgau in Prien unter Leitung von Christian Gelleri - geschafft, sich in der Region gut zu verbreiten und viele Nutzer zu finden. Inzwischen kann man in einer stolzen Menge an Geschäften im ganzen Landkreis mit Chiemgauern einkaufen, teilweise sogar per Karte. Bis es so weit war, hat es vom Jahr 2002 an aber noch etwas gedauert. 2003 gab es die ersten Chiemgauer-Gutscheine, der Chiemgauer-Verein wurde gegründet, und es fand damals der erste Regiogeld-Kongress statt - jetzt steht der fünfte vor der Tür. Im Jahr 2004 durften sich die engagierten Macher des Chiemgauer über den Agenda-21-Preis des Freistaats freuen, dem 2006 der „Rio-Award“ für nachhaltige Entwicklung folgte.

Von da an ging es dann Schlag auf Schlag: Bargeldlose Zahlungen wurden möglich, die Sozialgenossenschaft Regio wurde gegründet, der Chiemgauer vernetzte sich mit der Regionalwährung Sterntaler im Berchtesgadener Land, seit 2010 gibt es unbürokratisch Mikrokredite bis zu 20.000 Euro für Kleinunternehmer, und seit 2011 wurden Kooperationen mit Gemeinden begründet: mit dabei sind Siegsdorf, Inzell, Ruhpolding, Altenmarkt, Traunstein und Frasdorf. Hand in Hand mit einem erfolgreichen Wachstum ging eine internationale Reputation: Interessierte Wirtschaftler, Presse, Funk und Fernsehen gaben sich in Traunstein die Klinke in die Hand. Bis von China und Japan kamen Leute, um sich über den Chiemgauer zu informieren. Auf diese Weise ist der Chiemgauer weltweit Vorbild für viele weitere Regiogeld-Initiativen geworden.

Und so schließt sich der Kreis. Denn auch Marie-Monique Robin ist nicht etwa eingeladen worden, sondern ist von sich auch auf die Chiemgauer-Repräsentanten Elke Mathe und Christophe Levannier zugekommen, die im Landkreis Traunstein federführend sind. Die Filmemacherin besucht während des Kongresses in Traunstein verschiedene Geschäfte und  Chiemgauer-Anbieter und spricht mit Verbrauchern und Chiemgauer-Nutzern. Auch wird sie die Gelegenheit nutzen, Vorträge und Podiumsdiskussionen zu dokumentieren und die verschiedenen prominenten Referenten und Experten in Sachen Regiogeld und Postwachstums-Ökonomie zu interviewen. Das ist für den Chiemgauer-Verantwortlichen eine echte Genugtuung und eine große Ehre,  nicht zuletzt auch eine willkommene Werbung für die Botschaft, dass in regionalem Geld eine große Chance steckt – wie es wohl in Marie-Monique Robins Film ausdrücklich und ausführlich dargestellt werden soll.

Großes Programm zum Jubiläum:

TRAUNSTEIN: Die renommierte Filmemacherin Marie-Monique Robin, die Geldexpertin und -kritikerin Margrit Kennedy, Wachstumskritiker Niko Paech und der Ökonom Werner Onken: Das sind die wohl prominentesten Gäste des 5. Regiogeld-Kongresses, der vom 3. bis 5. Mai in Traunstein stattfindet. Das Programm beginnt am Freitag, 3. Mai, um 12 Uhr mit Infoständen und Aufführungen am Stadtplatz. Am Freitag um 19 Uhr  ist die Eröffnung im Großen Rathaussaal - mit Kulturprogramm, Podiumsdiskussion und einem Impulsvortrag von Chiemgauer-Gründer Christian Gelleri. Das Hauptprogramm beginnt am Samstag, 4. Mai um 9 Uhr im Rathaus mit einem Vortrag von Prof. Margrit Kennedy. Ab 11 Uhr finden  rund um den Stadtplatz Vorträge und Diskussionen statt. Mit einem Impro-Theater um 19 Uhr in der Franz-Eyrich-Halle klingt der Samstag aus.  Am Sonntag gibt es um 9 Uhr im Großen Rathaussaal noch einen Vortrag von Prof. Niko Paech: „Lust auf Leben nach der Krise".

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